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CD-Besprechung

C.P.E. Bach
Piano Concertos

C.P.E. Bach<br />Piano Concertos

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 04.12.12

Klassik Heute
Empfehlung

hänssler CLASSIC 98.653

1 CD • 57min • 2012

In gewisser Hinsicht haben wir es hier mit Michael Rische und bei einer friedfertigen Konkurrenzaufnahme mit einer interpretatorischen Parallelaktion zu tun. Während der ungarische Tastenhistoriker Miklós Spányi mit riesigem Repertoire-Radius in Sachen Carl Philipp Emanuel Bach unter der schwedischen BIS-Flagge unterwegs ist, äußert sich sein deutscher Kollege auf modernem Gerät. Dies verfolgt er literarisch selektiver, indem er sich gezielt auf dem schönen, faszinierenden Musikterritorium der Klavierkonzerte bewegt. Vergleiche liegen nahe, sind geradezu unausweichlich, wobei jedoch die völlig verschiedenen darstellerischen Voraussetzungen vor übereilten Bewertungen warnen sollten. Rische scheint die bis jetzt bekannten aufführungspraktischen Erkenntnisse – und die damit verbundenen Ge- und Verbote! – gleichsam im Ohr und im philologischen Gedächtnis zu haben. Dennoch favorisiert er ein musikologisch unverkrampftes, akademisch sozusagen entstaubtes Klavierspiel. Und dies im Zusammenwirken mit dem auf alle Fragen der Diskretion, der sittsamen Passion und der instrumentalen Überraschung jederzeit mit einer passenden Antwort reagierenden Leipziger Kammerorchester. Klanglich entsteht unter diesen Umständen ein markanteres, wenn man will: philharmonischeres Wechselspiel zwischen Solo-Instrument und Orchester. Im Gegensatz dazu wirkt das Betreiben des Ungarn mit seinen Musikanten verletzlicher, kammermusikalischer, als sei es noch längst nicht entschieden, in welche Richtung sich einmal die Sparte „Klavierkonzert" bis hin zu den pompösen Werken der späten Romantik entfalten würde.

Einen nützlichen Hinweis zu den aufführungspraktischen Freiheiten gibt es im Rahmen des c-Moll-Konzerts (Wq 43,4). Für dessen vierteilige Verlaufskurve genehmigt Michael Rische seinen Leipzigern eine Auszeit. Er spielt diese rund zwölf Minuten erfreuende, zuweilen leicht abgedunkelte Delikatesse aus dem Jahr 1771 als Solostück, als eine Art Klaviersonate ohne Orchester, also wie in Vorahnung von Beethovens Sonate op. 2,3 oder später auch Schumanns f-Moll-Sonate op. 14. Was Rische hier als eine durchaus erlaubte Eigenmächtigkeit vorführt, ist ja aus der Geschichte des „Klavier"-Spiels im weitesten Sinne bestens vertraut. Man denke an Vater Bachs Italienisches Konzert, an seine Übertragungen italienischer Vorlagen, man denke an unbegleitete Versionen von Chopins großer Es-Dur-Polonaise op. 22, von den Mittelsätzen seiner Klavierkonzerte oder der bevorzugten Solo-Variante seiner La ci darem la mano-Variationen op. 2.

Bei der Erschließung des Schaffens von Carl Philipp Emanuel leisten Spányi und hier im speziellen Fall Michael Rische erfreuliche, wichtige Dienste. Dass sich Rische nicht nur in dieser Phase der Musikproduktion kundig macht, sondern auch in der jüngeren Vergangenheit zu Hause ist – etwa mit Schulhoff und Antheil –, dies verleiht seinen Aufnahmen ein kleines, aber wie ich meine, doch spürbares Mehr an Frische und Durchblutung der konzertanten Aktion.

Vergleichsaufnahmen: Klavierkonzert Wq 43,4: Bashkirov – Csaba (Claves 50-1010/LP), Spányi – Ábraham (BIS CD-1787); Klavierkonzert Wq 14: Knauer – Norrington (Berlin classics 0300270 BC).

Peter Cossé [04.12.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.Ph.E. Bach Concerto d-Moll Wq 17 00:20:44
4 Concerto c-Moll Wq 43/4 H 474 00:12:13
8 Concerto E-Dur Wq 14 00:22:14

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Michael Rische Klavier
Leipziger Kammerorchester Orchester
Morten Schuldt-Jensen Dirigent
 
98.653;4010276025474

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