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CD-Besprechung

Sechs Partiten

hänssler CLASSIC 92.115

2 CD • 2h 29min • 1999

01.07.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Das Spiel des vielseitigen Trevor Pinnock kommt mir bei Bachs letztem großen Beitrag zur Gattung Partita traditionell, um nicht zu sagen konventionell vor. Wer in der G-Dur-Partita rauschende Virtuosität erwartet, wird durch gemessene Gangart im ersten Satz ernüchtert; ebenso in der abgründigen sechsten Partita (e-Moll): Ekstase, menschlich-übermenschlich-musikalisch Äußerstes sind hier nicht zu erleben. Mattheson hatte die Tonart e-Moll im Jahr 1713 wie folgt umschrieben: "tröstende Traurigkeit; tiefsinnig; nicht glücklich". Davon vermittelt Pinnocks Spiel nicht eben viel, ebenso wenig von dem "glänzenden" Charakter, den Mattheson G-Dur zuschreibt. Die B-Dur-Partita ist zwar professionell gelungen, nicht aber suggestiv gestaltet. Pinnock spielt versiert und stets auf hohem Niveau, ihm ist zugute zu halten, daß er keine Sätze im Tempo verhetzt. Die Partiten in D-Dur, a-Moll und c-Moll treffen den Nerv der Stücke, doch zeigt hier Andreas Staier etwas mehr Phantasie und mehr Mut in der Gestaltung; er schaffte es in seiner Studioeinspielung von 1994, daß einem der Beginn der Partita in c unter die Haut geht; in anderen Sätzen übertrifft er Pinnock an Keckheit – schließlich handelt es sich bei diesem Teil der Bachschen Clavier Übung, um mit dem Komponisten persönlich zu sprechen, nicht nur um "Praeludien, Allemanden, Couranten, Sarabanden, Menuetten und Giguen", sondern auch noch "um andere Galanterien". Und eben diese würden vielleicht doch eine weniger puristische Grundhaltung erfordern, als Pinnock sie einzunehmen scheint; Improvisatorisches fehlt bei ihm ganz; der – für Bach allerdings nicht erwiesene – Spielmodus der inégalité liegt ihm fern, und fast keine einzige Verzierung wollte er sich einfallen lassen; dadurch bleibt das Ganze etwas nackt, sofern man die Stücke reicher ornamentiert gewohnt ist.

Pinnocks Instrument und Aufnahme verströmen körperreiches Bukett, wenn auch vielleicht nicht ganz so viel Obertonreichtum wie das Cembalo von Keith Hill, das Andreas Staier bei seiner Aufnahme der Partiten 1994 benutzt hat. Das Booklet von Hänssler informiert historisch mustergültig.

Für die pianistisch Interessierten gibt es eine entlegene, aber beachtenswerte Aufnahme der ersten (in B-Dur) und vierten Partita (in D-Dur), die Sergio Fiorentino (1927-98) hinterlassen hat: sie gehört zum Überzeugendsten, was von Bach auf dem heutigen Flügel eingespielt wurde (Appian 5558, Fiorentino Edition IV) – klar gemeißelt und überaus logisch in der Fortspinnung.

Dr. Matthias Thiemel [01.07.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Clavierübung 1. Teil BWV 825-830 (Partitas Nr. 1-6)

Interpreten der Einspielung

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