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CD-Besprechung

Josef Suk

Complete Works for String Quartet

Josef Suk

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 15.01.15

cpo 777 652-2

2 CD • 2h 05min • 2010, 2011, 2012

Josef Suk (1874-1935), der Schwiegersohn Dvoráks, ist heute vor allem als Orchesterkomponist insbesondere der Asrael-Sinfonie bekannt, zumal der Einsatz so exzellenter Musiker wie Václav Talich oder Jirí Belohlávek den Hörern in aller Welt exemplarische Aufnahmen beschert hat, die eine zündende Idee davon vermitteln, welche außergewöhnliche Substanz, Meisterschaft, Vitalität und Originalität für Suks Musik charakteristisch sind. Im gleichen Jahr wie Schönberg, Ives und Holst geboren, war Suk ohne jeden Zweifel der bedeutendste tschechische Komponist seiner Generation, auch wenn er im Nachhinein ein wenig von der phänomenalen Spätreife Leos Janáceks überschattet werden sollte.

Die Kammermusik Josef Suks, der selbst ein vortrefflicher Kammermusiker war, ist heute weit weniger bekannt als sein Orchesterschaffen, allenfalls das frühe Klavierquartett ist auch dank des Einsatzes von Gidon Kremer außerhalb Tschechiens etwas häufiger zu hören. Das könnte sich jedoch bald ändern, zumal nach vorliegender Einspielung sämtlicher Werke für und mit Streichquartett. Ein besonderer Glücksfall ist bei dieser Veröffentlichung der wahrlich erschöpfende Bookletessay von Eckhart van den Hoogen, der bei aller Breite der Darlegung kompakt und präzise die Informationen vermittelt und allerlei unverhoffte Seitenblicke gewährt, die uns die Erscheinung Suk insgesamt in der Zeitgeschichte besser verstehen lassen – Besseres, Treffenderes habe ich in deutscher Sprache über Suk bislang nicht gelesen.

Das einzige Werk, das hier nicht exklusiv für Streichquartett gesetzt ist, ist das frühe Klavierquintett g-Moll op. 8, das Suk freilich später nochmal revidiert hat, und in welchem am Klavier Matthias Kirschnereit so elegant, spielerisch-wendig und feinsinnig musikantisch wie stets mitwirkt. Ansonsten stellt das Minguet Quartett Suks zwei große Streichquartette op. 11 und 31 sowie das spätere Alternativfinale des Opus 11, die beliebten Meditationen über den St. Wenzel-Choral op. 35a (die gerne für Streichorchester gegeben werden) und drei kleinere Sätze vor: eine Barcarolle (1888/1923), eine Ballade in d-Moll (1890) und ein Menuett (1897/1900). In all diesen Werken erweist sich Suk als großer Meister, sei es in der noch deutlichen Dvorák-Nähe der Frühwerke wie des Klavierquintetts oder ganz besonders des ersten Streichquartetts B-Dur, die alles andere als angepasstes Epigonentum ist, sei es in der hochexpressiven, ja, wahrhaft expressionistisch anmutenden und auch seinerzeit entsprechend verständnislos rezipierten Sprache seines formal gigantisch verflochtenen zweiten Streichquartetts in einem ungeheure Umschwünge, Höhen und Tiefen umspannenden großen Satz, oder sei es in den wunderschönen darauf folgenden Choral-Meditationen von 1914. Das Anfang 1912 uraufgeführte zweite Quartett ist in jeder Hinsicht ein sinfonischer Höhepunkt in Suks Schaffen, der nicht hinter Asrael, Zráni oder dem Epilog zurücksteht, und zugleich bildet es einen Gipfel der Modernität jener rastlosen Zeit. Es fordert zugleich den Musikern das Letzte an Fähigkeiten und Hingabe, an Extremen und weitschauender Gestaltung ab, und eigentlich wird hier die Ausdruckskapazität des Mediums Streichquartett rein physisch rücksichtlos überschritten – dies von einem Musiker, der das Medium von innen kannte wie wenige andere.

Das Minguet Quartett agiert technisch makellos, synchron in der Artikulation, der Tongebung und dem rhythmischen Verständnis, mit seltener Reinheit der Intonation, mit großem Ernst und viel Leichtigkeit auch in sehr intrikaten Passagen. Auch aufnahmetechnisch ist das Unternehmen ausgesprochen geglückt, wenngleich eine gewisse Trockenheit nicht zu bestreiten ist. Wirkliche Klangfülle will sich auch da, wo sie sehr förderlich wäre, nicht einstellen, zwischen Höhe und Tiefe entsteht kein erfüllter Raum. Und es gelingt den Musikern bei aller minutiösen Umsetzung der Details nicht nur im sehr komplexen zweiten Quartett nicht, weite Strecken in bezwingendem Zusammenhang erstehen zu lassen. Der Hörer geht verloren in den Verästelungen des kunstvollen Satzes, und ich frage mich, ob es heute irgendwo Musiker gibt, die in der Lage sind oder bewusst danach suchen, nicht nur die technisch-tonliche Seite der Medaille zu meistern, sondern auch diesen teils wild wuchernden Tonsatz mit all seinen Verwerfungen und Extremwerten zu bezwingendem Zusammenhang zu korrelieren.

Christoph Schlüren [15.01.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Suk Streichquartett Nr. 1 B-Dur op. 11 00:29:24
5 Quartettsatz B-Dur 00:08:47
6 Streichquartett Nr. 2 op. 31 00:30:05
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Klavierquintett g-Moll op. 8 00:35:24
5 Menuet G-Dur 00:03:12
6 Ballade d-Moll op. 3 Nr. 1 00:06:24
7 Barcarolle B-Dur 00:03:05
8 Meditation über den altböhmischen Choral "Heiliger Wenzel" op. 35a 00:08:16

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Matthias Kirschnereit Klavier
Minguet Quartett Streichquartett
 
777 652-2;0761203765225

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