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Besprechung CD

Franz Lehár

Wiener Frauen

cpo 777 858-2

2 CD • 1h 35min • 2022

18.09.2023

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der durch seine Märsche und Walzer bereits populäre Militärkapellmeister Franz Lehár war 29 Jahre alt, als er 1902 am Theater an der Wien die Chance seines Lebens erhielt – eine Operette für den legendären Sänger und Schauspieler Alexander Girardi zu schreiben. Es war – nach zwei nicht besonders beachteten Opernversuchen – sein erster Schritt auf einem Terrain, das ihn bald berühmt machen sollte. Nach dem Ableben der drei großen Vertreter der „goldenen Wiener Operette“ (Johann Strauß Sohn, Carl Millöcker und Franz von Suppé) bestand ein starker Bedarf nach einem Nachfolger, der die alte Ära fortführen oder eine neue einleiten konnte.

Abstruses Libretto

Das Libretto zu Wiener Frauen von Hans Bergler und Emil Norini, auf einem französischen Vaudeville basierend (Le Clef du paradis – Der Schlüssel zum Paradies), wirkte wohl schon zur damaligen Zeit ziemlich an den Haaren herbeigezogen, und Girardi bat sich mehrere Änderungen aus, um seine Rolle des ehemaligen Klavierlehrers Willibald Brandl aufzuwerten. In den hatte sich im Stück Claire Schwott als Backfisch verliebt und ihm vor seiner Abreise nach Amerika ewige Treue geschworen. Doch dann hörte sie nichts mehr von ihm – angeblich solle er bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen sein – und so heiratet sie schließlich den reichen Philip Rosner. In der Hochzeitsnacht kommt es zum Eklat. Der in der Fremde erfolglose Musiker ist zurückgekehrt, soll das für die Feierlichkeiten vorgesehene Klavier stimmen und intoniert bei dieser Gelegenheit das vertraute Liebeslied von früher. Claire ist entsetzt, Rosner empört. Anders als sonst in Operetten üblich, findet diese Katastrophe bereits im Finale des 1. Aktes statt, und die restlichen beiden Akte dienen dann den Versuchen, Brandl anderweitig zu verheiraten, damit sich Claire frei fühlen kann. Claires Mutter erklärt sich bereit dazu, aber auch der Musikus Nechlodil, der eine seiner drei Töchter unter die Haube bringen will, wittert eine günstige Gelegenheit. Doch Brandl, bereits in Amerika verheiratet und gerade in Scheidung lebend, bekennt sich zu seiner heimlichen Liebe Jeanette, dem Zimmermädchen der Rosners.

Ein gelungenes Gesellenstück

Der recht albernen Geschichte gewinnt der junge Lehár, noch ganz in der Tradition seiner großen Vorgänger verbleibend, einige eingängige Melodien ab, die den Premierenerfolg des Stücks erklären. Besonders hervorzuheben sind der sogenannte Nechlodil-Marsch, Brandls Walzerlied „Wiener Frauen“ und die „Spanische Romanze“, jenes Liebeslied von Brandl, das Claire einst schwach gemacht hat, aber einer ganz anderen Frau zugedacht war. Wiener Frauen ist ein gelungenes Gesellenstück des jungen Lehár, hat aber noch nicht viel eigenes Profil. Dass bereits drei Jahre später mit Die lustige Witwe ein absolutes Meisterstück folgen würde, ist hier noch nicht wirklich zu ahnen.

Ohne spielerische Distanz

Dem letztjährigen Wiederbelebungsversuch dieser Debüt-Operette beim Lehár-Festival in Bad Ischl ist eine gewisse musikalische Vitalität nicht abzusprechen, doch scheint mir Marius Burkert mit dem Franz Lehár-Orchester doch den verkappten Opern-Komponisten zu sehr ins Blickfeld zu rücken. Es fehlt dem Musizieren zwar nicht an Schmiss und Schwung, aber es liegt auch eine gewisse Schwere über der ganzen Sache. An den Höhepunkten siegt das Opern-Pathos über die leichtfüßige Beschwingtheit, es fehlt auch die ironische und parodistische Distanz, etwa in der Brautgemach-Szene, die Reminiszenzen an Lohengrin wachruft. Das liegt auch an den Sängern. Sieglinde Feldhofer als Claire und Thomas Blondelle als Rosner trumpfen vokal auf statt sich selbst ein bisschen auf den Arm zu nehmen. Und in der Girardi-Partie des verkrachten Musikers und erfolgreichen Herzensbrechers Willibald Brandl kommt der Bariton Gerd Vogel etwas zu gravitätisch-kammersängerhaft daher. Die gesungenen Texte sind nicht durchgehend zu verstehen, was auch den Aufnahmebedingungen in Bad Ischl geschuldet sein kann. Ein Abdruck im Booklet wäre hier also willkommen gewesen, das im Übrigen einen sehr ausführlichen und informativen Text des Lehár-Kenners Stefan Frey enthält.

Ekkehard Pluta [18.09.2023]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Lehár
1Wiener Frauen (Operette in drei Akten) 01:34:53

Interpreten der Einspielung

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