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CD-Besprechung

Nordsending

Works for String Trio & Duo

BIS 2269

1 CD • 78min • 2009, 2010, 2012, 2013, 2014

12.06.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Musik für Streichtrio ist, dank der Vernachlässigung durch die Romantiker, weniger populär als Streichquartette oder Klaviertrios, doch kann die Gattung in der klassischen Besetzung für Violine, Viola und Cello über Haydn, Boccherini, Mozart, Beethoven, Schubert, Fuchs, Taneyev, Roussel, Florent Schmitt, Reger, Schönberg, Dohnányi, Kodály, Webern, Martinu, Milhaud, Hindemith, Krenek, Jolivet, Nørgård oder Eliasson hinaus viel mehr Meisterwerke vorweisen als allgemein bekannt. Bei wirklich umfassender Beherrschung des kompositorischen Handwerks ist das Trio ein ideales Medium, um mit einem Minimum an Besetzung ein Maximum an mitvollziehbarer Vielstimmigkeit und Klangfülle und –farbenreichtum zu erreichen. Das Kopenhagener Aristos-Trio wurde 2005 vom polnischen Geiger Szymon Krzeszowiec, dem Bratschisten Alexander Øllgaard und dem in der Zusammenarbeit mit führenden Komponisten erfahrenen Cellisten Jakob Kullberg in der ursprünglichen Absicht gegründet, Per Nørgårds Musik für Streichtrio und –duo aufzunehmen. Inzwischen ist mehr daraus geworden, und das auf exquisitem Niveau.

Der Titel des vorliegenden Albums bezieht sich auf unerklärliche Vorkommnisse in der Natur, deren Ursprung im Norden liegt. Neben den prominenten dänischen Meistern Per Nørgård und Bent Sørensen werden die Finnin Kaija Saariaho und der Norweger Henrik Hellstenius in einer dramaturgisch recht schlüssigen Zusammenstellung vereint. Das knapp zehnminütige Rift vom 1963 geborenen Hellstenius, komponiert 2014, ist das strukturell am strengsten erscheinende Stück, durchgehend eher gegen den Atem gebürstet, und doch mit einem gewissen Charme, der vielleicht der Einflusssphäre von Nørgård oder auch Arne Nordheim zuzuschreiben sein könnte, wobei es mehr noch seine Studien bei Lasse Thoresen, Olav Anton Thommessen und Gérard Grisey sein dürften, die seinen Sinn für feine Klangschattierungen schärften. Auch Kaija Saariahos Cloud Trio von 2009 ist ein von tonalen Allusionen weitgehend sich abwendendes Werk, freilich ohne je Tonalität wirklich vermeiden zu können, doch liegt in den vier Sätzen der Reiz fraglos in den klanglichen Kumulationen und Überlagerungen und in den zwischen Repetition und Permutation changierenden rhythmischen Mustern. Von einer klar sich entfaltenden Form kann in beiden Fällen nicht wirklich die Rede sein – eher schon in den fünf Gondole von 2010, die Bent Sørensen in seiner in tiefste Unterholzschichten eindringenden Introversion erforscht hat. Tonalität entsteht hier sozusagen als nostalgisches Zerfallsprodukt, in der erinnernden Trauer ob ihres Verlusts, und unvermeidlicherweise endet das Ganze mit einer ‚Lugubre gondola’. Wenn Sørensen im dritten Satz, ‚La gondola con il vestito dei fiori’, andere, rhythmisch animierter verspielte, mit humoresken Wiederholungen und zusätzlichem Gesang versehene Aspekte einfließen lässt, so verdächtigt der Komponist zugleich sofort sich selbst, hier ein „Pop-Komponist“ geworden zu sein. Das ist wirklich komisch, und um wieviel poppiger muss da erst Per Nørgård wirken, dem der überwiegende Teil dieser CD gewidmet ist: eine Neuaufnahme seiner sechssätzigen Suite Tjampuan – Where the Rivers Meet von 1992 für Violine und Cello, sein viersätziges Streichtrio Strings aus demselben Jahr, und die berühmte Pastorale aus der Musik zu Gabriel Axels Kinohit Babettes Fest von 1988 – wunderbar abwechslungsreiche, stets aus dem Zusammenhang geschöpfte und so spannungsreich wie unvorhersehbar freisinnig sich entwickelnde Musik, die stets zugleich mit Tiefe und attraktiver Oberfläche besticht (was nicht in allen Kompositionen Nørgårds, dieses großen Altmeisters unserer Zeit, der Fall ist). Alleine schon wegen der Werke Nørgårds lohnt es sich, diese CD zu hören, die Gondole von Sørensen sind eine willkommene Ergänzung aus schattigeren Seelengefilden, und dafür nimmt dann eben auch in Kauf, dass es daneben noch zwei weniger substanzielle Beiträge gibt. Das Trio Aristos spielt so makellos und hinreißend, wie dies der Musik ohne Kenntnis des Notentexts angemessen erscheint, und die Aufnahmetechnik mit ihrer klaren, realistischen Abbildung ist auf dem von BIS zu erwartenden hohen Niveau. Der Booklettext von Neil Bennun versorgt uns mit interessanten Informationen zu den Werken.

Christoph Schlüren [12.06.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bent Sørensen
1Gondole 00:18:44
Per Nørgård
6Strings 00:14:53
Kaija Saariaho
10Cloud Trio 00:16:39
Per Nørgård
14Tjampuan für Violine und Violoncello (Six Movements for violin and cello) 00:11:52
Henrik Hellstenius
20Rift 00:09:20
Per Nørgård
21Pastorale (aus: Babette's Feast) 00:06:16

Interpreten der Einspielung

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