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CD-Besprechung

Jazz Guitar meet Church Organ

ORGANpromotion OP 8010

1 CD • 68min • 2010

17.11.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

„Auf den ersten Blick scheint es, diese beiden Instrumente wären nie dazu bestimmt gewesen, dieselbe Bühne zu teilen (…) Dennoch: diese CD beweist das Gegenteil! Gero Körners Kirchenorgelspiel erinnert an Rhoda Scott (die große amerikanische Jazzorganistin, Anm. d. Verf.), während Joep van Leeuwens Jazz-Gitarre die 50er-Jahre Swingjazz-Ära heraufbeschwört (…) Das Ergebnis ist ein Mix aus Avantgarde-Einflüssen und 50er-Jahre Jazz (…) Durchdachte Kompositionen vorgetragen mit Disziplin und Herz." Ich könnte weiter aus Jasper van't Hofs Vorwort oder aus dem Booklet-Text selbst zitieren. Treffender als so, wie es dort zu lesen ist, kann man diese Produktion eigentlich nicht beschreiben.

Was soll man am meisten bewundern an dieser CD, die dem Hörer auf einer fantastischen Klangreise eine (jedenfalls mir) neue, anfangs vielleicht verstörende, dann aber fast schon süchtig machende musikalische Welt erschließt? Die inspirierten, harmonisch offenen und mit melodischen Zerbrechlichkeiten spielenden Kompositionen zweier großartiger Musiker, die auf einmalige Weise Klassik-, Jazz-, Rock- und Avantgarde-Elemente zusammenführen? Die daraus entstehenden ungewohnten, aber herrlichen, bisweilen impressionistisch angehauchten Klangfarben? Die mal meditativen, mal aufregenden, mal narkotisierenden Sphären, in welche die zwei gefragten Jazzmusiker Gero Körner und Joep van Leeuwen mit großer improvisatorischer Fantasie eintauchen? Oder ist es die Art und Weise, wie Körner und van Leeuwen dabei mit nie erlahmender Kreativität aus dem Vollen der Jazzgeschichte schöpfen und nicht an einer Demonstration des eigenen Könnens interessiert sind, sondern einzig und allein an Atmosphäre und größtmöglicher Intensität?

Und dann wäre da noch der Klang an sich. Manchmal weiß man nicht, welcher Sound von welchem Instrument kommt, gerade in den Interludes I, II und III, in denen Joep van Leeuwen mit seiner Gitarre einen Synthesizer ansteuert. Die sehr pulsierende, an indonesische Gamelan-Musik erinnernde und mit Rock-Elementen arbeitende Nr. 1 ist ein einziges Spiel mit (abstrakten) Klängen und deren Verschmelzung; ähnlich Nr. 2, die in diesem Spiel von dem Mittelteil der Pink-Floyd-Nummer Echoes inspiriert zu sein scheint; Nr. 3 arbeitet sogar mit einem richtigen Dance-Beat. Improvisation wird hier also im Sinne fortwährender Klangmanipulationen verstanden, auch in dem Titel And Then Some, für den die Gates Of Delirium der Progressive-Rocklegende Yes Pate gestanden haben könnten.

Fast schon traditionell muten dagegen die Three Part Jazz Fugue an, die sich zu einem entspannten Swing mit Walking Bass auf der Orgel entwickelt, und der elegante Jazz Waltz Shall We Beloved mit seiner unsymmetrischen Form. Johnny B.'s Good orientiert sich nach einem Zitat aus J.S. Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 an Soul und Funk, nicht an Roc'ín'Roll, wie der Titel vermuten lassen könnte. Moonrise ist dann wieder voller Synthesizer-Sounds und benutzt die besonders in der Rockmusik verwendeten Power Chords – Akkorde, die ausschließlich Grundton und Quinte, eventuell noch die Oktave enthalten.

Für eine genauere Betrachtung aller Kompositionen sei auf den Booklet-Text verwiesen. Sie alle – und somit die ganze CD – haben aber eins gemeinsam: Sie bieten ein elektrisierendes Spannungs- und Suchtpotenzial.

Christof Jetzschke [17.11.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joep van Leeuwen
1Three Part Jazz Fugue 00:05:49
2Where, Oh Where? 00:06:20
3Interlude I 00:02:12
4Who's On First? 00:05:08
5Gentle Clash 00:06:03
6Interlude II 00:01:54
Gero Körner
7Shall We Beloved 00:04:48
Joep van Leeuwen
8Johhny B.'s Good 00:05:25
9Interlude III 00:02:21
Gero Körner
10Moonrise 00:04:39
Joep van Leeuwen
11And Then Some 00:05:06
12Dance To This 00:05:03

Interpreten der Einspielung

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