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CD-Besprechung

Vox maris

Marie-Luise Hinrichs, Komponistin & Pianistin

Angels Records Angels Records 2020

1 CD • 44min • 2020

25.10.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die schwarzen und weißen Tasten, die sich vor Marie-Luise Hinrichs ausbreiten, rufen danach, spielerisch erforscht zu werden – und die Pianistin lässt sich mit Neugier und viel Empfindung darauf ein. Warum auf Vorlagen anderer zurück greifen? Dies dachte sich Marie-Luise Hinrichs bereits vor Jahren, als sie – jenseits ihrer beachtlichen Interpretinnenkarriere – zum ersten Mal ihrem Instrument die Musik selbst auf den Leib zu schreiben begann. Auf beseelte Weise „eigen“ wirkt dieses Langzeit-Projekt, das sie auch auf ihrer aktuellen CD unbeirrt weiter treibt.

„Vox Maris“ so der Titel der CD – in diesem Sinne hat sie alles den Stimmen des Meeres gewidmet. Dabei geht es um klangsinnliche und lyrische Aspekte gleichermaßen. Wie auf ihrer vorigen CD sind es miniaturhafte Skizzen, bei denen luftige Klarheit und eine aufgeräumte Grundstruktur alles ist. Aber die Wege und Umwege sind neue und andere. Es werden Fenster aufgestoßen, wo das Meer in seiner ganzen Bildkraft als programmatische Quelle Einzug hält.

Musikalisches Portrait des Meeres

Feinsinnige und aufsteigende Tonfolgen wirken lautmalerisch, blitzen wie Luftblasen unter Wasser auf. Auch das Rollen der Wellen bekommt seine Eigendynamik, wenn Marie-Luise Hinrichs treffsicher die atmosphärischen Register zieht. Eigenwillige, subtil-dissonante, sich in kleinen Tonabständen abwechselnde Harmonien suggerieren zarte Lichteffekte. Zugleich entfaltet nicht selten ein raffiniert gewebtes Arpeggiengewoge in melancholischen Mollskalen Erzählkraft für den individuellen Hörfilm.

Doch ist der Ozean auch groß und eine elementare Kraft. Basstöne dringen in diese dunklen Tiefen vor, doch bald schon blitzen wieder Sonnenstrahlen von der Oberfläche her auf. Manches wirkt stimmungsvoll-heiter aber viele Stücke lassen – oft gerade mal im Anderthalb- bis Dreiminutenformat – raffinierte Dramaturgien entstehen. Nicht nur, wenn in den filigran verschränkten Modulationen des fünften Stückes eine „kleine Meereskunde“ entsteht und hier allerhand raffiniert aufeinander bezogene Überraschungen erlebbar sind. Oft werden auch impressionistische Anleihen, Ganztonskalen etwa wie bei Debussy aufgegriffen. Aber all dies immer wieder in einer sehr persönlichen Diktion, die auf dem bewusst eingesetzten kleinen Yamaha-Flügel eine zarte, intime Aura entfaltet. Reichlich bildhafte Fantasie ist in dieser Ton- und Klangsprache auf jeden Fall vorhanden.

Stefan Pieper [25.10.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Marie-Luise Hinrichs
1In der Schwebe 00:02:12
2Rollen der Wellen 00:01:19
3Walgesänge II 00:04:17
4Spielende Fischchen 00:01:37
5Kleine Meereskunde 00:03:20
6Romanze im Fischerboot 00:01:51
7Meeresglitzern 00:01:35
8Walgesänge III 00:02:57
9Am Meeresgrund 00:01:49
10Meereskrebse 00:01:05
11Tanz der Fischchen 00:01:29
12Meerjungfrau 00:03:23
13Sprache der Delphine 00:03:59
14Austernperle 00:01:00
15Schilfgras 00:01:49
16Treibholz 00:02:23
17Vorwitziger Fisch 00:01:17
18Walgesänge I 00:02:50
19Meeresrauschen 00:02:15
20Einsiedlerkrebs und Liane 00:00:26
21Seepferdchen 00:01:26

Interpreten der Einspielung

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