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Bericht

Donnerstag, 9. September 2010

Viele junge Talente beim 2. "Cantilena"-Wettbewerb in Bayreuth

Zum zweiten Male fand in Bayreuth der von der „Junge Musiker Stiftung“ ausgeschriebene Gesangswettbewerb „Cantilena“ statt. Etwa 50 Teilnehmer hatten sich vom 29. April bis zum 3. Mai der Beurteilung durch eine strenge Jury auszusetzen, bestehend aus Manfred Jung, dem künstlerischen Leiter der Stiftung, dem Tenor René Kollo, dem Gesangspädagogen Rudolf Piernay, den Intendanten Miranda van Kralingen (Maastricht), Peter Theiler (Nürnberg) und Guy Montavon (Erfurt) sowie dem Fachjournalisten Ekkehard Pluta. Zu dieser Runde gesellte sich beim Finale noch Eva Wagner-Pasquier, die designierte Co-Leiterin der Bayreuther Festspiele.

Statt der vormals drei mit 7000,-, 5000,- und 3000,- Euro dotierten Preise gab es in diesem Jahr in beiden Abteilungen (Oper/Operette und Konzert) jeweils 5 Preise zwischen 5000,- und 1000,- Euro. Die 10 Finalisten waren damit automatisch auch Preisträger, die Rangfolge wurde jedoch erst nach dem Abschlusskonzert von der Jury festgelegt.

Das Niveau der Kandidaten war diesmal auf dem Opernsektor erfreulich hoch, so dass einige Sänger nach dem Semi-Finale ausscheiden mussten, die vor zwei Jahren noch gute Chancen gehabt hätten, ins Finale zu kommen. Manfred Jung (li.) stellt die Preisträger vor.
Manfred Jung (li.) stellt die Preisträger vor.
Foto: Siegfried Seebach
Die Entscheidungen der Jury waren auch nicht immer einmütig. Dennoch hatte sich die deutsche Sopranistin Johanna Winkel (Jg. 1981), die im Abschlusskonzert mit Arien aus Die verkaufte Braut und Lohengrin glänzte, ihren 1. Preis redlich verdient. Ein lyrischer Sopran mit schon jetzt beträchtlichen dramatischen Möglichkeiten und einiger Gestaltungsphantasie. Gut möglich, dass sie den Sprung vom „Zentrum“, dem Austragungsort des Wettbewerbs, zum Grünen Hügel in ein paar Jahren schafft. Die übrigen Preise gingen, wie bei solchen Anlässen nicht unüblich, an die koreanischen Teilnehmer. Die lyrische Koloratursopranistin Jin-Hee Lee (Jg. 1983) bezauberte mit Händels „Piangerò“ (Giulio Cesare) und der Arie der Manon aus dem 3. Akt von Massenets gleichnamiger Oper und ersang sich damit den 2. Platz, den mit gleichem Recht der Bariton Gukhoe Song (Jg. 1979) hätte beanspruchen können, der sich erstaunlicherweise mit dem 4. Preis begnügen musste. Eine schlank geführte, aber sehr ausladende Stimme, die mit Valentins Gebet (Faust) und Posas Tod (Don Carlo) reüssieren konnte. Den 3. Preis erhielt verdientermaßen der Bassist Daeyoung Kim (Jg. 1980), der sich mit Stimmgewalt und äußerst souveräner Gestaltung der Verleumdungsarie (Il barbiere di Siviglia) und der Arie des Daland (Der fliegende Holländer) bestens empfahl. Wesentlich monochromer wirkte dagegen der Bariton Hyun-bong Choi (Jg. 1981), der im Monolog „Nemico della patria“ (Andrea Chenier) und in Wolframs „Lied an den Abendstern“ vor allem mit seinem reichen Material punkten konnte.

Ein außerplanmäßiger Förderpreis ging an die erst 18jährige deutsche Gymnasiastin Lavinia Dames, deren silberklarer leichter Sopran und deren natürlicher, charmanter Vortrag von „O mio babbino caro“ (Gianni Schicchi) und „Ich bin verliebt“ (Clivia) zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Die Preisträger des 2. Cantilena-Gesangswettbewerbes
Die Preisträger des 2. Cantilena-Gesangswettbewerbes
Foto: Siegfried Seefried
Mit dieser Auszeichnung demonstrierte die Junge Musiker Stiftung den Anspruch, große Talente schon im Frühstadium zu erkennen und zu fördern. Einem nicht ganz glücklichen Auszählprinzip fielen nach dem Semifinale zwei Sängerinnen zum Opfer, die vorher zu den Favoritinnen gehört hatten und denen der Wettbewerb einige starke Beiträge verdankte, die zweifellos auch das Programm des Abschlusskonzerts geziert hätten. Die deutsche Sopranistin Daniela Gerstenmeyer (Jg. 1984) berührte mit Susannas Rosenarie ebenso wie mit der Juwelenarie der Marguerite und Giuliettas Auftrittsarie aus Bellinis I Capuleti e i Montecchi und verblüffte dann mit einer fulminanten Wiedergabe von Aribert Reimanns Parergon II zu Melusine. Myung-Hee Lee (Jg. 1980) meisterte die beiden Arien der Königin der Nacht treffsicher und dramatisch intensiv und zeigte auch in „Glitter and be gay“ aus Bernsteins Candide ihr auffallendes Bühnentemperament.

Auch sonst gab es auf dem Opernsektor noch bemerkenswerte Leistungen, etwa von den Mezzosopranistinnen Anna Lapkovskaja und Iwona Sakowicz, während die Auswahl auf dem Konzertsektor eher bescheiden war, was im Endeffekt zu einer leichten Wettbewerbsverzerrung führte. Der makellos singende Bariton Tobias Berndt (Jg. 1979) hatte in diesem Bereich keine Mühe, mit einer Arie aus Bachs Matthäus-Passion und Wolfs Lied „Der Feuerreiter“ den 1. Preis zu gewinnen. Die Sopranistin Andrea Zeilinger (Jg. 1984) entzückte mit der imaginativen Gestaltung des freitonal komponierten Liedes Rechenstunde von Fritz Büchtger (1903-1978) und rutschte dann wegen eines Fehlers in den Koloraturen von Mozarts Konzertarie „Chi sá, chi sá qual sia“ auf den 5. Platz ab. Die Mezzosopranistin Lucie Hilscherová (Jg. 1979), mit einer vollen, weichen Stimme gesegnet, agierte in den Oratorienarien sehr passiv und zeigte nur in Mussorgskys „Gopak“ gestalterisches Temperament. Sie erhielt den 3. Preis. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben. Auf Platz 4 sang sich die Sopranistin Romy Petrick (Jg. 1980), stimmlich wie gestalterisch von nur durchschnittlicher Qualität. Am Klavier bestens betreut wurden die jungen Sänger in allen Durchläufen wie im Schlusskonzert von den erfahrenen Begleitern Hans-Georg Kluge und Michael Klubertanz.

Alexander Dreyssig, 7.5.2009

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