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CD-Besprechung

Ivan Zajc

Nikola Šubić Zrinjski

cpo 555 335-2

2 CD • 1h 56min • 2018

06.07.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dem deutschen Musikfreund dürfte der Name Ivan Zajc (1832-1914) nicht viel sagen, in seiner Heimat Kroatien ist er ein nationales Heiligtum, die zentrale Figur der dortigen Musikgeschichte. Am Mailänder Konservatorium ausgebildet, wo Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli seine Kommilitonen waren, fand er nach ersten Erfolgen in der Heimat (die Oper Amalia nach Schillers Die Räuber) durch Vermittlung seines Landsmannes Franz von Suppé 1863 in Wien ein reiches musikalisches Betätigungsfeld als Dirigent und Komponist von nicht weniger als 24 Operetten. Zwischenzeitlich zum Direktor der Zagreber Nationaloper ernannt, war Zajc ein gemachter Mann, als er mit der Komposition seines Hauptwerkes, der im Stile der Grand Opéra angelegten musikalischen Tragödie Nikola Šubić Zrinjski begann. Vorlage war das Drama Zriny des deutschen Dichters Theodor Körner, der 1813 als Mitglied des Lützowschen Freikorps im Kampf gegen Napoleon gefallen war, erst 22 Jahre alt.

Patriotische „Todesorgie“

Die Geschichte basiert auf einer historischen Begebenheit, der Belagerung und Eroberung der ungarischen Stadt Szigetvár durch die Türken (1566), bei der die ungarisch-kroatische Armee bis auf den letzten Mann umkam, zuvor aber dem Gegner so schwere Verluste (30 000 Mann) zufügen konnte, dass der geplante Marsch auf Wien abgebrochen werden mußte. In Körners Drama wird das patriotische Selbstopfer verherrlicht. Nicht nur die heldenhaften Soldaten gehen mit ihrem Feldherrn in den Tod, sondern auch Zrinys Frau Eva, die dabei die Festung sprengt, und seine Tochter Jelena, die sich vorsorglich von ihrem Geliebten Juranić erstechen lässt. Wie der Literaturwissenschaftler Gerhard Schulz feststellte, handelt es sich um „eine einzige Todesorgie, die von der gesamten Familie Zriny gefeiert wird, so dass ein regelrechter Wettbewerb im Sterben-Wollen entsteht“.

Theodor Körners Werke gehörten bis ins 20. Jahrhundert in Deutschland zum literarischen Kanon, sein Zriny diente noch in der Zeit des „totalen Kriegs“ als heroisches Vorbild. Desto gründlicher gerieten das Stück und sein Autor nach 1945 in Vergessenheit. In Kroatien wurden seine Dramen in der Zeit der Einigungsbewegung (parallel zum italienischen „risorgimento“) mehrfach übersetzt und bis in die 1860er Jahre regelmäßig aufgeführt. Diese Konjunktur – es gab auch zahlreiche kroatische Nachfolger – war auf dem Sprechtheater bereits abgeflaut, als Hugo Badalić daran ging, das Sujet für die Oper zu bearbeiten, wobei er Körners Handlungsablauf weitgehend folgte, aber zwei Drittel der Verse kurzerhand strich. Mit der Musik von Ivan Zajc erlebte Zriny eine glanzvolle Renaissance. Bis auf den heutigen Tag wird die Oper Nikola Šubić Zrinjski (Uraufführung 1876 in Zagreb) trotz des großen personellen und bühnentechnischen Aufwands an den kroatischen Theatern immer wieder gespielt.

Schlachtgetön und Kantilenen

Die Partitur rechtfertigt das trotz der überholten Thematik. Sie ist zwar auf einen kriegerischen Tonfall gestimmt – mit ungebremster Marschseligkeit und musikalischem Säbelrasseln –, enthält aber sehr viele lyrische Inseln, in denen kantilenenselig die italienische Schulung des Komponisten zum Durchbruch kommt (in den Duetten des Liebespaares, aber auch in den Sologesängen Zrinjskis). Das nationale Idiom spielt eine geringere Rolle als in den Opern Erkels oder Moniuszkos, auch verzichtet Zajc darauf, für die Szenen der Türken ein exotisches Kolorit zu bemühen. Musikalisch prallen da also keine zwei Welten aufeinander. Der kriegerische Schlusschor „U boj, u boj!“ („zur Schlacht!“) vor dem Ausbruch der Katastrophe, bei der die ganze Stadt in die Luft fliegt, drängt sich geradezu unanständig ins Ohr und fährt heftig in die Glieder. Kurioserweise ist dieser Chor zur Hymne einiger japanischer Männergesangsvereine geworden, die sich darin an Samurai-Traditionen erinnert fühlen.

Musikalische Umsetzung mit suggestiver Kraft

Die jüngste Produktion (2019) der Zagreber Nationaloper war bei uns ein halbes Jahr lang in der Reihe „Opera Vision“ im Internet zu besichtigen. Sie dürfte wegen der verstaubten Inszenierung keinen allzu nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Wie es im Jahr zuvor in Zajcs Geburtsstadt Rijeka auf der Bühne aussah, sei dahingestellt (die Szenenfotos im Booklet machen auch einen eher konventionellen Eindruck), in musikalischer Hinsicht aber ist diese jetzt auf CD veröffentlichte Aufführung der Konkurrenz aus der Hauptstadt überlegen. Das ist vor allem das Verdienst des finnischen Dirigenten Ville Matvejeff, der das Stück mit Verve und suggestiver Kraft lebendig werden lässt – auf die Ballettmusik wurde verzichtet – und die Musiker und den hier umfangreich eingesetzten Chor zu Höchstleistungen anspornt. Auch die Solisten sprechen für das großstädtische Niveau des Hauses. Voran Robert Kolar, dessen lyrisch-dramatischer Zwischenfachbariton italienische Schule erkennen lässt. Der Tenor Aljaž Farasin ist ein solider Juranić, die Sopranistin Anamarija Knego eine anmutige Elena. Die Mezzosopranistin Kristine Kolar singt Zrinjskis Frau Eva mit mütterlichem Vibrato. Als Suleiman „der Prächtige“ klingt der junge Bassbariton Luka Ortar in der oft geforderten tiefen Lage etwas mager. Giorgio Surian jr. gibt dessen fiesen Wesir Mehmed, der an Mussorgskys Schuiskij erinnert, mit schneidendem Charaktertenor.

Ekkehard Pluta [06.07.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ivan Zajc
1Nikola Šubić Zrinjski 01:55:57

Interpreten der Einspielung

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