Spannung pur beim Semi-Finale Harfe des ARD-Wettbewerbs in München
Gestern spielten sechs Teilnehmer des Semi-Finales im Fach Harfe beim ARD Wettbewerb in München um den Einzug ins Finale – eine spannende Revue von großen Talenten und hohem künstlerischen Niveau. Traditionell kommen viele Harfenisten in den großen Orchestern aus Frankreich, so auch hier bei den überwiegend weiblichen Teilnehmern. Von den insgesam 42 Teilnehmern zu Anfang des Wettbewerbs erreichten die Französin Emilie Gastaud, die Belgierin Anneleen Lenaerts, die Deutsche Ronith Mues, die Japanerin Ruriko Yamamiya, die Amerikanerin Cheryl Losey und der Franzose Emmanuel Ceysson das Semi-Finale.
Alle sechs Teilnehmer mussten ein zeitgenössisches Solo-Stück spielen und konnten sich dabei für Franco Donatonis Marches, Luciano Berios Sequenza II oder Elliott Carters Bariolage für Harfe solo entscheiden – allesamt schwierige, sehr expressive Werke, die dem Spieler hohes technisches Können abverlangen. Dazu kam für alle Kandidaten Maurice Ravels mitreißende Introduktion und Allegro für Harfe, Streichquartett, Flöte und Klarinette. Hier hatten die Teilnehmer prominente Partner an ihrer Seite, nämlich das Quatuor Ebène – selbst ARD-Preisträger von 2004 – sowie den Klarinettisten Olivier Patey und die Flötistin Magali Mosnier, auch sie eine ehemalige ARD-Preisträgerin.
Um es gleich vorweg zu nehmen: der letzte Wettbewerbsteilnehmer im Semi-Finale Harfe, der Franzose Emmanuel Ceysson, erhielt für seine Interpretation von Elliot Carters Bariolage und für das Ravel-Stück verdientermaßen den stärksten Beifall. Sein Spiel wirkte gelöst, sicher und er wusste durch viele Nuancen zu betören. Verständlich, denn er steht bereits am Beginn einer beruflichen Laufbahn und ist erster Solo-Harfenist im Pariser Opernorchester. Auch die einzige deutsche Teilnehmerin des Semi-Finales, Ronith Mues, konnte in vieler Hinsicht überzeugen, schaffte dann aber den Sprung ins Finale doch nicht. Auch sie ist bereits mit dem Profi-Leben eines Orchestermusikers vertraut uns spielt im Konzerthausorchester Berlin.
Erwähnen muss man das Spiel der Japanerin Ruriko Yamamiya, die der Musik von Ravel und den Marches von Donatoni die subtilsten klanglichen Facetten abgewinnen konnte. Stellenweise hatte man fast den Eindruck, ein japanisches Zupfinstrument zu hören, so sehr verstand sie es, die dynamische Bandbreite des Instruments auszuloten.
Die Entscheidung der Jury unter Vorsitz von Lutz Köhler fiel folgendermaßen aus: Anneleen Lenaerts (Belgien), Ruriko Yamamiya (Japan) und Emmanuel Ceysson (Frankreich) haben das Finale erreicht und werden am Donnerstag, 10. Sept. um 20. 00 Uhr mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Lawrence Renes im Herkulessaal der Residenz um die ersten drei Preise spielen. Alle Teilnehmer, die das Finale nicht erreichten, haben noch die Chance, einen der zahlreichen Sonderpreise oder Stipendien zu erhalten.
Marie-Luise v. Schuckmann, 8.9.2009