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Besprechung CD

History of the Russian Piano Trio • 10

The Silver Age and Art Nouveau Era
The Brams Trio

Naxos 8.574691

1 CD • 80min • 2017, 2021, 2024

10.02.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die nunmehr zehnte Folge der auf 15 CDs angelegten Anthologie „Geschichte des russischen Klaviertrios“ mit dem aus Professoren des Moskauer Konservatoriums gebildeten Brahms Trio widmet sich der sowjetischen Avantgarde der 1920er Jahre und mit Schostakowitschs zweitem Klaviertrio (1944) einem der meistgespielten Gattungsbeiträge des gesamten 20. Jahrhunderts.

Frühwerk mit Meriten

Schostakowitsch schrieb sein erstes Klaviertrio mit nur 17 Jahren. Es wurde dann zwar aufgeführt, 1925 veröffentlicht, verschwand aber wie viele avantgardistischen Beiträge des staatlichen Musikverlags der UdSSR bald aufgrund politischen Drucks in der Versenkung. Erst posthum rekonstruierte Schostakowitschs Schüler Boris Tischtschenko aus verschiedenen Quellen das Werk. Die große Bogenform des 12-minütigen Einsätzers scheint insgesamt etwas zerrissen, aber die enormen Kontraste und die letztlich auf ein triumphales C-Dur hinauslaufende Dramatik kann schon überzeugen. Beim absolut souveränen Musizieren des Brahms Trios fällt auf, dass das anfängliche Andante erfreulich flotter genommen wird als vielleicht üblich ‒ etwa in der kongenialen Darbietung des Trio Karénine. Die mechanistisch-ostinaten Stellen wirken dafür umso phantastischer und mitleidloser. Vom musikalischen Aufbau her spielt das Brahms Trio stimmig und empathisch, erreicht jedoch nicht so differenzierte Klangfarben wie obige Konkurrenz.

Roslawez‘ meisterhaftes 4. Klaviertrio

Nikolai Roslawez (1881‒1944) galt nicht nur mit seinen komplexen „synthetischen“ Akkorden und der sich daraus ergebenden sehr modernen Harmonik als einer der interessantesten Komponisten der Skrjabin-Nachfolge. In den 1920ern Cheflektor beim Staatlichen Musikverlag, fiel er später als angeblich anti-sowjetischer Volksfeind dem System zum Opfer, lebte länger in der Verbannung und starb schließlich verarmt und krank in Moskau. Viele Werke sind leider verschollen. Erst seit den 1990er Jahren beginnt man zumindest im Westen, seine wahre Bedeutung zu schätzen. Das 4. Trio von 1927 ist harmonisch gemäßigter und der viersätzige Aufbau greift auf die großen Modelle der Romantik zurück; einige Motive werden satzübergreifend weiterentwickelt. Die polyphone Stimmführung und der gewaltige Ausdruckswille jedoch erinnern mehr an expressionistische Kunst. Zahlreiche Brüche erscheinen oft bereits wie die unterschwellige Ironie des späteren Schostakowitsch. Das 40-minütige Meisterwerk erklingt beim engagierten Brahms Trio weitaus zerklüfteter und emotional drastischer als in der etwas weichgespült-verspielten, seinerzeit trotzdem verblüffenden Einspielung des Trio Fontenay, besonders im Scherzo und im Finalsatz. Das ist alles hemmungslos mitreißend, trotzdem auch analytisch klar durchgearbeitet und macht die Veröffentlichung alleine schon hörenswert. Insbesondere begeistert Pianistin Natalia Rubinstein mit pointiertem Anschlag, die zudem einen äußerst informativen Booklettext mitliefert.

Schostakowitschs zweites Trio

Bei Schostakowitschs berühmten 2. Klaviertrio gebührt dem Moskauer Ensemble ebenso höchstes Lob. Klanglich und emotional gelingt alles mit großer Stringenz, freilich über Strecken bewusst (?) ein wenig unterkühlt, selbst in den folkloristisch angehauchten Elementen des vierten Satzes. Klarheit und Unnachgiebigkeit geht hier vor Demonstration irgendwelcher individueller Mätzchen. Umso mehr begreift der Hörer, warum gerade dieses Stück für spätere Kammermusik der Sowjetunion derart stilbildend geworden ist. Aufnahmetechnisch ist die CD durchsichtig, mehr direkt beim Podium als Abbild der großen Konzerthalle des Moskauer Konservatoriums, dennoch: klar zu empfehlen!

Martin Blaumeiser [10.02.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Nikolai Roslavets
1Trio Nr. 4 für Violine, Violoncello und Klavier 00:40:25
Dimitri Schostakowitsch
5Trio Nr. 1 c-Moll op. 8 für Violine, Violoncello und Klavier 00:11:49
6Trio Nr. 2 e-Moll op. 67 für Violine, Violoncello und Klavier (In memoriam Iwan Sollertinski) 00:27:14

Interpreten der Einspielung

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