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CD-Besprechung

K.M. Atterberg

cpo 1 CD 999 874-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 07.09.15

cpo 999 874-2

1 CD • 59min • 2007

Kurt Atterberg (1887-1974) hatte nicht nur ein langes Leben, in dem er erstaunlich viele seiner vielfältigen Talente zur Entfaltung brachte, sondern war zweifellos eine der größten Begabungen der nordischen Musik in der Zeit des Umbruchs zur Moderne. Von diesem Umbruch sind in seiner Musik nur periphere Auswirkungen spürbar, was der Klasse seines Schaffens keinen Abbruch tut. Die einzige Schwäche ist ein gewisser Mangel an unverkennbarer Eigenständigkeit, von welchem allerdings offensichtlich das hier vorliegende Hornkonzert in keiner Weise betroffen ist. Es gehört zu Atterbergs eigenwilligsten, ungezwungen beiläufig humoristischsten und in Charakter und Couleur attraktivsten Schöpfungen. Das 1926 – noch vor seiner Sechsten von acht Sinfonien, mit welcher er 1928 seinen Welterfolg feiern sollte – entstandene, gut 20-minütige Werk in drei Sätzen (der langsame Satz geht ohne Unterbrechung ins Finale über) beschäftigt außer dem Solisten kein Blasinstrument und garantiert ihm damit uneingeschränkte Prominenz von Charakter und Farbe. Stattdessen treten zum Streichorchester lediglich Klavier und zwei Schagzeuger hinzu. Es ist eines der schönsten Hornkonzerte des 20. Jahrhunderts, mehr als ebenbürtig den beiden populären Konzerten von Richard Strauss, und ohne weiteres dem Vergleich mit Schoeck, Glière, gar Hindemith standhaltend. Offenkundige Swing/Jazz-Einflüsse verleihen dem Werk eine ganz besondere, mondän lässige, dabei aber stets leidenschaftlich engagierte Note. Dem teils ungestüm packenden Allegro patetico-Kopfsatz liegt ein beweglich in Vierteln pulsierendes Dreier-Metrum zugrunde, das zentrale Adagio (hier zu flüchtig genommen) ist von unerhörtem Zauber und wird von einer Gigue à la Jazz gefolgt. Für den Hornisten ist es durchaus eine virtuose Herausforderung, die hier von Johannes-Theodor Wiemes mit Verve und sanglicher Bravour gemeistert wird. Die beigemischten Idiome werden vom Dirigenten eher stiefmütterlich behandelt, es wird vor allem sehr zupackend losgelegt, eigentlich kein Fortissimo scheint laut genug sein zu können, und wäre die rettende Tontechnik nicht, die Streicher deckten den Solisten, der doch mit großer Hingabe und Intensität spielt, stellenweise komplett zu. Es ist eben doch etwas bedauerlich, wenn man merkt, dass ein Orchester die Musik (die Radio-Philharmonie Hannover) gar nicht wirklich kennenlernen konnte und der Dirigent (Ari Rasilainen) es bei korrekter technischer Bewältigung (was auch immer man genau unter korrekt verstehen will, meines Erachtens zählte eine klarere vertikale Balance und mehr Sinn für die musikalische Artikulation der Linie dazu) belässt.

Dem Hornkonzert voran geht das fast 40-minütige Cellokonzert Atterbergs in c-Moll (1917-22), ein gleichfalls dreisätziges Werk in der seit Dvorák etablierten Tradition des großen, weit ausgreifend erzählerischen Cellokonzerts, wie wir es ja auch (zwischen den beiden) von John Foulds kennen. Ein höchst dankbares Konzert, wie bei Foulds geschrieben von einem Virtuosen des Instruments, der es auch selbst aufführte, in den ersten beiden Sätzen von großartiger Gesamtwirkung, im Finale etwas episodischer, kurzatmiger, doch als Ganzes von erheblichem Wert und für alle Virtuosen, die musikalisch substanzielles Futter im Wechselspiel mit dem großen Orchester suchen, eine echte Repertoirebereicherung, die hier respektgebietend von Nikolai Schneider vorgetragen wird. Was für herrliche, tragfähig empfindungsreiche Kantilenen voll Melancholie in den ersten zwei Sätzen, oftmals in auffallender Sibelius-Nähe, ohne an dessen innere Radikalität anzuknüpfen, sondern traditioneller, verbindlicher in der Haltung. Und dann ein würzig-tänzerisches Finale – ein bisschen wie ein Pendant zu Sibelius’ Violinkonzert für den größeren Bruder. Wären nur die ‚Begleiter’ noch inniger damit vertraut gewesen… Doch dafür, zum echten Erfassen der Charaktere und vorausschauenden Gestalten, war eben nicht genug Zeit vorhanden. Die Tontechnik ist auf dem zu erwartenden sehr guten Niveau, kann aber natürlich nicht alles ausbügeln, was im tatsächlichen klingenden Raum, dessen akustische Qualitäten durchaus ihre eigene Problematik beigetragen haben mögen, nicht optimal abgestimmt war. Tadellos der kompetent informierende Booklettext vom bewährten Spezialisten Stig Jacobsson.

Christoph Schlüren [07.09.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K.M. Atterberg Violoncellokonzert op. 21 00:38:31
4 Hornkonzert A-Dur op. 28 00:20:46

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nikolai Schneider Violoncello
Johannes-Theodor Wiemes Horn
NDR Philharmonie Hannover Orchester
Ari Rasilainen Dirigent
 
999 874-2;0761203987429

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