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CD-Besprechung

Mahler Gustav: Sinfonie Nr. 2 c-Moll (mit Sopransolo, Altsolo und gemischtem Chor nach Worten aus "Des Knaben Wunderhorn" und von Klopstock/Mahler)

Tudor 2 CD/SACD stereo/surround 7158

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 28.05.10

Tudor 7158

2 CD/SACD stereo/surround • 84min • 2008

Jonathan Nott will anscheinend um jeden Preis vermeiden, daß Gustav Mahlers Auferstehungs-Symphonie als spätgründerzeitlicher „Schinken“ missverstanden wird, und beginnt also den riesigen Kopfsatz in einer verhaltenen, ja unterkühlten Manier, die sich mehr um die exakteste Beachtung sämtlicher Auf- und Ausführungszeichen bemüht als um die Erzeugung jener schmerzlich-explosiven „Todtenfeier“, mit der gewöhnlich die Reise bis an die Grenzen des Jenseits einsetzt. Bei diesem zunächst etwas befremdlichen Unterfangen findet der Dirigent freilich die volle, aufmerksame Unterstützung seines Orchesters. Lupenrein sitzt jedes staccato, jeder Bogen, jede dynamische Angabe bis hinab zum hinreißenden dreifachen pianissimo; die Portamenti werden subtil ausgespielt, ohne auch nur in die Nähe mitleidheischenden Kitsches zu geraten; die Posaunen (namentlich con sordini) und die wohligen Hörner kann man sich in ihren exponierten Takten kaum feiner denken – mithin: die „schönen Stellen“ nehmen uns bei dieser Wiedergabe gewiss ebenso für sich ein wie die spürbare Absicht, den mächtigen Sonatenhauptsatz beisammen zu halten und nicht einer draufgängerischen Programmatik zu opfern.

Das geht im Trauermarsch allerdings zu Lasten der „Szene“ und kostet manches Fremdzitat (darunter die markante Figur aus dem zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms) seine dramatischen Konturen, zahlt sich in verschiedenen Bereichen aber ganz ohne Zweifel aus. Ganz besonders das „altväterische“ Variationsidyll ist in seiner feinziselierten Kontrapunktik das Werk eines Silberschmiedemeisters, das einem schier den Atem verschlägt wie nachher das Urlicht mit Lioba Brown, die später auch im Finale gemeinsam mit der Kollegin Anne Schwanewilms fast überall die rechte Balance zwischen exponierten Soli und chorischer Einbindung findet. Das skurrile, makaber ironische, manchmal geradezu unflätige Scherzo jedoch und der instrumentale Beginn des „Jüngsten Tages“ müssen der generellen Konzeption zufolge einige Schwungfedern lassen (was könnte man allein bei der „Fischpredigt“ nicht alles von den gackernden Klarinetten und was nachher nicht vom „Rufer in der Wüste“ erwarten!) – als ginge es Jonathan Nott nicht bloß, wie ich anfangs vermutete, um eine betont sachliche, auf die Strukturen ausgerichtete Wiedergabe, sondern auch darum, sich selbst von den inneren Ereignissen dieser Musik ungerührt zu zeigen. Was ihm natürlich nicht gelingen kann: Wenn der Hymnus beginnt, wenn die beide Solistinnen nach und nach aus der „kollektiven Hoffnung“ heraustreten, um unter dem hohen Firmament in den letzten Auferstehungsjubel einzustimmen – dann endlich muss auch Nott die Zügel schießen lassen. Und der Rezensent bemerkt in stillvergnügter Ergriffenheit, dass gegen Gustav Mahler doch kein Kraut gewachsen ist.

Rasmus van Rijn [28.05.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Mahler Sinfonie Nr. 2 c-Moll (mit Sopransolo, Altsolo und gemischtem Chor nach Worten aus "Des Knaben Wunderhorn" und von Klopstock/Mahler)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anne Schwanewilms Sopran
Lioba Braun Alt
Chor der Bamberger Symphoniker Chor
Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie Orchester
Jonathan Nott Dirigent
 
7158;0812973011583

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