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CD-Besprechung

Reflections
The Solo Piano Works of Andrzej and Roxanna Panufnik

Clare Hammond

Reflections<br />The Solo Piano Works of Andrzej and Roxanna Panufnik

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 25.07.14

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BIS 2003

1 CD/SACD stereo/surround • 71min • 2013

Der polnische Komponist Andrzej Panufnik (1914 – 1991) ist kein Unbekannter, er ist aber auch nicht wirklich bekannt. In diesem einerseits positiven, im Allgemeinen aber für den Betroffenen und sein Schaffen unliebsamen Spannungsverhältnis steht auch der aus Warschau stammende Sohn eines Saiteninstrumentenbauers und einer „talentierten Geigerin , Pianistin und Komponistin englischer Abstammung“. Panufnik überlebte die furchtbare Zeit der deutschen Besatzung, engagierte sich mit seinem Freund Witold Lutoslawski im Widerstand. Mit Untergrundkonzerten sammelten sie Geld für die Kämpfer und natürlich auch für jüdische Künstler. Vier Widerstandslieder aus dem Untergrund zeugen von diesen lebensgefährlichen Initiativen auch in kompositorischer Hinsicht.

Der englischen Pianistin Clare Hammond ist es zu danken, sich um die Klavierwerke Panufniks nicht nur im Umkreis seines 100. Geburtstags angemessen zu kümmern, sondern mit klug und spontan wirkendem, technisch wendigen Einsatz auch dessen Ausdrucksradius überzeugend abbilden zu können. Die Zwölf Miniatur-Etüden von 1947, die 1955 und 1964 überarbeitet wurden, stehen nicht nur am Anfang der gewählten Werkfolge, sie sind aus meiner Sicht – zumindest im Bereich dieser Zusammenstellung – von zentraler Bedeutung. Dieses Miniaturen-Dutzend entwarf Panufnik nach einer fünfjährigen Schaffenspause unter traditionellen Gesichtspunkten der Tonartenbeziehungen. Die erste Etüde steht in Cis (Dur/moll), die zweite in der Unterquinte Fis, die dritte in H und so fort. Folglich sollte diese Sammlung auch „Quintenzirkel“ heißen, Panufnik entschied sich aber für die Etüden-Bezeichnung. Die kleinen, sich allenfalls nach der 3 Minuten-Decke reckenden Stücke sind – soweit ich das ohne Kenntnis der Noten zu beurteilen wage – von einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad, der dem versierten Dilettanten reichlich Probleme bringt, einem im Umgang mit „heutiger“ Musik geübten professionellen Spieler aber kaum den Schweiß auf die Finger treibt.

Originell ist nicht nur die tonartliche Anordnung der 12 Bonsai-Übungen, sondern ihr dynamisches Kontrastprogramm. Einem „ Sempre fortissimo…“ folgt jeweils ein „Sempre pianissimo…“, wobei die geforderten Dauerlaut- und leisestärken durch eine weitere Vortragsbezeichnung ergänzt werden. Die vollständige Durchführungsanweisung lautet so zum Beispiel:für die Etüde Nummer 5: „Sempre fortissimo e molto agitato“. Allein die Finaletüde Nr. 12 gibt sich etwas biegsamer und damit weniger stabil im Ausdruck. In diesem Fall wird an die Vortragende appelliert, „ Pianissimo e crescendo poco a poco il fortissimo“ vorzugehen, wobei dem Hörer wohl klar werden sollte, dass Panufnik hier die Summe aus all dem Geübten und Gelernten zu ziehen wünscht.

Diese Miniaturen sind mit Gewinn zu hören, sind abwechslungsreich nicht nur wegen ihrer konträren Ausgangsstellung, sondern auch von der technischen wie motivischen Erfindung her. Wer sich mit ihnen beschäftigt, so meine ich, der vergeudet keine Zeit. Problematischer verhält es sich mit den anderen hier eingespielten Stücken der Jahre 1968 (Refelctions) und 1984, einer Pentasonata von 13 Minuten sich etwas lauwarm anfühlender Spieldauer. Hier wird deutlich, wie viel prägender und damit einprägsamer die Werke Lutoslawskis oder auch Pendereckis waren und bis zum heutigen Tag auch geblieben sind.

Mit von der CD-Partie ist auch Andrzej Panufniks Tochter Roxanna, die sich hier auf milde Weise schöpferisch, in handwerklicher Diskretion auch nachschöpferisch in Stellung bringt. Von den fünf Vocalises für Sopran und Klavier hat sie die Nummern 1, 4 und 5 als nun rein klavieristische „Hommage à Chopin“ arrangiert. Ein spätes Liedgebet ihres Vaters (Modlitwa) hat sie vollendet und 2013 für Klavier solo umgestaltet. Und schließlich spielt Clare Hammond auch noch zwei Originalkompositionen der Panufnik-Tochter – eine artige Zu- und Beigabe zur Vervollständigung eines Familienporträts, nicht mehr, aber auch nicht weniger…

Wer sich etwas eingehender mit der Persönlichkeit Andrzej Panufniks befassen möchte, dem sei eine bei Naxos erschienene Zusammenstellung mit dem Polnischen Kammerorchester unter der Leitung von Smolij Mariusz empfohlern (8.570032). Sie enthält u.a. eine Altpolnische Suite für Streicher, ein Concerto in Modo antico und Fünf Stücke für Flöte und Streicher erneut mit dem Titel „Hommage à Chopin“.

Peter Cossé [25.07.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Panufnik Twelve Miniature Studies 00:20:08
13 5 Stücke für Flöte und Streichorchester (5 Stücke für Flöte und Streichorchester; Nr. 1 Andante, Nr. 4 Vivo, Nr. 5 Andante) 00:09:30
16 Penta 00:12:57
17 Modlitwa 00:05:30
18 R. Panufnik Second Home 00:09:26
19 Glo 00:01:35
20 A. Panufnik Reflections 00:11:00

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Clare Hammond Klavier
 
2003;7318599920030

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