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CD-Besprechung

Francis Thomé

Musique de chambre

Azur Classical AZC 118

1 CD • 64min • 2012

06.08.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Es ist ein lobens- und lohnenswertes, mitunter auch recht mühevolles Unterfangen, die Musik in Vergessenheit geratener Komponisten wiederzubeleben. Meist lohnen sich die Mühen, tragen zur Rehabilitation eines Komponisten bei und ziehen ein reges Interesse in der Fachwelt und bei Musikliebhabern nach sich. Gelegentlich lassen sie uns aber auch erahnen, warum möglicherweise ein zu Lebzeiten beliebter und geschätzter Künstler nach seinem Tod so schnell aus dem Bewusstsein der Musikwelt verschwand.

Francis Thomé, 1850 in Port Louis auf Mauritius geboren, kam mit 16 Jahren ans Pariser Konservatorium und wurde dort von Jules Duprato, Ambroise Thomas, César Franck und Antoine François Marmontel ausgebildet. Schnell profilierte sich Thomé als Klavierlehrer, Pianist und Komponist. Gefeiert wurden seine Operetten und Opern; auch seine Klavierwerke erfreuten sich bis zu seinem Tod 1909 in Paris großer Beliebtheit. Chorwerke, Lieder, Ballette und Kammermusiken runden sein mit über 400 Titeln höchst umfangreiches Gesamtschaffen ab.

Das Label Azur Classical legt nun als Weltersteinspielung eine CD mit Kompositionen für Klaviertrio vor, deren Tonfall dem der Pariser Salonmusik des ausgehenden 19. Jahrhunderts zuzurechnen ist. Vor allem die fünf Miniaturen Simple Aveu, Le Rêve, Andante religioso, Claire de lune und das Menuet La Vallière geizen nicht mit charmant einschmeichelnder, bisweilen sentimentaler Melodik und einer zwar attraktiven, aber immer in vorhersehbaren Bahnen verlaufenden Harmonik. Nicht weniger unterhaltsam, aber doch raffinierter, dazu handwerklich einwandfrei und vor allem im Schlusssatz sehr kunstvoll gearbeitet gibt sich das Trio A-Dur op. 121 aus dem Jahr 1881. Melodik und Harmonik können auch hier das Salonhafte nicht verleugnen. Der Reiz dieses mit 41 Minuten Spielzeit groß dimensionierten Trios liegt dafür in oft abrupten Rhythmuswechseln, unerwarteten chromatischen Einsprengseln und kontrapunktischen Elementen, die sich in dem bereits erwähnten Finale, einem Mix aus Rondo- und Sonatenform, zu einer barocken Gigue verdichten. Bei aller Kurzweiligkeit ist diesem sehr dicht arrangierten Trio eine gewisse Leidenschaft nicht abzusprechen. Dieser begegnet das Trio Thalberg aber mit einer doch eher routinierten Musizierhaltung, die klanglich hin und wieder zu dick aufträgt. Differenziertere Klangfarben, Ausdrucksebenen und Tempi, außerdem weniger intonatorische Auffälligkeiten hätten sicherlich zu einer positiveren Beurteilung geführt. So aber bleibt weder von der Musik noch von ihrer Ausführung irgendetwas im Gedächtnis haften. Eine beachtenswerte Wieder- oder Neuentdeckung sieht leider anders aus. Vielleicht sind aber andere Werke Francis Thomés mehr dazu angetan, das Interesse an diesem Komponisten zu wecken.

Christof Jetzschke [06.08.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Francis Thomé
1Trio A-Dur op. 121 00:49:43
5Simple Aveu op. 25 00:03:40
6Le Rêve op. 55 00:03:14
7Andante religioso op. 70 00:07:25
8Clair de lune op. 112 00:04:00
9Menuet La Vallière op. 121 00:03:58

Interpreten der Einspielung

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