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Besprechung CD

Joseph Haydn

String Quartets Vol. 17
Leipziger Streichquartett

MDG 307 2312-2

2 CD • 1h 39min • 2023

07.05.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Das Leipziger Streichquartett möchte in diesem Jahr die Gesamtaufnahme der Haydn’schen Streichquartette zum Abschluss bringen. Zuvor aber widmeten sich Stefan Arzberger, Tilman Büning, Ivo Bauer und Peter Bruns den Anfängen der Quartettproduktion überhaupt. Denn die Werke op. 1, Nr. 1 – 6, wobei die Nummer op. 1, 0 anstelle der früheren op. 1,5 steht, markieren gleichsam die Wende von den Kinderschuhen der Divertimenti zu den ausgewachsenen, zunächst noch fünfsätzigen Quartetten. Entstanden sind sie gegen Ende der 1750er Jahre für die „musikalischen Unterhaltungen“ im Schloss Weinzierl des Barons von Fürnberg, wobei der Komponist selbst mitwirkte.

Das Eigenleben von vier Stimmen

Schon das erste Quartett, das später den Beinamen „La Chasse“ erhielt, zeigt, wie Haydn versucht, den vier Streichern bei aller Geschlossenheit ein Eigenleben zu ermöglichen. Und genau hier setzen die vier Leipziger an: der Primarius versteht seine Führungsrolle nicht solistisch, sondern als Primus inter Pares, um ein ausgewogenes, durchhörbares Klangbild zu schaffen. Wenn die Stimme der ersten Violine kantabel hervortreten muss, wie etwa im Adagio des ersten Quartetts, dann geschieht dies auf feinsinnige, unaufdringliche Weise. Und im Adagio von op. 1, 4 entwickelt sich ein hellhöriges Echo-Spiel zwischen erster und zweiter Violine.

Fragen zur Wahl der Tempi

Ein kleines Problem entsteht bei der Wahl der raschen Tempi. Dabei ist zu beachten, dass die Bezeichnung „Presto“ zur Zeit Haydns einfach „schnell“ bedeutet und nicht mit dem Begriff „Prestissimo“ verwechselt werden sollte, der damals auch schon im Gebrauch war. Manche Sätze, wie das Finale von op. 1,1 oder der Kopfsatz von op. 1,4 dürften um eine Spur ruhiger sein, um die Sechzehntel-Läufe oder die kleinen Verzierungen noch hörbar zu gestalten. Bei den Menuetten – in allen sechs Quartetten umrahmen je zwei Menuette samt Trios den langsamen Mittelsatz – variieren die Leipziger die Tempi von ländlich-derb bis zu höfisch-galant und erreichen damit eine deutliche Spannungssteigerung. Und auch der Sinn für Haydns originelle, humorvolle Einfälle kommt nicht zu kurz!

Das Booklet in englischer, französischer und deutscher Sprache geht genau auf die Entstehungsgeschichte der frühen Streichquartette ein und liefert erhellende Bemerkungen zu den sechs Einzelwerken. Auch zur Gesamtarbeit des Leipziger Streichquartetts finden sich interessante Ausführungen.

Prof. Klaus Trapp [07.05.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Streichquartett B-Dur op. 1 Nr. 1 Hob. III:1 00:13:54
6Streichquartett Es-Dur op. 1 Nr. 2 Hob. III:2 00:16:43
11Streichquartett D-Dur op. 1 Nr. 3 Hob. III:3 00:14:12
CD/SACD 2
1Streichquartett G-Dur op. 1 Nr. 4 Hob. III:4 00:20:04
6Streichquartett Es-Dur op. 1 Nr. 5 Hob. II:6 00:16:44
11Streichquartett C-Dur op. 1 Nr. 6 Hob. III:6 00:17:03

Interpreten der Einspielung

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