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CD-Besprechung

M. Ravel • D. Schostakowitsch

Challenge Classics 1 CD CC72535

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.07.12

Klassik Heute
Empfehlung

Challenge Classics CC72535

1 CD • 54min • 2011

Es ist erheblich Bewegung in die jugendliche Kammermusikszene gekommen! Schier unzählige Trios und Quartette befinden sich international auf Erfolgskurs, von den variablen Duo-Formationen gar nicht zu reden. Dies hat im Zuge vieler Kammermusikfestivals jenseits des Polarkreises bis hinunter ins musikalisch aufstrebende Südafrika zur Folge, dass die vielfach entstandenen Freundschaften und kollegialen Beziehungen auch zur emsigeren Beachtung jenes Repertoire geführt haben, in denen nicht nur Standardbesetzungen angesprochen sind. Es sind Kleinformationen und Mini-Orchester, in denen sich Bläser, Harfenisten, Percussionisten oder auch Bandoneon-, bzw. Bajanvirtuosen tummeln dürfen. Die allgemeine Lebhaftigkeit der Szene, der an allen Ecken und Enden spürbare Genrerationswechsel und das enorme Niveau der meisten Kammermusikensembles haben der betreffenden Musiksparte zweifellos neue Hörerkreise erbracht. Das Interesse an Streichquartetten, Klaviertrios, Oboenquartetten und den personell daraus resultierenden Sextetten, Septetten, Oktetten und Nonetten ist gewachsen, man kann es an Ort und Stelle wie jüngst beim Lockenhauser Kammermusikfest unter der neuen Leitung von Nicolas Altstaedt förmlich riechen…

Dazu nur ein Beispiel aus der Kritikerbranche. Aus der Klavierjury des „Preis der deutschen Schallplattenkritik" hat sich die bekannte FAZ-Redakteurin Eleonore Büning – wehmütig versteht sich – verabschiedet, weil sie sich dieser neuen, spannenden Kammermusikentwicklung intensiver zuwenden möchte, ja publizistisch verpflichtet fühlt.

Die folgende Wertungsbetrachtung der Ravel- und Schostakowitsch-Aufnahmen des Trio Mondrian wird mit ihrem hohen Zustimmungsfaktor folglich nicht überraschen. Das Ensemble mit dem Pianisten Ohad Ben-Ari, dem Geiger Daniel Bard und der Cellistin Hila Karni bietet ungemein lebendiges, in den einzelnen Stimmen sorgfältig ausgefeiltes Musizieren. Eines von dessen Hauptmerkmalen ist meiner Meinung nach die Fähigkeit des Trios sowohl zum Diskurs als auch zum harmonischen Zusammenschluss der einzelnen Stimmen. Dies mit zweifachem Resultat: der werkimmanenten Reibung und der ebenso werkimmanenten Philharmonie. Wenn diese drei Urmusikanten Ravels zwischen „ animiert" und „moderat" im viersätzigen Wechsel ausgearbeitetes a-Moll-Trio gleichsam auf dem Operationstisch präsentieren, dann darf man sich schon nach wenigen Takten sicher sein, das im übertragenen Sinne des vorbereitenden Studiums einige Röntgenaufnahmen vorgenommen wurden. Im Vortrag aber wirkt dies alles nicht seziererisch filetiert und akademisch zusammengefügt, schließlich befinden wir uns ja vor den Lautsprechern und nicht in einem universitären Hörsaal. Das schwingt und atmet, da entfaltet sich eins aus dem anderen, es nimmt den Hörer im akustischen Sinn bald locker, bald fester bei der Hand. Selbst der nur weitläufig an Musik Interessierte kann sich wie ein vierter Triopartner als Mitreisender durch eine musikalische Landschaft fühlen, die ihm nebenbei auch noch in ihren fundamentalen Strukturen bekannt gegeben wird.

Beeindruckend, wie die drei „Mondrians" vom Ravel-Timbre in all seiner Transparenz, mit seiner Tendenz zur kalt glühenden Flächigkeit hinüber ins schwerere Wetter des Schostakowitsch-Werkes wechseln. Im Bereich der Zeitmaße und satzinternen Zeiteinteilung habe ich keine übermütigen Auffälligkeiten festgestellt. Dennoch bringt die Intensität des Mondrian-Spiels mit sich, dass sich prompt der Eindruck einstellt, man habe es mit unausweichlichen Entscheidungen zu tun. Daraus resultiert Überzeugungskraft und jene Anschaulichkeit des „Erzählens", die Schostakowitschs Musik erfordert - und guten letzten Endes den Hörer mitnimmt, erschüttert, lächeln lässt und irgendwie verwandelt für ein nächstes Kammermusikabenteuer in Stimmung hält.

Vergleichsaufnahmen: Ravel: Beaux Arts Trio (Philips 411 141-2), Trio Parnassus (MDG L 3272), Trio Cérès (Oehms OC 730), Henkel, Leskovar, Chermyavska (The spot records 28869-5), Beaux Arts Trio (Schwetzingen 1960 /Hänssler 93.735), Beaux Arts Trio (Warner 256462514-2), Argerich, Vengerov, G. Capucon (Lugano-Festival 2000 ? 2004 /EMI 4 76871 2 /I), Eggner Trio (Gramola 98837), Abegg Trio (Tacet 17932); Schostakowitsch: Rachmaninoff Trio Moskau (Tudor 7138), Arcadia Trio (Bella Musica BM 31.2415), Leschetitzky Trio Vienna (Cascavelle VEL 3104), Argerich, Kremer, Maisky (DG 477 8847).

Peter Cossé † [23.07.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Ravel Klaviertrio a-Moll für Klavier, Violine und Violoncello 00:26:59
5 D. Schostakowitsch Trio Nr. 2 e-Moll op. 67 für Violine, Violoncello und Klavier (In memoriam Iwan Sollertinski) 00:26:41

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trio Mondrian Ensemble
 
CC72535;0608917253528

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