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CD-Besprechung

Piano Music from Israel

Piano Music from Israel

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 13.11.12

Neos 11025

1 CD • 77min • 2009

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, vor allem aber nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland, sind viele jüdische Komponisten nach Palästina und später nach Israel emigriert, darunter Paul Ben-Haim, Erich Walter Sternberg, Stefan Wolpe (der dann aber weiterzog nach New York) und eben auch Josef Tal, 1910 in der Provinz Posen geboren und 2008 in Jerusalem verstorben. Er ist auf dieser CD mit israelischer Klaviermusik der Senior; seine Variationen über die düstere Version der „Promenade" aus Musorgskys Bildern einer Ausstellung, entstanden 1945, sind so etwas wie eine ganz persönliche Grabschrift für seine ermordeten Familienangehörigen. Essay II, gut vierzig Jahre später geschrieben, reflektiert dann auch neuere Kompositionstechniken. Damit sind Eckwerte gegeben für das reiche musikalische Leben in Israel, für die stilistische Spannweite. Auch Tzvi Avni, der 1927 in Saarbrücken geboren wurde, leistet mit seiner Sonate Epitaph Trauerarbeit, während die Tagebuchstücke einen eher unterhaltsamen Charakter haben. Der jüngste dieser Reihe ist Gil Shohat, Jahrgang 1973, dessen hier eingespielte Werke allerdings aus seiner Jugend stammen; sie verraten seine Begabung, sagen aber über seine stilistische Position wenig aus.

Die bei Radio Zürich produzierten Aufnahmen sind klanglich präsent und weiträumig, dabei aber von einer angenehmen, nicht durch Hall aufgeschwemmten Trockenheit. Die Pianistin Heidrun Holtmann widmet sich diesem interessanten Repertoire mit technischer Akkuratesse, aber auch mit dem sympathischen neugierigen Blick einer Künstlerin, die bereit ist, sich auf kaum bekanntes Neuland einzulassen. Es liegt uns ja überhaupt nicht so fern, denn die Musik Israels ist, trotz mancher Einflüsse der einst orientalischen Juden, letztlich immer noch ein Teil der europäischen Musikkultur, eine Tradition, die man ja keineswegs aufgeben muß, um die eigene „Farbe" zu finden.

Dr. Hartmut Lück [13.11.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Tal Cum mortuis in lingua mortua (Variationen über ein Thema von Mussorgsky - In memoriam Julius Gruenthal) 00:22:04
9 Essay II 00:08:11
10 Avni Klaviersonate Nr. 2 (Epitaph) 00:17:28
11 The Lost Pastorale (aus: From My Diary) 00:02:25
12 Heroic Fiddling (aus: From My Diary) 00:02:47
13 Night Song of a Flying Octopus 00:04:31
14 Sin Lieth at the Door (aus: From My Diary) 00:01:12
15 Amen (aus: From My Diary) 00:02:13
16 G. Shohat The Cry (Edvard Munch - aus: Three Improvisations on Paintings) 00:01:39
17 Tragedy (Gustav Klimt - aus: Three Improvisations on Paintings) 00:04:14
18 The Café Terrace at Night (Vincent van Gogh - aus: Three Improvisations on Paintings) 00:04:33
19 The Kiss of Salome 00:05:48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Heidrun Holtmann Klavier
 
11025;4260063110252

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