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CD-Besprechung

Piano Sonatas Rathaus • Shostakovich

Vladimir Stoupel

Avi-music 8553481

2 CD • 1h 44min • 2013, 2014

03.11.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine spannende Gegenüberstellung wagt der Pianist Vladimir Stoupel auf dieser Doppel-CD. Vier Klaviersonaten hat er eingespielt: zwei von Dmitri Schostakowitch und zwei von Karol Rathaus. Dürfte man Ersteren zweifelsohne kennen, so ist der 1895 in Tarnopol geborene Rathaus wohl ein echter Geheimtipp. In seinem Schaffen vollzog der Schüler von Franz Schreker den Übergang von der Postromantik zur Moderne und starb – nach Jahren in Berlin – 1954 in New York, wohin er nach Zwischenstationen in Paris und London geflüchtet war. An Rathaus zeigt sich in exemplarischer Weise das Schicksal einer Komponistengeneration, die durch den Nationalsozialismus entwurzelt und durch die musikalische Entwicklung gewissermaßen verschluckt wurde. Namen wie Paul Dessau, Karl Amadeus Hartmann oder in gewisser Weise auch Ernst Krenek teilten dieses Schicksal, obwohl sich gerade Krenek als stilistisch äußerst wandlungsfähig erwies. Mit Schostakowich teilt Rathaus die Epoche, das musikalische wie politische Schicksal beider ist jedoch grundverschieden. Umso spannender ist die Kombination dieser Komponisten auf CD.

Pianistischer Leckerbissen

Man gewinnt fast den Eindruck, dass die musikalische Entwicklung von Rathaus progressiv, die von Schostakowitch jedoch eher retrograd verläuft, jedenfalls, wenn man das Kriterium der Tonalität anlegt. Die löst sich bei Rathaus nach und nach auf, bei Schostakowitch kehrt sie wieder, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Vladimir Stoupel widmet sich den auf dieser Doppel-CD zu hörenden vier Klaviersonaten mit höchster pianistischer Kunst. Schostakowitchs erste Sonate hämmert er dermaßen beeindruckend mit einer Wucht und Stringenz in die Tasten, das einen fröstelt, um dann doch zu einem versöhnlichen Ende zu kommen, das er auch sehr intensiv gestaltet. Auch die zweite Sonate mit dem monolithischen, fast 18 Minuten dauernden Finale – länger mithin als die komplette erste Sonate – ist ein pianistischer Leckerbissen. Stoupel haut – zumeist jedenfalls – nicht nur in die Tasten, er entfaltet die ganze Wucht dieser Musik mit einer enormen Bandbreite, von abgrundtiefer Verzweiflung bis hin zu beißendem Sarkasmus. Auch die beiden Sonaten von Rathaus gelingen Stoupel mit einer pianistischen Souveränität, die beeindruckt. Darüber hinaus setzt er auch diese nuancenreiche Musik, und hier insbesondere die wahnsinnig expressive dritte Sonate, ungemein facettenreich um.

Guido Krawinkel [03.11.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Karol Rathaus
1Klaviersonate Nr. 1 c-Moll op. 2 00:31:58
5Klaviersonate Nr. 3 op. 20 00:24:23
CD/SACD 2
Dimitri Schostakowitsch
1Klaviersonate Nr. 1 op. 12 (1926) 00:47:46

Interpreten der Einspielung

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