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CD-Besprechung

Heinrich Ignaz Franz Biber: Die Rosenkranzsonaten

Berlin Classics 2 CD 0300531BC

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 15.05.13

Berlin Classics 0300531BC

2 CD • 1h 59min • 2011

Das Kammermusikschaffen Heinrich Ignaz Franz Bibers ist durch zeitgenössische Drucke gut belegt; einzig sein heute wohl bekanntestes Sonatenwerk, die so genannten Rosenkranz- oder Mysterien-Sonaten, ist nur in einer einzigen, heute in der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrten Abschrift erhalten, der auch noch das Titelblatt fehlt. Somit gibt es keine gesicherten Kenntnisse über das Entstehungsjahr des Zyklus: Eine Einordnung in Bibers Frühwerk (um 1670) ist lange vorherrschend gewesen, der Musikwissenschaftler Peter Wollny plädiert freilich für einen späteren Zeitpunkt und ordnet das Werk zwischen 1684 (Ernennung Bibers zum Salzburger Hofkapellmeister) und 1687 (Tod des Widmungsträgers Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg, Fürsterzbischof von Salzburg) ein.

Ein prägendes Merkmal der Rosenkranzsonaten ist die Skordatur, also das planmäßige Umstimmen der Saiten der Geige, das einerseits schwierige Griffe erleichtert und akkordisches Spiel ermöglicht, auf der anderen Seite jeweils charakteristische Klangfarben erzeugt, die jede einzelne Sonate individuell timbrieren. Wegen der teilweise schwierigen Prozesse des Umstimmens hat sich zur Aufführung der Rosenkranzsonaten die Verwendung mehrer Violinen eingebürgert – für ihre Einspielung hat Annegret Siedel neun herrliche Violinen aus dem 17. und 18. Jahrhundert verwendet, die im Beiheft abgebildet sind und deren Geigenbauer kurz vorgestellt werden.

Über die Besetzung der Continuobegleitung fehlen mit dem Titelblatt der Sammlung gesicherte Kenntnisse (bis auf ein expressis verbis vorgeschriebenes Violone in der Sonate XII). Seit der bahnbrechenden Einspielung dieser Sonaten durch Eduard Melkus 1967 ist es üblich geworden, sie mit einer reich besetzten Continuogruppe aufzuführen: Bis zu fünf weitere Musiker umgeben die Solostimme mit einem Mantel aus Klangfarben. In dieser Tradition standen auch die Aufnahmen von John Holloway aus dem Jahr 1989 und Gunar Letzbor von 1996, Daniel Sepec wählte 2009 eine etwas kleinere Continuobegleitung. Andrew Manze hat sich 2003 in der Überzeugung, dass Biber selbst nur zwei Ausfüührende für seine Rosenkranzsonaten vorgesehen hat, dazu entschieden, den Zyklus mit nur einem Continuoinstrument aufzuführen (Orgel oder Cembalo) und in Richard Egarr einen idealen Partner gefunden.

2008 hatte Annegret Siedel bereits den „Glorreichen Rosenkranz" (Sonaten 11-15) in einer Version mit solistischem Continuo auf der Orgel aufgenommen, für ihre Aufnahme des ganzen Zyklus hat sich die Künstlerin 2011 für eine größere Continuogruppe entschieden, die aus drei Mitgliedern ihres Ensembles Bell'Arte Salzburg besteht, allerdings mit den Instrumenten Theorbe, Gambe, Violone, Orgel, Barockharfe und Cembalo ein reiches Spektrum an Klangfarben ermöglicht. Keiner der Aufnahmen mit größerer Continuobesetzung wird man unterstellen dürfen, das die Klangpalette der Begleitung den Part der Violine überschattet, doch erzeugt in Andrew Manzes und Richard Egarrs Version der Umstand, dass hier gewissermaßen zwei andächtige Seelen vor dem Gnadenbild knien, eine meditative Atmosphäre oft geradezu intimer Vertrautheit.

Annegret Siedels Interpretation scheint mir stärker von einer meditativen, innigen Haltung geprägt zu sein, als das bei Daniel Sepec und Gunar Letzbor der Fall ist, die häufig dramatische und virtuose Aspekte der Musik betonen: Das kommt beispielhaft in der Sarabande der Geißelungssonate (Nr. 7) zum Ausdruck, die Letzbor und Sepec als Flagellationsszene gestalten; ähnlich wie seinerzeit John Holloway und später Andrew Manze verzichtet Annegret Siedel hier auf drastische Darstellung eines Geschehens, sie zieht die Zuhörer in den Bann der Versenkung in die Geheimnisse des Gebets.

Fazit: Zweifellos ist der Einspielung von Bibers heute populärster Komposition durch Annegret Siedel und das Ensemble BellíArte Salzburg einer der vordersten Pläätze unter den zahlreichen Aufnahmen des Werks einzuräumen.

Vergleichsaufnahmen: John Holloway, Davitt Moroney, Ensemble Tragicomedia (Virgin Classics 5620622); Andrew Manze, Richard Egarr (HMU 907321-2); Daniel Sepec, Hille Perl, Lee Santana, Michael Behringer (COV 21008); Gunar Letzbor, Wolfgang Zerer, Wolfgang Glüxam, Axel Wolf (A 401, gestrichen).

Detmar Huchting [15.05.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H.I.F.  Biber Die Rosenkranzsonaten

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bell'Arte Salzburg Orchester
Annegret Siedel Dirigentin
 
0300531BC;0885470005317

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