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CD-Besprechung

Balladesque Variations

Balladesque Variations

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 18.05.11

NCA 60196

1 CD • 55min • 2008

Die Kombination von Orgel und Gitarre ist historisch gesehen weitaus naheliegender, als es auf den ersten Blick den Anschein hat: Schließlich führten beide Instrumente im frühbarocken Continuo-Ensemble eine ganz übliche Co-Existenz. Dennoch nutzen die fünf auf diesem hochinteressanten Album „Balladesque Variations“ vorgestellten Komponisten verständlicherweise vornehmlich die reizvolle Möglichkeit, Kontraste zwischen dem monumentalen Tasten- und dem intimen Zupf-Instrument herzustellen. So setzt Henk Badings in It is dawning in the east (1967) eine modernistische, präludierende Klangwelt der Orgel der historischen Sphäre eines alten niederländischen Liebesliedes entgegen, nicht ohne nachvollziehbare Übergänge herzustellen und dabei sowohl historisches, historisierendes als auch modernes Material auf beide Instrumente zu übertragen. Dies ist ein opulentes, formal sehr differenziertes und in seiner Vielzahl von Techniken gewichtiges Werk, das vom Gitarristen Klaus Feldmann und dem Organisten Martin Haselböck klangvoll und in Rücksicht auf die verschiedenen Verschmelzungsformen präsentiert wird. Vergessen machen können hingegen beide nicht, dass das Tonmaterial im Kontext der experimentierfreudigen 1960er Jahre schon etwas angejahrt wirkt.

Dies kann mit gewissen Abstrichen auch von In Deo speravit cor meum (1984/89) gesagt werden, wenngleich Edison Denissow, der bekannteste der hier versammelten Komponisten, weniger explizit den Versuch unternimmt, der historischen Ebene eine eigene, zeitgenössische entgegenzustellen; so nehmen sich die ständigen, verfremdeten Zitate aus Bachs Musikalischem Opfer, gerade durch die hier hinzukommende Flöte, eher postmodern denn modernistisch aus und somit aktueller. Interpretatorisch überzeugt hier die Ruhe, mit der das Trio die Durchführungen verfolgt.

Vielleicht ist es ja in Klaus Feldmanns eigener Elegie ebenfalls der Sinn der einleitenden, improvisatorisch-abstrakten Figuren der Gitarre, einen solchen Aktualitätsbezug herzustellen; danach aber entscheidet sich die Musik für Entwicklungen von schöner Einfachheit, etwa eine barcarolen-artige Melodie – Entwicklungen, die dann mit geräuschartigen Passagen der Orgel kontrastiert werden. Geräusche verwendet auch Rainer Bischofs Valenciana (2006), ein sperriges, aber komplexes Werk, das suggeriert, wie heute eine mehr oder weniger direkte Nachfolge im Geiste Schönbergs und Bergs noch möglich sein könnte. Die Konzentration auf die Klangmöglichkeiten des eigenen Instrumentes sowie die Fähigkeit, auf einander zu hören, finden hier im Kontext dieses Albums interpretatorisch ihren Höhepunkt. In Ülo Kriguls ROCKS and ROLLS (2006) hingegen stellt sich die Frage, ob die Orgel noch mit der Gitarre mithalten kann, wenn diese auf dem Umweg über die allfällige Popmusik-Dudelei gänzlich re-definiert wird; da koppeln sich die beiden Instrumente dann doch voneinander ab und geben erstmals ihre an sich so fruchtbare und spannungsreiche Co-Existenz auf.

Dr. Michael B. Weiß [18.05.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Badings It is dawning in the east (Balladesque Variations on an old Dutch love song) 00:16:52
2 K. Feldmann Elegie 00:10:25
3 E. Denisov In Deo speravit cor meum 00:10:00
4 R. Bischof Valenciana 00:11:34
5 Ü. Krigul Rocks and Rolls 00:05:32

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Klaus Feldmann Gitarre
Martin Haselböck Orgel
Christian Gurtner Flöte
 
60196;4019272601965

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