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CD-Besprechung

Leopold van der Pals

Concertos for Violin, Piano & Cello

cpo 555 316-2

1 CD • 62min • 2019

17.06.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der in St. Petersburg geborene Leopold van der Pals (1884-1966) war niederländisch-dänischer Abstammung; der Großvater Julius Johannsen Lehrer etwa von Rimsky-Korsakow oder Alexander Siloti. Als Leopold bereits mit zwölf Jahren zu komponieren begann, unterstützte ihn Johannsen, damals Direktor des St. Petersburger Konservatoriums, noch persönlich. Über Lausanne kam der junge Komponist 1907 nach Berlin, wo er u.a. von Reinhold Glière unterrichtet wurde. Neben zahlreichen Musikergrößen lernte er dort auch den Anthroposophen Rudolf Steiner kennen. Mit Ernest Ansermet verband ihn eine langjährige Freundschaft. Ab 1915 lebte van der Pals dann in der Schweiz, die letzten 31 Jahre schließlich in Dornach. Leopolds frühe Kompositionen wurden schnell erfolgreich aufgeführt – um 1930 fand sich sein Name in den wichtigen Musiklexika. Dennoch blieb fast alles ungedruckt, auch weil sich der Komponist von den Stücken, die noch ganz klar der Spätromantik zuzuordnen waren, später distanziert hat.

Von der Spätromantik zur Goethes Metamorphose-Gedanken

Leopold van der Pals hat sich schon in Berlin intensiv mit der Moderne auseinandergesetzt. Seine Abkehr von der Romantik bedeutete allerdings nicht die Aufgabe der Tonalität. Vielmehr spielt Konzentration des Materials – der dem Goethe’schen Metamorphose-Gedanken folgende Wunsch, alles aus einer Keimzelle zu entwickeln – die entscheidende Rolle. Das großangelegte, zweiteilige Konzertstück op. 10 (1911) steht aber noch ganz im Geiste des romantischen Violinkonzerts und kann hier durchaus neben bekannteren zeitgenössischen Werken der Gattung bestehen. Die um 1938 entstandenen Konzerte für Klavier bzw. Violoncello (ursprünglich für Saxophon) zeigen dann die doch überraschende stilistische Entwicklung des Komponisten. In ihrer Knappheit und Konzentration verweisen sie eher an gewisse Erscheinungsformen des Neoklassizismus. So erinnert etwa der nur 75 Sekunden dauernde 2. Satz des Klavierkonzerts humorvoll an das Finale von Ravels G-Dur-Konzert; größere Entwicklungsbögen finden sich nur im Finalsatz. Bei der Sphären-Musik aus Mönch Wanderer handelt es sich um eine 1956 zusammengestellte Suite aus einem größeren Projekt der 1920er, das Schauspieler, Sänger, Chor, Orchester sowie eurythmischen Tanz zusammenführen sollte, die meist recht hymnisch die Gestirne präsentiert.

Engagierte Produktion mit Repertoirewert

Der engagierte Einsatz aller Beteiligten an dieser Produktion ist maßgeblich Tobias van der Pals, einem Nachfahren des Komponisten, der auch das Cello-Concertino spielt, zu verdanken. Das Symphonieorchester aus Helsingborg unter der Leitung des Schweden Fredrik Burstedt musiziert äußerst klangschön, mit konzentrierter, klarer Linie und beim Violin-Konzertstück auch mit dem nötigen, romantisch-dramatischem Gestus. Die drei Solisten nehmen ihre Sache ebenso ernst – am dankbarsten erweist sich van der Pals Musik natürlich für den Violinisten: großartig Gordan Trajkovic. Bei der Kürze des Klavierkonzerts scheint Marianna Shirinyan allerdings leichte Probleme zu haben, quasi direkt auf dem Punkt da zu sein; wie das funktioniert, zeigt überzeugend der Cellist. Nur die Musik aus Mönch Wanderer bleibt gänzlich blass und wirkt wie einmal vom Blatt gelesen. Die Aufnahme klingt durchsichtig, aber stellenweise etwas matt; die Booklettexte von Tobias van der Pals und Wolfram Graf hingegen sind wirklich exzellent.

Martin Blaumeiser [17.06.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Leopold Van der Pals
1Konzertstück h-Moll op. 10 für Violine und Orchester 00:19:03
3Concertino op. 108 für Violoncello und Orchester 00:13:15
6Konzert op. 100 für Klavier und Orchester 00:09:32
9Sphären-Musik op. 84 (aus Mönch Wanderer) 00:20:11

Interpreten der Einspielung

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