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CD-Besprechung

De Profundis

GWK Records 142

1 CD • 58min • 2018

17.11.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wenn eine engagierte Interpretin wie die Geigerin Nina Reddig auf ihrem neuesten Tonträger die Musik von Bartók mit der großen Bach-Chaconne in Bezug setzt, dann relativieren sich schnell alle Grenzen zwischen Stilepochen. Geht es doch darum, die herausfordernsten Stücke der Literatur der eigenen spielerischen Handschrift einzuverleiben, um damit eine künstlerische Visitenkarte abzulegen. Nina Reddig, eine vielseitige Kammermusikerin und Festivalveranstalterin, geht es auf ihrer neuen CD hörbar um viel mehr als circensisches Virtuosentum. Denn bei allen drei Programmpunkten auf diesem Tonträger ist die Durchdringung der Tiefenschichten, der sensible Blick geradezu Pflicht.

Ohne Aufwärmphase kommt das Kolossale gleich zu Beginn: In Bartóks Solosonate für Violine aus dem Jahr 1944 erzeugt Nina Reddig einen aufwühlenden Kosmos, der die Grenzen aller geigerischen Möglichkeiten auskostet, vor denen schon Yehudi Menuhin, der einstige Widmungsträger dieses Werkes erschrak.

Für Nina Redding tun sich hier Räume für die Entfaltung einer engagiert forschenden Spielkultur auf. Das von Bartók eingestreute Zitat der später auf dieser CD folgenden Bach-Chaconne will sagen: Es gibt Musik für die Ewigkeit, aber der zeitliche Kontext von heute fordert andere, disharmonischere Farben, die gerade, wenn man den Entstehungszeitrum im Jahr 1944 in Betracht zieht, auch den verstörenden Aspekt beleuchten. Als dann das Spiel dieser Interpretin auf hohem Energielevel sämtliche Spannungszustände entfaltet, die Agogik in ihrem Spiel aber auch einen empfindsamen, anklagenden, dennoch auch lebensbejahenden Monologs verdichtet. Sirenenhafte Glissandi, Quartensprünge, Chromatik sind das Material dazu, was schließlich im furiosen Presto-Satz auf die Spitze getrieben wird.

Wie ein feierlicher Ruhepol mutet dann der rezitativische Einstieg in Bachs Chaconne d-Moll an - als dann dieses Spiel souverän den großen, kolossalen Spannungsbogen durchläuft. Nina Reddigs Ton ist hier farbig, kultiviert und gerade auch in der Mittellage von sonorer Eindringlichkeit. Schwerelos lässt ihr Spiel die Auszierungen fließen, die vor allem dann viel Emotion evozieren, wenn die Lautstärke zurück genommen wird.

Die eigentliche Überraschung kommt am Schluss: Warum nicht einfach mal Béla Bartóks Rumänische Volkstänze für Violine und Harfe arrangieren?

Als hellhörige, mit harmonischen Farben sorgsam umgehende Partnerin steht hierfür die Harfenistin Miriam Overlach bereit. Diese Tänze sind eigentlich Miniaturen - und im Extremfall nur eine halbe Minute kurz. Das reicht, um in dieser Konstellation berückend intim aufzuspielen, aber auch, um in schnellen, tänzerischen Parts furios die Zügel locker zu lassen – das hat ganz große Klasse!

Stefan Pieper [17.11.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Béla Bartók
1Sonate Sz 144 für Violine solo 00:36:03
Johann Sebastian Bach
5Ciaccona d-Moll BWV 1004 (aus: Partita Nr. 2 d-Moll) 00:16:11
Béla Bartók
6Sechs Rumänische Volkstänze (Bearb. für Violine und Harfe von Reddig/Overlach) 00:06:01

Interpreten der Einspielung

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