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CD-Besprechung

Johann Sebastiani

Matthäus Passion

Johann Sebastiani

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.04.18

Klassik Heute
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cpo 555 204-2

1 CD • 66min • 2017

Wenn man’s liest, muss man schon aufpassen: Es ist zwar eine Matthäuspassion, aber nicht von Johann Sebastian Bach, sondern von Johann Sebastiani, der 1622 in Weimar geboren, „dem Vernehmen nach“ (so das Booklet) in Italien ausgebildet wurde und dann ab 1661 in Königsberg Hofkapellmeister im Dienste des Kurfürsten von Brandenburg stand, wo er 1663 mit Pastorello musicale die erste wirkliche erhaltene deutsche Oper schrieb und im selben Jahr sein einflussreichstes Werk schuf, eben die Matthäus-Passion. Die hat nun das Boston Early Music Festival Chamber Ensemble in Zusammenarbeit mit Radio Bremen für das Label cpo eingespielt.

Der Lautenist Paul O’Dette, zusammen mit Stephen Stubbs Leiter dieses Ensembles, hat im Booklet bündig zusammengefasst, was den Reiz dieser Passion ausmacht: „Die bewegende Schönheit der Melodien, die ergreifende Direktheit der Choräle, die Intensität der kunstvoll verflochtenen kontrapunktischen Streicherstimmen und die sensible Harmonisierung des Textes verbinden sich …zu einer ruhig bewegten und doch kraftvollen Darstellung der Passionsgeschichte.“ Daran stimmt alles. Vor allem, weil die Sänger und Instrumentalisten alles „kraftvoll“ und „ergreifend“ und „intensiv“ gestalten.

In der Tat sind die Rezitative des Evangelisten erstaunlich melodisch, ja fast schon arios, und textnah lautmalend, was Colin Balzer mit ausgefeilter Artikulation und effektvoller Dramatik noch unterstreicht, er agiert als Erzähler oft erregt und richtig empört. Dabei knallen die Konsonanten und das "R" rollt burgtheatermäßig: Die Empörung bricht regelrecht aus ihm heraus. Und Balzer nutzt alle dramatischen Möglichkeiten der Stimmgebung. Wenn er erzählt, wie Petrus sich in den Palast des Hohenpriesters schleicht, wird er verschwörerisch leise, wenn er die Kreuzesinschrift nennt, trieft seine Stimme vor Hohn. Sebastiani malt mit wenigen, aber treffenden Mitteln den Text: Wenn der Evangelist berichtet, dass Christus den mit Galle vermischten Essig nicht trinken wollte, lässt der Komponist diesen Halbsatz auf höherer Tonstufe wiederholen und Colin Balzer intensiviert den Ausdruck noch zusätzlich. Und solche Stellen gibt es viele.

Ungewöhnlich reichhaltig ist die Continuogruppe, vor allem durch mehrere Gamben und Theorben, die ausnehmend tonschön gespielt werden. Umso wirkungsvoller ist es dann, wenn nur die Orgel begleitet, so bei Christi Eli-Rufen: Da wirkt Christus wahrlich gottverlassen. Die Christusworte dagegen sind von sich kontrapunktisch umschlingenden Geigentönen umwoben – hat Bach dies gekannt und dann für seine Matthäuspassion verwendet? Dieser Christus ist mit Christian Immler ein kräftig-männlicher und herrscherlicher Christus, der so an Bachs Johannespassion erinnert. Der falsche Judas ist ein Countertenor (Nathan Medley), also ein Sänger mit „falschem“ Tenor.

Es gibt hier keine Arien, aber dafür Choräle, die zur religiösen Vertiefung und Verinnerlichung, aber auch als dramatisches retardierendes Moment dienen. Sie werden meist nur von einer Sopranstimme gesungen, nämlich von Ina Siedlaczek mit feinem Sopran wie mit dem berühmtem Silbergriffel gezeichnet, doch auch hervorragend artikuliert und rhetorisch deklamiert.

Die Turba-Chöre sind immer homophon und ,wenn’s sehr dramatisch wird, im Dreier-Takt gehalten. Den Schluss bildet wiederum ein Choral, ein Danksagungsliedchen, das zuerst von Solisten und dann am Schluss vom ganzen Chor gesungen wird. Alles ist vom Tonmeister klanglich sehr nach vorne gerückt und trifft unmittelbar ins Ohr.

Insgesamt ist diese Matthäuspassion von Johann Sebastiani eine ungemein farbige, ergreifende und vom ganzen Ensemble mit bedingungsloser Hingabe gesungene und gespielte Leidensgeschichte, sie „gehet meiner Seele nah“ – wie es bei Bach dann heißt .

Rainer W. Janka [01.04.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sebastiani Matthäus Passion (Das Leyden und Sterben unsers Herrn und Heylandes Jesu Christi nach dem heiligen Matthaeo) 01:05:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Collin Balzer Tenor
Christian Immler Bariton
Ina Siedlaczek Sopran
Nathan Medley Countertenor
Jason McStoots Tenor
Jonathan Woody Bariton
Boston Early Music Festival Chamber Ensemble Ensemble
Paul O'Dette Dirigent
Stephen Stubbs Dirigent
 
555 204-2;0761203520428

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