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CD-Besprechung

Richard Strauss

Piano Quartet • Piano Trio No. 2

cpo 555 116-2

1 CD • 68min • 2016

22.10.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Gut, dass man sie mit dieser cpo-Produktion wieder ins Bewusstsein bringt: zwei exemplarische instrumentale Jugendwerke von den rund fünfzehn (Sonaten, Trios, Quartette, Symphonien), die Richard Strauss zwischen seinem dreizehnten Lebensjahr und seinen frühen Zwanzigern (1877 bis 1888) zu Papier brachte - gemessen am Alter ihres Schöpfers Wunderwerke. Ganz zu schweigen von seinen Liedern, die zu schreiben er bereits mit sechs Jahren begann. Abgesehen vom Genie des Knaben: Zeit und Umwelt, sprich großbürgerlich-musikalische Bildung, machten ein solches Phaenomen real möglich, weil die Fähigkeit der Sammlung von der Zerstreuung noch nicht dergestalt bedroht war.

Laurenz Lütteken, heutiger Strauss-Experte, hat in seinem brillanten Begleittext die Werke in ihrem Stellenwert deutlich geortet: nicht nur die Entwicklung des Komponisten betreffend, auch im Blick auf ihr Konfliktpotential. Weil der junge Strauss, merkwürdig genug, mit diesen Opera sozusagen die Tradition, in die er hineingeboren wurde, abfeiert und hinter sich lässt wie einen Tribut an die absolute Musik, mit der er lebenslang - bis auf ein paar melancholisch reflektierende und hochwertige Spätwerke in der Nähe des Todes - nichts mehr zu tun haben wollte. Ihm ging es um Darstellung, um musikalisierte Stoffe. Mit den Jugendwerken legt er sozusagen die Prüfung über den nahezu unfasslichen Vollbesitz der klassischen Handwerklichkeit ab. Lütteken macht klar: das Klaviertrio von 1888 (eines von zweien) schmiegt sich an Mendelssohn an, versetzt mit kleinen Eigenwilligkeiten; das Quartett feiert Brahms und bestätigt die Nachfolgefähigkeit. Aber nicht mehr. Manche seiner frühen Lieder (immerhin nach höchst subtilen Texten) sagen oft mehr darüber aus, wohin das Genie zielt: auf musikalische Illustration, schlichtweg auf Programm; zeitgemäss, meinte er - wo doch auch das, was er als Opernmeister bringen wird, mental von der Geschichte längst überholt ist, während es bei Strauss Werk für Werk wächst. Das ist seine Tragik. Mit den hier versammelten Jugendwerken streift er die vermeintliche Schlangenhaut ‚Tradition‘ ab, damit sie ihn später pauschal einholt …

Durch Lütteken weiss man, was man hier hört - diese Relation ist auch an der neuen cpo-Produktion zu loben: es wird ein professionell hochwertiger Leitfaden mitgegeben. Beide Werke, das halbstündige Klavier-Trio und vierzigminütige Klavier-Quartett, sind durchaus Schlüsselwerke, nicht nur Staunobjekte des Wunderknaben. Sie werden höchst seriös realisiert von Solisten, die bestens zusammenstimmen: Daniel Blumenthal, dem Pianisten, der Geigerin Doren Dinglinger, Tony Nys als Bratscher und dem Cellisten Alexandre Vay. Da ist nichts auszusetzen; denn abgesehen vom höchst ausgewogenen und stilsicheren Zugriff, versuchen die Solisten nicht, aus diesen Werken mehr zu machen als sie sind, wozu man durch Überinterpretation leicht verführt sein könnte, wenn man sie sozusagen - den späteren Opern-Strauss im Ohr - als Praefiguren seines kommenden Metiers stilisieren wollte. Das geschieht hier nicht. Man bleibt objektiv. Und spielt so meisterlich-epigonal wie diese Werke gemeint sind und vom Komponisten bald als solche abgebucht werden: Guntram, Feuersnot und - der ‚shocker‘‚ Salome, stehen vorm Tor neben ausladenden, illustrationsseligen Tondichtungen, die auf dem vorab ausgewiesenen Handwerk grandios machbar und gemacht sind.

Lütteken führt uns auf die Mendelssohn-Nähe des Trios hin - hört man genau, lässt sich die Allusion an die unnachahmlichen ‚Elfenmusiken‘ aus Mendelssohns Feder zwar nachvollziehen, verglichen mit dem Original allerdings wirkt die allzu deutsche Anlehnung des kindlichen Komponisten heute geradezu wie der Versuch einer Parodie. Dass es beim Quartett solche Unfälle nicht gibt, liegt am Schwergewicht des Brahmsschen Duktus, den der bald vierundzwanzigjährige Strauss gegenüber seinem Mentor Hans von Bülow keinesfalls konterkarieren möchte - und doch: das musikalische Material ist brahmsisch verarbeitet, jedoch nicht dazu angetan, eine reflektierende Musik im Geiste des Vorbild zu entwickeln. Strauss geht seiner Natur gemäss aus auf Wirkung. Und wirkt: bestechend.

Georg-Albrecht Eckle [22.10.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Strauss
1Klavierquartett c-Moll op. 13 00:40:14
5Klaviertrio Nr. 2 D-Dur 00:27:15

Interpreten der Einspielung

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