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CD-Besprechung

Astrig Siranossian

Khachaturian & Penderecki Cello Concertos

Astrig Siranossian

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 11.07.18

Claves SO-1802

1 CD • 70min • 2017

In seinem ersten Cellokonzert (1967/1973) entfesselte Krzysztof Penderecki eine ungezügelte kakophonische, perkussionsgeladene Wucht, mit einem mehr viszeralen als spezifisch erkennbaren Solopart. Starker Tobak und nichts für schwache Nerven. Im Vergleich dazu bietet das hier eingespielte zweite Cellokonzert – das mit dem ersten nur den (hier immer wiederkehrenden) langsamen, recht sanften, glissandobehafteten Anfang aus dem Nichts gemein hat – einen geradezu schmiegsamen Solistenpart. Auch ist das zweite Konzert wesentlich deutlicher auf den Solisten fokussiert: Anstatt den Cellisten bzw. die Cellistin in eine klirrende Klangwelt einzubetten, tanzt und glänzt das Cello vor und über dem Orchester. Die besagte immer wiederkehrende Phrase in den hohen Streichern kündigt jeweils die drei langsamen Blöcke in diesem einsätzigen Konzert an – und, mit etwas Phantasie, den ‚Weißen Hai‘. Auch die exponierten Schlagzeuger des Orchesters kommen auf ihre Kosten. Nach Pendereckis eigenen Worten wurde das Konzert „vor dem avantgardistischen Fallstrick des Formalismus durch eine Rückkehr zur Tradition gerettet“ und es ist nicht überraschend, dass es von den beiden das populärere und deutlich häufiger aufgenommene Werk ist.

Sperrig bleibt das den Berliner Philharmonikern zum Hundersten geschriebene und Mstislav Rostropovich gewidmete Werk freilich. Vor allem: was im Konzersaal funktioniert kann, dank der weitgefächerten Dynamik, auf der heimischen Stereoanlage seine Wirkung kaum entfalten. Um das Penderecki-Konzert zu Hause so zu hören, dass es Sinn macht, bedarf es schon eines Einfamilienhauses und sturmfreier Bude. Oder sehr guter Kopfhörer. Dann immerhin kann man den vordergründigen dunklen, fleischig-kräftigen Ton von Solistin Astrig Sirangossian genießen, der auch noch von einem knackig-präsenten Orchester – der Sinfonia Varsovia unter Adam Klocek – unterstützt wird. Ganz anders, aber auch sehr fein, ist z.B. Torleif Thedéens leichtere, silbern leuchtende Interpretation auf BIS unter Leif Segerstam und dem Schwedischen Radio Sinfonieorchester. Andere Aufnahmen, auch die beiden von Penderecki dirigierten mit den Bamberger Sinfonikern und Boris Pergamenschikow (Orfeo) sowie dem Philharmonia Orchestra und Rostropovich (Erato/Warner), sowie die Naxos Aufnahme unter Antoni Wit, sind leider mehr oder weniger muffig und distant und verstecken mehr von dem Konzert als sie aufdecken.

Die Wahl von Aram Khachaturians 1946 geschriebenem Cellokonzert in e-Moll als CD-Partner für Penderecki macht Sinn wenn man bedenkt, dass die Französisch-armenische Cellistin mit dieser zweiten Einspielung für das Schweizer Claves Label ihre persönliche Visitenkarte abgibt: Einmal mit dem Konzert des Namensgebers des Wettbewerbes welchen sie 2013 gewann (und bei dem sie auch den Preis für die beste Interpretation des Penderecki Cellokonzerts bekam) und dann eben mit dem Konzert ihres Landsmannes Khachaturian-Khatschaturjan-Chatschaturjan. Letzteres ist eine heiße Hörempfehlung, ist es doch keineswegs ‚nur‘ ein farbenfroh klassisch-romantisch-Sowjet-realistisches Kitschkonzert sondern ein feines post-romantisches Werk welches zwar keineswegs gefühlvolle Harmonie vermeidet, aber auch gerne mal einen passenden dissonanten Haken einschlägt und eine nervöse Grundenergie einwebt: Definitiv ein Cellokonzert das man gehört haben sollte. Es wurde Khachaturian im Zuge der Erstaufführung sogar „bourgeoise Dekadenz“ vorgeworfen, eine der gefährlicheren und damit bedeutensten ästhetischen ‚Ehrenauszeichnugen‘ der Sowjetunion. Nebenbei nimmt das Konzert im ersten Satz auch einige der griffigen Themen der klassischen James Bond Musik vorweg (5:50). Auch diese schmissige Einspielung mit der Sinfonia Varsovia unter Adam Klocek ist sehr gut, wobei die Konkurrenz hier allerdings größer (und besser) ist als bei Penderecki: Insbesondere Yablonsky/Fedotov (Naxos), Ashkenazy/Lidström (BIS) aber auch Müller-Schott/Saramo (Orfeo) können überzeugen.

Jeder, der diese vielversprechende Cellistin akkustisch näher kennenlernen möchte (oder genau diese beiden Repertoire-Lücken schließen will) kann direkt zu dieser Aufnahme greifen… genauso wie jeder, der wissen will, wo momentan bei Einspielungen des Penderecki Konzertes der Hammer hängt.

Jens F. Laurson [11.07.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Khatchaturian Konzert e-Moll für Violoncello und Orchester 00:33:43
4 K. Penderecki Konzert Nr. 2 für Violoncello und Orchester 00:36:34

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Astrig Siranossian Violoncello
Sinfonia Varsovia Orchester
Adam Klocek Dirigent
 
SO-1802;7619931180229

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