Kaum ein Werk der Vorfahren Johann Sebastian Bachs wäre uns überliefert worden, hätte er nicht selbst die Kompositionen der hundertjährigen thüringischen Kirchenmusikerdynastie getreulich archiviert. Und noch sein Sohn Carl Philipp Emmanuel, selbst ein Komponist von europäischem Rang, erinnerte sich der Aufführung eines Stückes von Johann Christoph Bach (1642-1703) durch seinen Vater: „Mein seeliger Vater hat es einmahl in Leipzig in der Kirche aufgeführt, alles ist über den Effeckt erstaunt.“
Dieses von Johann Sebastian angelegte „Alt-Bachische Archiv“ gelangte in den Besitz der Berliner Sing-Akademie, nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war es fünfzig Jahre verschollen und wurde erst kürzlich im Staatsarchiv der Ukraine wieder aufgefunden, mittlerweise ist es nach Berlin zurückgeführt.
Konrad Junghänel und Cantus Cölln sind wahrhaft berufene Interpreten für diese Musik: Als ausgewiesener Spezialisten für die Musik des 17. Jahrhunderts hat sich Junghänel mit seinem Ensemble auch um die Musik des Thomaskantors verdient gemacht. Mit der Gruppe Concerto Palatino bestehen enge künstlerische Beziehungen, Furore machte bereits die Zusammenarbeit beider Ensembles bei der Gesamtaufnahme von Monteverdis Selva morale e spirituale. So entsteht eine mustergültige Dokumentation der hundertjährigen Geschichte einer Familie lutherischer Kirchenmusiker, die wie keine andere die deutsche Musikgeschichte geprägt hat!
Detmar Huchting (03.07.2003)