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CD-Besprechung

Yamen Saadi

Voices from Paris
Works by Fauré, Poulenc, Ysaÿe

Dreyer Gaido 21130

1 CD • 68min • 2021

25.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es ist eine ganz persönliche Aufnahme, die der junge Geiger Yamen Saadi mit „Voices from Paris“ vorstellt. Das wird nicht zuletzt bei der Lektüre des Booklets deutlich, in dem er selber die Werke der Aufnahme vorstellt. Diese drehen sich in seinen Augen alle um die beiden wichtigsten Themen des menschlichen Daseins, die niemanden unberührt lassen – die Liebe und den Tod. Ausgewählt hat er hierfür Werke französischer Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Als die beiden Hauptwerke der Aufnahme sind die beiden Violinsonaten von Francis Poulenc und die von Gabriel Fauré anzusehen. Erstere ist ein unruhiges Werk, dessen erster Satz bereits sehr fahrig wirkt. Poulenc wechselt hier gefühlt alle paar Takte die Stimmung, was Saadi technisch brillant umsetzt. Poulenc, der die Sonate kurze Zeit nach seiner Rückkehr aus dem Krieg schrieb, stellt auch in verschiedenen musikalischen Zitaten den Bezug zu Liebe und Tod her. So zitiert er im zweiten Satz Federico García Lorcas Worte „Die Gitarre bringt Träume zum Weinen“. Im ersten Satz hingegen bezieht sich Poulenc auf Tschaikowskys Oper Eugen Onegin, die ebenfalls von Liebe und Tod handelt. Besonders positiv fällt bei dieser Interpretation auf, dass Poulenc das Werk als gleichberechtigt in den Stimmen angelegt hat, so dass auch Nathalia Milstein an dieser Stelle brillant hervortreten kann. Weit weniger dramatisch als Poulencs Sonate erklingt Gabriel Faurés Violinsonate. Man hört dem Werk an, dass es aus der Feder eines noch jungen Komponisten stammt: Fauré schrieb die Sonate zu Beginn seiner Karriere und so strotzt sie nur so vor Leidenschaft und Lebensfreude. Dies setzt Saadi ebenso gefühlvoll um wie auch den eher traurigen Mittelsatz, bevor er mit einem rasant und humorvoll gespieltem Finalsatz endet.

Persönliche Bekenntnisse zu Liebe und Tod

Neben den beiden schwergewichtigen Violinsonaten Poulencs und Faurés hat Saadi für seine aktuelle CD Lieblingsstücke der beiden Komponisten ausgewählt. Dazu zählt das am Beginn stehende La Reine de Coeur von Poulenc, das im Original ein Lied ist. Wie sehr sich der Geiger in dieses kurze Stück beim ersten Hören ‚verhört‘ hat, wird von den ersten Tönen an deutlich. Zugleich ist es ein wunderschön bescheidener Einstieg in die Aufnahme. Ebenfalls im Original ein Lied ist auch Faurés Les Berceaux, ein weiteres Lieblingsstück Saadis. Er schreibt hierzu im Booklet: „Es ist ein kraftvolles und melancholisches Stück. Manchmal wurde es als „Schlaflied des Todes“ betitelt, da Fauré versuchte, das Schaukeln eines Schiffes auf hoher See zu imitieren und dem Lied eine traurige Atmosphäre zu geben.“ Auch dieses wird von Saadi und Milstein auf bestechend schlichte Weise umgesetzt und berührt zutiefst. Ebenfalls um ein Schlaflied handelt es sich bei einer von zwei Kompositionen Eugène Ysaÿes, der Originalkomposition Rêve d’enfant für seinen Sohn Antoine. Dies bildet den eher einfachen Gegenpol zum höchst expressiven Poème élégiaque, das Ysaÿe als Kontrast zu seinen sonstigen Kompositionen, die eher auf technische Virtuosität aus waren, geschrieben hat. Inspiriert ist dieses Stück von Shakespeares Romeo und Julia und passt damit bestens zu Yamen Saadis musikalischer Auseinandersetzung mit Liebe und Tod.

Verena Düren [25.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Francis Poulenc
1La Courte Paille FP 178 (Nr. 3: La Reine de Cœur) 00:01:44
2Sonate d-Moll FP 119 für Violine und Klavier 00:18:01
Eugène Ysaÿe
5Rêve d'Enfant op. 14 00:03:55
6Poème élégiaque op. 12 für Violine und Klavier 00:14:17
Gabriel Fauré
7Les berceaux op. 23 Nr. 1 00:02:58
8Sonate A-Dur op. 13 für Violine und Klavier 00:26:55

Interpreten der Einspielung

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