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CD-Besprechung

Robin Hoffmann

Dinge im Radio
Elektroakustische Kompositionen

Thorofon CTH2665

1 CD • 58min • 2013/14, 2009/10, 2017/18

18.11.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Was viele heute im Zeitalter des Formatradios, das längst auch viele Kulturprogramme beherrscht, leicht vergessen: Der Rundfunk bot seit seiner Erfindung auch immer der freien Avantgarde jenseits fester „Formate“ eine Hör-Bühne. Sendereihen wie das „Studio Akustische Kunst“ sind sorgsam gepflegte Experimentalstrecken, welche meist spätnachts ausgestrahlt zu meditativen Hörabenteuern, idealerweise mit einem guten Kopfhörer, herausfordern.

Der Komponist Robin Hoffmann steht mit seinen elektroakustischen Projekten für eine junge Gegenwart in solcher Disziplin – eine CD, unter dem Titel „Dinge im Radio“ auf dem Thorofon-Label erschienen, erfuhr im Jahr 2014 eine standesgemäße Rundfunkpremiere.

Akustische Vorgänge als Klangereignis

Schlundharfe betitelt Hoffmann seine halbstündige Musik für 25 chromatisch gestimmte Maultrommeln. Da breitet sich eine Physiognomie aller möglichen akustischen Vorgänge aus Mund und Rachenraum aus und ziehen gurgelnde, knarrende, glucksende, krachende, aber auch merkwürdig modulierende Laute in ein Geflecht akustischer Ereignisse hinein. Aha-Effekte stellen sich umso mehr ein, wenn wirklich bis zum Ende dieses 30-Minuten-Stückes „durchgehalten“ wird und sich der eigene Spürsinn für Strukturen, Zusammenhänge, ja eine eigenwillige „Musikalität“ dieser Klangereignisse zunehmend sensibilisiert.

Musik der Großstadt

Aus dem eigenen Körper hinaus in den urbanen Raum geht es im nächsten Stück Maschinensingen. Hoffmann lauscht einer Großstadt all jenes akustische Material ab, welches nicht zur Unterhaltung oder Beglückung der Menschen vorgesehen ist. Zum imaginären Geräusch-Orchester fügen sich zahllose vermeintliche akustische „Abfallprodukte“ von Technisierung zusammen. Metall auf Metall, Luftströme, die unter Druck entweichen, Presslufthämmer auf Baustellen, zuweilen ein hart nagelnder, noch nicht warmgelaufener Dieselmotor oder allerhand Vorgänge, in denen elektrischer Strom auch akustische Schwingungen freisetzt– mittendrin erklingt, verklärt nebelhaft eine Kirchenorgel scheinbar aus höherer Sphäre. Dieses wohl stärkste Stück auf der CD, welches nahtlos an die Ideale einer Musique Concrete aus den 1960er Jahre anknüpft, hätte durchaus etwas mehr Spieldauer als nur sechs Minuten verdient.

Laute aus der Natur

Zurück zur Natur heißt es im letzten Teil dieser Trilogie aus Körper, Urbanität und Natur. Es geht um die Vogelwelt, aber in deren artifizieller Spiegelung durch sogenannte Vogelpfeifen und Wildlocker, die zum weidmännischen Handwerkszeug gehören, in dem damit durch die Imitation von Vogelstimmen größere Tiere angelockt werden: Gnadenlos schrille Hochtonfrequenzen lassen panisch zum Lautstärkeregler greifen. Dann folgen „versöhnlichere“ Hör-Ereignisse gepaart mit verbalen Erläuterungen über die Vogel-Kommunikation aus ornithologischer Sicht. Daraus wiederum ergeben sich semantische Sprachspiele über das Verhältnis von Mensch und Natur. Vögel haben ihre eigenen Sprachen genauso wie Volksgruppen in einem großen Land ihre eigenen Idiome pflegen. Die daraus abgeleiteten Verwirrspiele haben was dadaistisches, rangieren aber manchmal auch an der Klamaukgrenze, wodurch das ganzen Unterfangen dann doch etwas über-ambitioniert wirkt.

Stefan Pieper [18.11.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robin Hoffmann
1Schlundharfe (Musik aus Klängen von 25 chromatisch gestimmten Maultrommeln, ergänzt durch Atem-, Mund- und Rachenlaute) 00:30:03
2Maschinensingen (Musik mit akustischen Mitbringseln aus Fulda) 00:06:08
3Waidmanns Ruf und Widerhall (Musik aus Klängen von Vogelpfeifen und Wildlockern, ergänzt durch Texte von Ludwig Tieck, Ferdinand Maximilian Klinger und Passagen aus dem Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens) 00:21:38

Interpreten der Einspielung

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