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CD-Besprechung

Anna Netrebko Verdi

DG 479 1052

1 CD • 57min • 2012

09.08.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Zu einer guten PR-Strategie gehört auch ein gutes Timing. Zeitgleich mit der Salzburger Premiere einer konzertanten Giovanna d’Arco und der Veröffentlichung ihres Albums mit Verdi-Arien bei Deutsche Grammophon ließ Anna Netrebko über ihre Agentur der Presse mitteilen, dass ihre Stimme seit der Geburt ihres Sohnes dunkler und schwerer geworden, mithin auch dramatischen Aufgaben gewachsen sei. Und fast alle Zeitungen haben diese dpa-Meldung, die bei jeder anderen Sängerin allenfalls für ein Achselzucken gesorgt hätte, eilfertig abgedruckt. Schon vor Jahresfrist hatte Netrebko in einem Interview mit der „Welt“ angekündigt, dass sie sich von Erfolgspartien wie Traviata und Manon trennen und zu neuen Ufern aufbrechen wolle: „Das Koloraturen-Girlie ist Vergangenheit“.

Ihr neues Album mit Verdi-Arien soll diesen Anspruch untermauern. Allerdings hatte sie zum Zeitpunkt der Aufnahmen keine der fünf hier präsentierten Rollen schon auf der Bühne gesungen. Nach der Salzburger Giovanna wird im Herbst das szenische Debüt als Leonora im Trovatore an der Berliner Staatsoper erfolgen, nächsten Sommer nimmt sie an der Bayerischen Staatsoper Lady Macbeth in Angriff. Man kann dieses Recital also als einen „Testlauf“ betrachten. Der zeugt von Mut und Selbstbewusstsein, aber auch von Selbstüberschätzung. Anna Netrebko singt mit aller Kraft gegen ihr bisheriges Image an und will dabei zwei Schritte auf einmal machen. Das kann nicht gut gehen. Genau genommen entsprechen nur Giovanna und Leonora ihren gegenwärtigen stimmlichen Möglichkeiten, während sie in den anderen Partien hörbar an Grenzen stößt. Vor allem Lady Macbeth ist ein Missverständnis. Statt einen eigenen Weg zu dieser Partie zu suchen, der dem immer noch lyrischen Charakter ihrer Stimme entspricht, versucht Netrebko mit der Callas in Konkurrenz zu treten, indem sie der Stimme durch dunkle Einfärbungen einen dämonischen Zug zu geben versucht, und gerät dann in den Höhen unwillkürlich ins Schreien.

Dieses Forcieren fordert auch in den anderen Rollen seinen Tribut. Die Ebenmäßigkeit der Tonproduktion, die belcanteske Linienführung, die sich in Leonoras Arie „D’amor sull’ali rosee“ zumindest als Wille zu erkennen gibt, wird in Elisabettas Arie „Tu che le vanità“ aus Don Carlo verfehlt, die nach einer reichen und entspannt geführten lirico-spinto-Stimme verlangt. Nicht nur hier gerät Netrebkos Stimme ins Flackern, verliert den spezifischen Reiz ihres Timbres. Vor dem Bolero aus I Vespri Siciliani muß sie schon in der ersten Strophe kapitulieren. Der Dirigent Gianandrea Noseda, der sie mit dem Orchester des Teatro Regio Torino begleitet, war wohl nicht der richtige Mann, sie zu einem stilvollen, differenzierten Verdi-Gesang anzuleiten, denn er gibt sich mit einer landläufig vordergründigen italianità zufrieden. Sehr ansprechend läßt sich Rolando Villazón offstage im Miserere aus dem Trovatore vernehmen.

Ekkehard Pluta [09.08.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giuseppe Verdi
1Nel dì della vittoria io le incontrai (aus: Macbeth) 00:02:10
2Ambizioso spirto tu sei - Vieni! t'affretta! 00:03:08
3Or tutti sorgete, ministri infernali (aus: Macbeth) 00:01:59
4La luce langue (from: Macbeth) 00:04:00
5Una macchia è qui tuttora 00:09:58
6Qui! Qui, dove più s'apre (1. Akt, Giovanna - aus: Giovanna d'Arco) 00:02:32
7O fatidica foresta (aus: Giovanna d'Arco) 00:02:15
8Arrigo! Ah, parli a un core (from: I sizilianische Vesper) 00:03:58
9Mercè, dilette amiche (aus: I Vespri Siciliani) 00:04:02
10Tu che le vanità ... Francia, nobile suol (from: Don Carlo) 00:10:22
11Vanne! Lasciami ... D'amour sull'ali rosee (from: Il Trovatore) 00:02:24
12D' amor sull' all rosee (from: Il Trovatore) 00:03:40
13Miserere (aus: Il Trovatore) 00:04:35
14Tu vedrai che amore in terra (aus: Il Trovatore) 00:02:12

Interpreten der Einspielung

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