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CD-Besprechung

cpo 777 591-2

2 CD • 1h 50min • 2010

17.08.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Leo Fall (1873-1925) war zeitweise einer der engsten Konkurrenten Franz Lehárs. Mit mondän-exotischen und frivol-erotischen Operetten wie Die Dollarprinzessin, Madame Pompadour, Die Rose von Stambul konnte er sich einen festen Platz im Reich der „silbernen“ Wiener Operetten-Ära erobern. Ein weiteres Erfolgsstück aus seiner Werkstatt, Der fidele Bauer, führt in eine ganz andere Richtung: ins schlichte Dasein der oberösterreichischen Bergbauern, wo man der Annarmirl, dem Vincenz, dem Scheicheroither und dem Lindoberer begegnet. Figuren wie aus einem Anzengruber-Stück. Und doch etwas anderes: denn Leo Falls Bauern-Operette ist typisch für jene Kunstprodukte, die im Zeitalter der ausklingenden Monarchie aus der österreichisch-jüdischen Kultur herausgewachsen sind. Die jüdische Intelligenz Wiens, die Schriftsteller, Musiker, aber auch die Bankiers und Fabrikanten, sie liebten das Landleben, die Alpenwelt, sie besaßen ihre Villen im Salzkammergut, kleideten sich „älplerisch“ und fühlten sich – obwohl sie keine „echten" Landleute waren – durch und durch volksverbunden. Sowohl Leo Fall als auch sein Librettist Victor Léon entstammen diesem Milieu, der „fidele" Zipfelhaubenbauer ist daher ebenso wenig „echt" wie die anderen Personen des Stücks. Sie sind aber auch keine Falsifikate. Die ohnehin anfechtbare Echt- oder Unechtheitsfrage stellt sich gar nicht bei einem Werk, das mit bester Bühnenroutine verfertigt ist, Unterhaltendes wie Rührseliges bietet und sich durch eine Fülle blühender Melodien auszeichnet. Eine der bekanntesten Nummern daraus, das Heinerle-Duett (mit geschickter Verwendung der Kinderstimme) ist geradezu zum Volkslied geworden.

Die Operette Der fidele Bauer (erstmals 1907 in Mannheim, danach in Wien, Berlin und kreuz und quer durch die Welt) greift ein Thema auf, das damals in der Volksstück-Literatur sehr lebendig und wohl auch aktuell war: die Undankbarkeit der Kinder. Eltern aus einfachen, ärmlichen Verhältnissen, die mühe- und entbehrungsvoll ihrem Sohn ein Studium ermöglichen. Doch als der Filius zum Professor arriviert und sich eine vornehme Dame zur Gattin nimmt, schämt er sich seiner niedrigen Herkunft. Doch bäuerliche Schlauheit und Treuherzigkeit tragen den Sieg davon und führen zum glücklichen Ende.

Die Wiedergabe durch das Ensemble des Lehár-Festivals Bad Ischl gefällt vor allem durch die zündende musikalische Leitung durch den Dirigenten Vinzenz Praxmarer. Das Orchester sprüht vor Schmiß und Verve, da gibt es kaum lahme Momente. Auch die Dialogregie (Dolores Schmidinger) setzt auf Tempo und hält sich nicht lange bei szenischen Verwicklungen auf. Zwei bezaubernde junge Sopranstimmen sind zu vernehmen: Laura Scherwitzl (Soubrette) und Romana Noack (lyrischer Sopran), ihnen zuzuhören beschert die reinste Freude. Eugene Amesmann in der Tenorrolle und Rupert Bergmann als Operettenbuffo leisten wie auch alle übrigen Mitwirkenden gute Arbeit.

Die Hauptfigur, der „fidele" Bauer Matthäus Scheichelroither, wird von dem Wiener Kabarettisten und Komiker Franz Suhrada dargestellt (bekannt auch aus TV-Serien wie Kottan ermittelt). Erfreulich dezent und sympathisch, ohne zuviel Jux und Schmalz, dafür aber, wenn's nötig wird, richtig ergreifend.

Als Zutat erklingt der für die Mannheimer Premiere geschriebene Musikalische Prolog, in dem Leo Fall ein quirliges Potpourri aus Offenbach-, Strauß- und Millöcker-Melodien entwirft. Ein kleines Meisterstück mit allem Glanz der Instrumentation.

Clemens Höslinger [17.08.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Leo Fall
1Der fidele Bauer (Operette in einem Vorspiel und zwei Akten)

Interpreten der Einspielung

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