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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Kornauth & Fuchs

Works for Viola and Piano

BIS 2574

1 CD/SACD stereo/surround • 76min • 2020

07.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der im mährischen Olmütz geborene Egon Kornauth (1891-1959) gehörte zu Lebzeiten zu den meistgespielten zeitgenössischen österreichischen Komponisten. Er beherrschte schon als Jugendlicher sechs Instrumente, trat schnell öffentlich als Pianist und Organist auf. Ab 1909 studierte er in Wien Dirigieren, sowie Komposition bei Robert Fuchs, Franz Schreker – wo es rasch zum Zerwürfnis kam – und privat bei Franz Schmidt. Daneben promovierte er bei Guido Adler, dem Begründer der Wiener Musikwissenschaft, über Haydns Streichquartette. Mit seinem Klaviertrio ging er weltweit auf Tourneen, erhielt als Komponist zahlreiche Preise. Gegenüber den ihn wegen seines konservativen, spätromantischen Stils wohlwollend behandelnden Nazis verhielt er sich nie opportunistisch, war ab 1940 Professor für Musiktheorie in Wien, nach dem Zweiten Weltkrieg für Komposition am Salzburger Mozarteum.

Dankbare Bratschensonate der Brahms-Nachfolge

Gehörte Robert Fuchs (1847-1927) zum direkten Brahms-Umfeld, muss man auch noch Kornauth zu den Brahms-Nachfolgern zählen – die Werke mindestens seiner ersten Lebenshälfte stehen ganz klar in dieser Tradition. Formal wie vor allem durch eine überaus geschickte, klangliche Balance zwischen den musikalisch ebenbürtig gewichteten Instrumenten, konnte Kornauths Bratschensonate cis-Moll sogleich überzeugen und brachte dem Komponisten 1912 den Österreichischen Staatspreis ein. Erstaunlich, dass die vorliegende Aufnahme mit dem Litton Duo – Katharina Kang Litton und ihr Mann, der bekannte Dirigent und Pianist Andrew Litton – momentan die einzige des dankbaren, dreisätzigen Stückes ist. Die beiden spielen engagiert, aber mit stets kontrollierter Emotionalität; die eher dunklen Farben der ersten zwei Sätze werden noch durch die Wahl eines Bechstein-Flügels unterstrichen. Natürlich ist diese Musik epigonal, allerdings von höchster Qualität, besonders im beeindruckenden Finale (Wild und stürmisch) mit einem triumphalen Schluss.

Ganz später Robert Fuchs

Kornauths Lehrer Fuchs unterrichtete ja diverse Berühmtheiten, darunter Mahler, Wolf, Schreker, Zemlinsky, Sibelius und Korngold, die später als „modern“ galten. Er selbst blieb zeitlebens seiner Brahms-Verehrung treu und galt bald – etwas herablassend – als der „Serenaden-Fuchs“. Die Schreibweise seiner Sechs Phantasiestücke ist dann für 1927 tatsächlich äußerst konservativ, die Musik gediegen, die volkstümliche Melodik berührend, dabei immer ausdrucksstark. Schumannsche Verrücktheiten findet man, entgegen möglicher Erwartungen an den Titel, hier allerdings nicht. Ganz nah an Brahms ist Fuchs'

Bratschensonate aus dem Jahr 1899 (die richtige Opuszahl wäre übrigens 86, nicht 89): Freundlich brodelnde Dramatik, die den Hörer nie überfordert und wie beim großen Vorbild ein wenig gedeckelt erscheint. Dennoch sollte dieses Werk mehr Beachtung finden – wie die Darbietung des Litton Duos nahelegt. Die Musik von Fuchs gerät den Künstlern nochmals klangschöner als Kornauth, in perfekter Harmonie – hinreißend das Trio des Mittelsatzes und wieder das packende Finale. Als Zugabe gibt’s die Bearbeitung einer koreanischen Volksweise vom britischen Starpianisten Stephen Hough – ein Hochzeitsgeschenk an die Littons. Die gewohnt gute – hier einmal nicht herausragende – BIS-Aufnahmetechnik trägt zum vorzüglichen Gesamteindruck bei. Wer seinen Horizont in Sachen Bratschen-Kammermusik erweitern möchte, liegt mit diesem Album jedenfalls richtig.

Martin Blaumeiser [07.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Egon Kornauth
1Sonate cis-Moll op. 3 für Viola und Klavier 00:26:42
Robert Fuchs
4Sechs Fantasiestücke op. 117 für Klavier 00:24:31
10Sonate d-Moll op. 89 für Viola und Klavier 00:21:13
trad.
13Arirang (Korean. Volkslied; arr.: Stephen Hough) 00:02:21

Interpreten der Einspielung

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