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Arts 47748-8

The Art of Saxophone

Mario Marzi • Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi • Hansjörg Schellenberger

Klassik-heute-Empfehlung1 CD/SACD stereo • 77 Min. • 2004

Details (11.06.2010)

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47748-8

Als der zum Flötisten und Klarinettisten ausgebildete Instrumentenkonstrukteur Adolphe Sax mit einer Vielzahl neuer Blechblasinstrumente zu entscheidenden Modernisierungen und Erweiterungen der Militärkapellen beitrug, fand er bei einigen der seinerzeit berühmten Komponisten im klassisch-sinfonischen Bereich begeisterte Unterstützung für seine fortschrittlichste Idee: das Saxophon (1840). Neu und gewagt war der Gedanke, einen Klappenapparat aus Metall, im Prinzip also ein Blechblasinstrument, mit dem typischen Tonerzeuger eines Holzblasinstrumentes, dem Rohrblatt einer Klarinette, zu kombinieren. Das Ergebnis war ein neuer Klang. Die Wirkung ist bekannt: Militär-, Tanz- und Unterhaltungsmusik, vor allem aber der von den Schwarzamerikanern entwickelte Jazz wurde zur originären Heim- und Pflegestätte des Saxophons. Nicht beeinflussen ließ sich davon eine relativ kleine Zahl von Tonschöpfern für den Konzertsaal. Sie erkannten, jeder zu seiner Zeit, die besonderen Ausdrucks- und Klangqualitäten dieser Erfindung, nicht zuletzt die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten dieses quirligen Instrumentes. Dennoch ist bis heute die Anzahl richtungsweisender und stilistisch anspruchsvoller Beiträge überraschend klein geblieben. Ebenfalls überraschend ist deren auffallend bescheidene Präsenz im öffentlichen Musikleben. Nicht zuletzt sind auch das einschlägige Schallplattenrepertoire und die Namenslisten entsprechend prominenter Solisten, Virtuosen und Widmungsträger solcher Werke ein Spiegelbild dieser Situation.

Umso mehr begrüßt man diese Wiederbegegnung mit vertrauten, zum Teil in hochkarätigen Vergleichsaufnahmen vorliegenden Werken, nun auch als Vorzeigeexemplar dieses Genres in der Form einer SACD-Produktion. Eine solide Grundlage der Interpretation ist das südländische Temperament und Können des italienischen Saxophonvirtuosen Mario Marzi und das das vitale Musikantentum der Mailänder Verdi-Sinfoniker. Geprägt von wohltuend klanganalytischer Intelligenz und akribischer Werkkenntnis steuert mit kühlem Kopf der aus Süddeutschland stammende Hansjörg Schellenberg, selber ein prominenter Oboenvirtuose und ehemaliger Solobläser der Berliner Philharmoniker, mit dem Dirigentenstab alle Vorgaben und Erfordernisse des Vorhabens. So gewinnen Glasunows eher zu grüblerischer Schwärmerei neigende Motiv- und Gedankenspiele eine überzeugende Lebendigkeit und Debussys berühmte Saxophon-Rhapsodie ein Maximum an Ausdrucksnuancen der vielfarbigen Klangflächen. Iberts jazziges Concertino und Milhauds an Melodie und Rhythmus überbordende Scaramouche-Suite werden zu regelrechten „Reißern“ der Programmfolge gesteigert, während die intimere Fantasia von Villa-Lobos in ihrem Detailreichtum die Ohren zum spannenden Lauschen animiert. Eine Herausforderung eigener Art und Qualität bildet das in der vorliegenden Folge den thematischen Rahmen fast sprengende Finale der CD, nämlich Milhauds surrealistisch-expressionistisches Weltschöpfungsballett La creation du monde. Die 1923 mit Klarinetten-Swing und kakophonen Blechbläser-Eruptionen gewürzte Klangkulisse zur Choreographie eines getanzten schwarz-afrikanischen Natur-Mythos ist nach wie vor ein Klangabenteuer exotischer Kultbeschwörung und Wildheit.

Gerhard Pätzig (11.06.2010)

Künstlerische Qualität:

10

Bewertungsskala: 1-10

Klangqualität:

10

Gesamteindruck:

10

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