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OehmsClassics OC 640

Werke von L.v. Beethoven

ORF Vienna Radio Symphony Orchestra • Bertrand de Billy

1 CD/SACD surround • 64 Min. • 2008

Details (10.03.2010)

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OC 640

Das Wiener Radiosymphonieorchester hat mit Bertrand de Billy, Chefdirigent seit 2002, einen starken Aufschwung genommen. Das zeigen die Konzertprogramme, der Zuspruch von Publikum und Kritik sowie die in den letzten Jahren erschienenen CD-Produktionen. Die Aufnahmen spiegeln ein breites Repertoire: Klassik, Romantik, zeitgenössische Musik sowie den Mut, kaum oder gar nicht bekannte Werke ins Programm zu nehmen.

Diese Beethoven-Aufnahmen bestätigen den positiven Eindruck nachdrücklich. Das gilt schon für die aufführungspraktische Seite. De Billy geht Beethoven an mit den Erkenntnissen der „historischen“ Auffüührungspraxis der letzten Jahrzehnte, zu denen ja unter anderem gehört, dass Beethovens Tempobezeichnungen oft missverstanden und die Sätze zu langsam genommen wurden. Mit den Wiederholungen gingen die Dirigenten recht willkürlich um, glaubten oft, auf sie verzichten zu dürfen – was natürlich Auswirkungen auf die Balance hatte.

Die vorliegenden Interpretationen haben Frische und Vitalität, Spannung und Akzente, Kraft und Farbigkeit. Im Fall der Siebten hat schon die kraftvolle Einleitung die drängenden Züge, die sich dann vollends im Allegro-Hauptsatz zeigen. Fast unmittelbar schließt sich der zweite Satz an, an dessen Allegretto-Charakter der Dirigent zu Recht keine Zweifel lässt. Miteinander verklammert sind auch der dritte und der vierte Satz. Das Presto (3. Satz) wird rasch, jedoch nicht rasend, sehr pulsierend und akzentuiert genommen, sein Trio nicht wie so oft behaglich bis gemütlich, sondern angespannt. De Billy verfällt auch nicht in den Fehler, das Finale – dessen ungestüme Wildheit die Zeitgenossen schockierte und Carl Maria von Weber zur Bemerkung veranlasste, Beethoven sei „reif für’s Irrenhaus“ – rasend zu inszenieren. Es ist ein Allegro con brio, sehr drängend und akzentuiert, aber nie hektisch-aufgeregt.

Die achte Sinfonie ist ebenfalls vom Staub der überkommenen Tradition befreit. Im Kopfsatz geht es schon molto vivace gleich zur Sache. Der zweite Satz mit seinem tickenden Grundrhythmus ist kein langsamer Satz (wie in Haydns Sinfonie Nr. 101), sondern ein Allegretto, der dritte Satz ist kein Menuett mehr, sondern eine Reminiszenz an diesen Tanzsatz. Das Finale ist rasch, animiert, könnte indes drängender und raffinierter sein.

Insgesamt ein zeitgemäßer, moderner Beethoven, der die Fähigkeiten des Orchesters in bestes Licht stellt. Der Klang der im Wiener Funkhaus entstandenen Aufnahmen ist voll und natürlich, aber nicht ganz transparent. Die Bässe sind im Tutti gelegentlich nicht genügend deutlich.

Peter Heissler (10.03.2010)

Künstlerische Qualität:

8

Bewertungsskala: 1-10

Klangqualität:

8

Gesamteindruck:

8


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