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CD-Besprechung

Malinconico

Malinconico

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 15.04.13

Klassik Heute
Empfehlung

Classicclips CLCL 123

1 CD • 63min • 2012

Ob die hier vorgestellte Musik tatsächlich durchgehend melancholisch ist, wie der Titel „Malinconico“ suggeriert, ist fraglich, viele Stücke sind einfach nur träumerisch und poetisch gehalten; sicher ist jedoch, dass dem Saxophonisten Bartek Dus und seiner Klavierpartnerin Magdalena Wojciechowska ein glänzendes Debüt geglückt ist. Mit Ausnahme der substantiellen und raren Beiträge von Fernande Decruck und René Corniot werden alle Stücke in eigenen Bearbeitungen der beiden polnischen Duo-Partner vorgestellt, entweder als Transkriptionen (Poulenc, Debussy) oder Arrangements (Satie).

Die Bearbeitungen sind dabei nicht etwa bloß Vehikel für den Solisten, sondern können tatsächlich Seiten des Saxophons aufdecken, die bislang vielleicht nicht allgemein bekannt waren. In der wunderbar gestisch und frisch aufgefaßten Sonate Poulencs, die auf die Flötensonate zurückgeht, ist das Ereignis, wie spielend und schwerelos Bartek Dus die schwindelnde Höhe bewältigt; das Sopran-Saxophon stößt in Bereiche vor, die traditionell eigentlich anderen Instrumenten vorbehalten sind, läßt dabei seinen bekannten Klang weitgehend hinter sich und könnte passagenweise leicht mit Es-Klarinette oder eben der Flöte verwechselt werden. Die eingeschobenen Miniaturen Saties, zwei Gymnopédies, die erste der Gnossiennes und das zweite der Pièces froides, könnten gut auch für das Saxophon geschrieben worden sein, so unwirklich schwebt das Saxophon über der somnambulen Klavierbegleitung; Dus kann hier seine vollkommen geschmackssichere Phrasierung zeigen.

Besonderes Interesse beanspruchen die beiden größeren Werke, die Raritäten sind, obwohl man ihnen in letzter Zeit durchaus begegnen konnte. Die Sonate für Altsaxophon und Orchester cis-Moll der französischen Komponistin Fernande Decruck (1896–1954) wird hier in ihrer eigenen Fassung mit Klavierbegleitung gebracht; es handelt sich um ein etwas aus seiner Zeit gefallenes (1943), doch sehr stimmungsvolles Stück, das viele klangliche Höhepunkte bietet, etwa die magischen, auf- und absteigenden Arpeggien im Kopfsatz. Dus spielt diese vollendet gleichmäßig und perlend, Magdalena Wojciechowska begleitet mit einem schönen Piano und phantasievoller Artikulation, vielleicht manchmal etwas zu verhalten. Auch Eglogue et danse pastorale von René Corniot (1901 – 1972) verleugnet seine Vorbilder, hier vor allem Ravels Zauberton nicht, doch der Komponist entwickelt sie weiter zu einer freien und ausdrucksvollen Phantasie, die Dus und Wojciechowska wirklich erfüllt ausspinnen. Eine exzellente Aufnahme!

Dr. Michael B. Weiß [15.04.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Poulenc Sonate FP 164 für Flöte und Klavier 00:12:29
4 E. Satie Gymnopédie Nr. 3
5 F. Decruck Sonate Cis-Dur für Saxophon und Klavier 00:15:41
9 E. Satie Gnossienne Nr. 1 00:03:52
10 C. Debussy Première Rhapsodie für Klarinette und Klavier 00:08:15
11 E. Satie Danses de travers 00:01:30
12 R. Corniot Eglogue et danse pastorale 00:14:22
14 E. Satie Gymnopédie Nr. 1 00:04:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bartek Dus Saxophon
Magdalena Wojciechowska Klavier
 
CLCL 123;4260113461235

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