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Besprechung CD/SACD stereo/surround

Kalevi Aho

Concertos for Recorder Tenor Saxophone • Sonata Concertante for Accordion and Strings

BIS 2646

1 CD/SACD stereo/surround • 72min • 2022

08.11.2023

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit den auf dieser CD als Ersteinspielung aufgelegten Werken erreicht die Zahl der Instrumentalkonzerte Kalevi Ahos (Jahrgang 1949) nunmehr 39. Neben den mittlerweile 18 Symphonien bilden sie zweifellos den Schwerpunkt seines Schaffens. Hier sind wieder für den klassischen Konzertbetrieb eher exotische Instrumente die Hauptprotagonisten: Blockflöte(n), Tenor-Saxophon und Akkordeon, gespielt von genau den Solisten, für die Aho die Stücke geschrieben hat. Alleine dies sollte die Zuhörerschaft bereits neugierig machen – völlig zu Recht, denn der Finne zieht dabei erneut überzeugend alle Register seines Könnens.

Phänomenales Blockflötenkonzert

Da eine einzelne Blockflöte nur einen Tonumfang von zwei Oktaven hat, muss der ganz vortreffliche Eero Saunamäki in Ahos Konzert von 2020 gleich vier unterschiedliche Instrumente bedienen: von der Bassblockflöte in C über diejenige in F, die Altblockflöte bis zum Sopranino. Deren durchaus verschiedene Charaktere hat der Komponist geschickt berücksichtigt und zudem alle möglichen Spezialeffekte mit eingebaut: bei der Altblockflöte vor allem Multiphonics, also spezielle, jedoch nie „reine“ Akkorde. Die zwitschernden Passagen des Sopraninos erinnern an barocke Traditionen, während etwa der Beginn in tiefer Lage eher meditativ und entspannt ist. Das 20-minütige Konzert in einem durchgehenden, höchst abwechslungsreichen Satz – wie gleichfalls das Konzert für Tenorsaxophon – ist stimmungsvoll für Kammerorchester instrumentiert, mit einer schillernden Farbigkeit, die Ahos Musik so berühmt gemacht hat.

Saxophonkonzert mit Jazzelementen

Hat das Altsaxophon im 20. Jahrhundert hin und wieder seinen Platz im klassischen Symphonieorchester gefunden – man denke an die Einsätze in Alban Bergs Lulu oder Hindemiths Cardillac –, sucht man fürs Tenorsaxophon, dessen spezifischen Klang jeder unweigerlich mit Jazz verbindet, fast vergeblich vor allem nach Solokonzerten. Aho gelingt das Kunststück, diese beiden Welten grandios zusammenzubringen, jedoch keinesfalls als billige Melange oder gar Crossover. Zwar kann auch der Kopf des Rezensenten das Jazz-Idiom zunächst nicht aus dem Kopf bekommen. Anfangs stehen hier also klassische Kontrolliertheit im kleinbesetzten Orchester und ein gewisser Freiheitsdrang beim Solisten – ebenfalls exzellent: Esa Pietilä – noch kontrastierend gegenüber. Das ändert sich aber sukzessiv: Über mehrere Zwischenspiele darf sich das Saxophon immer mehr steigern, bis es spätestens in der Kadenz vor Schluss so richtig groovt. Das Orchester blüht dabei zunehmend auf, bis es dort auch rhythmisch schön knackig wird – allerdings stammen die verwendeten Modelle dabei aus dem arabischen Raum, nicht aus dem Jazz – absolut faszinierend!

Sonata concertante für Akkordeon

Das Werk hat seinen Ursprung in der hochvirtuosen ersten Akkordeonsonate des Komponisten (1984), die Aho 2019 für Janne Valkeajoki zu dieser konzertanten Fassung mit kleinem Streichorchester umarbeitete. Der Solopart birgt quasi Lisztsche Anforderungen aufs Akkordeon, die zwei Sätze des Werkes, die sich beide derselben Zwölftonreihe bedienen, enden jeweils mit einer komplexen Passacaglia bzw. Fuge. Die Streicher unterstützen die zahlreichen stimmungsmäßigen Eruptionen relativ zurückhaltend. Generell leistet die Saimaa Sinfonietta, die sich aus den Kammerorchestern der Städte Mikkeli und Lappeenranta zusammensetzt, absolut Erstaunliches. Rhythmisch prägnant und einfühlsam gegenüber den Belangen der Solisten, leitet Erkki Lasonpalo (Jahrgang 1986) – Schüler von Jorma Panula und Leif Segerstam – Ahos wie immer spannende und weitgehend optimistische Musik mit Elan. Die Aufnahmetechnik ist, wenig überraschend bei BIS, mal wieder überragend, vor allem extrem durchsichtig. Lediglich das Saxophon steht vielleicht eine Spur zu sehr im Vordergrund. Man wird abwarten müssen, ob zukünftig von diesem engagierten Label – Robert von Bahr hat das Unternehmen kürzlich an Apple verkauft – überhaupt noch physikalische CDs bzw. SACDs erhältlich sein werden. Diese hier verdient allemal eine klare Empfehlung.

Martin Blaumeiser [08.11.2023]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Kalevi Aho
1Konzert für Blockflöte und Kammerorchester 00:20:14
7Konzert für Tenorsaxophon und kleines Orchester 00:23:59
15Sonata concertante für Akkordeon und Streicher 00:26:16

Interpreten der Einspielung

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