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CD-Besprechung

The Secret Fauré

Orchestral Songs & Suites

Sony Classical 19075818582

1 CD • 73min • 2017

29.08.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Etwas reißerisch ist der Titel dieser CD schon: „The secret Fauré“ verspricht Geheimnisse, wo keine sind, denn „geheim“ ist die Musik von Gabriel Fauré nicht, sie wird nur selten gespielt – außer dem Requiem und seiner A-Dur-Violin-Sonate -, und seine Klavierlieder werden von Sängerinnen geliebt.

Vier von diesen Klavierliedern versammelt diese CD in Bearbeitungen für Orchester, zwei sind von Fauré selber bearbeitet, zwei von anderen Komponisten. Olga Peretyatko hat für diese zarten Lieder eine fast zu üppige und sehr ausdrucksvolle Stimme, kann diese aber wirkungsvoll eindämmen, so dass man immer meint, unterdrückte Leidenschaft herauszuhören. Als „Abneigung gegen das große Pedal“ und als „Pianismus“ charakterisiert der Philosoph Vladimir Jankélévitch diese musikalische Zurückhaltung, diese Minidramen im Pianissimo. Und weiter sagt er: „Der Geist des Sordinos, wenn nicht schon das kleine Pedal selbst, dämpft und mäßigt bei Fauré die Blitze der Leidenschaft, die Raserei des Crescendos, das Überbieten der pathetischen Übertreibungen.“ Faurés Methode schlechthin sei „die unterbrochene Inflation“. Soir op. 83/2 gestaltet Olga Peretyatko sehr überzeugend in seiner Mischung aus Lyrik und Deklamation, textreich sind alle vier Lieder, umso mehr ist es schade, dass die Textdichter nicht genannt sind, weder Leconte de Lisle (Le roses d'Ispahan) noch Albert Samain (Soir).

Das Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Ivor Bolton taucht tief ein in diese ungemein farbige Fin-de-Siècle-Musik aus „parfümfreiem Charme und gebändigter Melancholie“ (Volker Hagedorn) und süffiger Eleganz, in diese Musik, die nie vergiftet ist durch Schwüle oder raffinöse Schwülstigkeit. Als unerwartet wagnerisch und voll gedämpfter Pastellfarben erweist sich das Prélude zu seiner Oper Pénélope, mit der Fauré großen Erfolg hatte.

Der Frauenchor des Balthasar-Neumann-Chores singt geschmeidig und geschmackvoll, mit französischer Leichtigkeit und Eleganz und fließender Piano-Schwerelosigkeit in der Konzertversion der Bühnenmusik zu Caligula op. 52 von Alexandre Dumas d.Ä. Großen melodischen Zauber entfaltet der Chor in L’hiver s’enfuit aus dem 5. Akt, der die Ankunft des Frühlings preist, von verführerischer Schlafessehnsucht singt der Chor César a fermé la paupière.

Der hellleichte Tenor von Benjamin Bruns fügt sich gut ein in Faurés gedämpft-farbigen Klang in Shylock op.57, der Bühnenmusik zu Shakespeares „Kaufmann von Venedig“. Interessant ist auch hier wieder, wie schon in Caligula, Faurés Nähe zum Marsch: als hinreißenden Marschmusik-Komponisten hätte man Fauré sonst nicht unbedingt charakterisiert.

Faurés Klangzauberkunst fasziniert nicht zuletzt in der Bühnenmusik zu Pelléas et Mélisande von Maurice Maeterlinck. Ivor Bolton bleibt auch da mit dem Sinfonieorchester Basel nobel zurückhaltend, die berühmte Sicilienne wiegt sich betörend schön, Olga Peretyatko erzählt eindringlich im Chanson de Mélisande von den drei blinden Schwestern.

Der Gesamtklang ist etwas verhalten, ganz im Sinne des oben angesprochenen „Pianismus“, sich zurückziehend, zielt nicht auf Überwältigung. Erst wenn man den Lautstärkenregler weit aufdreht, entfaltet sich der Klangzauber. Dankenswerterweise sind im Booklet alle Texte in drei Sprachen abgedruckt.

Rainer W. Janka [29.08.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gabriel Fauré
1Caligula op. 52 00:17:15
6Pénélope 00:07:49
7Les roses d'Ispahan op. 39 Nr. 4 00:03:35
8Soir op. 83 Nr. 2 00:02:22
9Clair de lune op. 46 Nr. 2 00:03:10
10Après un rêve op. 7 No. 1 for Violin and Harp 00:03:08
11Shylock op. 57 00:17:26
17Pelléas et Mélisande op. 80 (Suite de concert en sept mouvements) 00:18:53

Interpreten der Einspielung

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