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CD-Besprechung

Johann Kuhnau

Complete Sacred Works V

cpo 555 260-2

1 CD • 68min • 2018

03.02.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Johann Kuhnau (1666-1722) ist bekanntermaßen der Vorgänger Bachs als Thomaskantor, hat in dieser Funktion 21 Jahre gewirkt und so viel komponiert, dass in seinem Nachruf stand, es „mag wohl schwerlich zu zelen seyn“. David Erler, der Herausgeber seiner Werke im Verlag Breitkopf & Härtel und Altus dieser Aufnahme, behauptet, dass Kuhnaus Kirchenkompositionen die „seines Amtsnachfolgers Johann Sebastian Bach quantitativ in den Schatten gestellt haben dürfte“. Erhalten haben sich aber nur etwas mehr als 30 „Kirchenstücke“. All dies vermerkt aufmerksam das Booklet der vorliegenden CD, die in der Reihe „Johann Kuhnau - Complete Sacred Works“ beim Label cpo als Folge V erscheint. Gregor Meyer möchte mit seiner opella musica und der camerata lipsiensis alle Kuhnau-Werke bis zum Jahre 2022 aufgenommen haben – dem Jahr, in dem sich Kuhnaus Todestag zum 300. Mal jähren wird.

Das Booklet lobt die „Mannigfaltigkeit von Kuhnaus Tonsprache, die mal dramatisch/theatralisch, mal fließend arios und andächtig daherkommt“ und meint, Kuhnaus Werke „fallen stilistisch ausgesprochen abwechslungsreich aus“. Das genaue Hören bestätigt all dies – und legt dabei nahe, dass die kompositorisch wesentlich kargere Bass-Kantate Erschrick, mein Herz, vor dir wohl eher von Telemann stammt. Auch der eifrige, aber etwas leichtgewichtige Bass von Friedemann Klos kann dieser Kantate kaum Gewichtigkeit verleihen.

Aber sonst ist die besagte „Mannigfaltigkeit der Tonsprache“ deutlich von den Musikern herausgearbeitet: In düsterem c-Moll beginnt das Buß-Psalmkonzert Gott sei mir gnädig nach meiner Güte, der Altus David Erler zeichnet genau die Bildhaftigkeit der reichhaltigen Melismen nach, die einzelne Wörter charakterisieren: wasche und reinige mutet so in seiner Melismen-Üppigkeit wie ein dicker Schwamm an, der die Sünden abwäscht, alle vier Solisten dürfen in hüpfenden Melismen von „Freud und Wonne“ singen, der Bass steigt bei der Wahrheit, die im Verborgnen liegt, in unergründliche Tiefen hinab. In der Kantate Ich habe Lust abzuscheiden singen die Solisten das „l“ der Lust fast todeswolllüstig, der reizvolle Höhepunkt dieser Kantate ist die Sterbe-Glocken-Arie, vom Altus in lockend-wiegendem Dreiertakt gesungen, während das Fagott und das Cello mit schnellen regelmäßigen Achtelschlägen die Sterbe-Glocke imitieren.

Die camerata lipsiensis malt dabei mit aller instrumentalen Klangfarbigkeit, wie sie schon den Buß-Psalm in Molltöne getaucht hat, und wie sie auch den Luther-Choral Mit Fried und Freud fahr ich dahin in ein üppiges Klangbett bettet. Gregor Meyer erweist sich hier als äußerst stilkundiger Barock-Musiker.

Die Kantate Weicht, ihr Sorgen, aus dem Herzen ist ganz dem Solo-Sopran gewidmet und ist bei dem ebenso klaren wie warmen und genau artikulierenden Sopran von Isabel Schicketanz in den besten Händen, respektive in der besten Kehle.

In der Jubel-Kantate Singet dem Herrn treten die fast solistisch agierende Pauke und Trompeten, die imperialen Instrumente, hinzu sowie die Orgel, die einzelnen Instrumental- und Vokalgruppen liefern sich ein muntres polyphones Wechselspiel, wie das Booklet so treffend formuliert. Es ist eine veritable opulente und teilweise in wörtlichem Sinn brausende Festmusik.

Die Aufnahmen wurden in der Georgenkirche in Rötha mit ihrer Silbermann-Orgel eingespielt – aber die Akustik wirkt irgendwie abgeschnitten, der Kirchenhall ist nicht so hallig, wie man erwarten könnte.

Rainer W. Janka [03.02.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Kuhnau
1Gott, sei mir gnädig nach Deiner Güte 00:11:26
7Ich habe Lust abzuscheiden 00:15:49
15Erschrick, mein Herz, vor dir 00:16:26
24Weicht ihr Sorgen aus dem Hertzen 00:12:44
30Singet dem Herrn ein neues Lied 00:10:41

Interpreten der Einspielung

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