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CD-Besprechung

G. Mahler

Simax 1 CD PSC 1150

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 01.10.00

Simax PSC 1150

1 CD • 74min • 1998

Der genialische junge Dirigent Ole Kristian Ruud und sein Norrköpings Symfoniorkester haben sich viel Mühe gemacht und Mahlers Erste in ihrer Fassung von 1893 als Tondichtung Titan eingespielt – Mühe deshalb, weil das teils handschriftliche Aufführungsmaterial so problematisch ist, daß die meisten gutwilligen Mahler-Dirigenten mit Interesse an dieser Version zur Notlösung greifen, die bekannten vier Sätze der Ersten herzunehmen und den von Mahler später aus der Frühfassung ausgesonderten Blumine-Satz aus anderer Quelle zu übernehmen. Da aber Mahler auch in den anderen vier Sätzen vor Drucklegung der Sinfonie zahlreiche Stellen uminstrumentiert hat, war das Resultat der Notlösung immer eine Mischfassung. Ähnliches widerfuhr auch der dreisätzigen Urfassung der Kantate Das klagende Lied, die erst vor zwei Jahren in der Mahler-Gesamtausgabe erschien und von Kent Nagano erstaufgeführt wurde. Übrigens ist die Version von 1893 ihrerseits eine Umarbeitung der Urfassung, die Mahler selbst am 20. November 1889 in Budapest uraufgeführt hatte.

Das hier verwendete Manuskript der zweiten Fassung des Titan von 1893 wurde erst in den 60er Jahren an der Yale University entdeckt und erstmals 1970 von Wyn Morris mit dem New Philharmonia Orchestra eingespielt (EMI CD 7 64137 2, vergriffen). Die Urfassung von 1889 blieb bis heute unaufgeführt; beide Versionen sind bis heute nicht in der Mahler-Gesamtausgabe erschienen.

Meines Wissens ist Ruud nach Morris erst der zweite Dirigent, der diese Version vollständig auf CD eingespielt hat. Die Mühe hat sich gelohnt, denn Ruud setzt in seiner Interpretation neue Maßstäbe. Man könnte sich zwar noch mehr Räumlichkeit wünschen, aber die extrem ausgelotete Dynamik (leider mit Grenzen in den Lautstärkespitzen) und der trennscharfe Gesamtklang lassen jene delikaten Farben hörbar werden, die Mahler durch seine späteren Retuschen mitunter hörbar verwässert hat. Man höre unter diesem Aspekt nur einmal den Beginn des ersten Satzes mit den zauberhaften Hornfanfaren (Tr. 1, 0'48; in der späteren Version nur Holzbläser), den Beginn des Scherzos mit den wirkungsvollen Pauken (Tr. 3) oder die drastischen Kontraste, die Mahler zu Beginn des Finales durch eine reduzierte Instrumentierung erreicht. Dadurch entwickelt sich eine Steigerung auf den Beginn des Themas (Tr. 5, 1'09), während im dicken Tutti der Spätfassung nur noch Höllenlärm herrscht.

Ruud inszeniert die dramatischen Passagen regelrecht, ohne die Lyrizismen zu verraten, und unterstreicht die "tondichterischen" Aspekte der Partitur. Der erhaltene Kopfsatz des Klavierquartetts a-Moll von 1876 ist zwar theoretisch eine nette Zugabe, wird hier aber leider allzu brav und konturlos musiziert; die Höchstwertung in der künstlerischen Qualität bezieht sich auf die Sinfonie. Ein kleines Ärgernis ist das ausgesprochen lieblos gemachte Booklet mit zahlreichen Druckfehlern.

Dr. Benjamin G. Cohrs [01.10.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Mahler Titan (Eine Tondichtung in Sinfonieform)
2 Klavierquartett a-Moll

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Mats Jansson Klavier
Henrik Petersen Violine
Lennart Falkebring Viola
Niklaas Veltman Violoncello
Norrköping Symphony Orchestra Orchester
Ole Kristian Ruud Dirigent
 
PSC 1150;7033662011506

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