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CD-Besprechung

H. Rosenberg

BIS 1 CD 1383

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 07.04.10

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BIS 1383

1 CD • 56min • 2004, 2005

Das Booklet zur vorliegenden Produktion erklärt uns gleich zu Beginn wieder einmal, warum der Weg zum Parnaß so verstopft ist wie der Kölner Ring zur Stoßzeit: Alle sollen und wollen hin, treten sich gegenseitig auf die Füße, rechts und links des gradus liegen die kläglichen Reste derer, die nicht rücksichtslos genug durch die Kolonnen drängten – kurzum, wer nicht ständig hupt und auf die Tube drückt, kommt nie an.

Eigentlich ärgern kann ich mich nach all den Jahren der immer gleichen Reizbearbeitung nicht mehr, und doch geht es mir auf den Nerv, wenn ich auch jetzt wieder lese: „Hilding Rosenberg (1892-1985) war gegen Ende seines Lebens der wohl meistgeachtete und -respektierte Komponist Schwedens. Als Kernstücke seiner großen Produktion gelten seine acht Symphonien und zwölf Streichquartette; alle sind bedeutende Werke in ihren Genres. Rosenberg war immer eine führende Figur in seiner Generation gewesen und stand mehrere Jahrzehnte lang im Zentrum des Geschehens, während das Musikleben umwälzende Veränderungen erfuhr.”

Wir müssen nur den Namen, die Nation und die Zahl der bedeutenden Werke ändern, schon haben wir nach dem Baukastenprinzip den wichtigsten Komponisten aus Kasachstan, Obervolta oder Patagonien. Die Worte perlen an einem ab wie die Regentropfen an gut imprägniertem Freiluftgeflügel und verführen je nach momentaner Gemütslage zu gelangweiltem Abwinken oder dem antagonistischen Entschluß, jetzt genau das Gegenteil beweisen zu wollen.

Dabei haben die hier publizierte Musik und ihr Komponist diese schablonenhafte Marktschreierei gar nicht nötig. Im Gegenteil: Rosenberg erscheint mir, nachdem ich nun mehrfach die beiden hier gekoppelten Sinfonien (und verschiedene andere Klangbeispiele) gehört habe, ein musikalisch integrer Charakter gewesen zu sein, der über den Strudeln des 20. Jahrhunderts nie den Kern des eigenen Wollens verleugnet hat. Mein „Urteil“, wenn’s denn jetzt schon ein solches ist, fußt gegenwärtig vor allem auf der herben, spröden, formal und expressiv sehr eigenen Schönheit der knapp sechzig Jahre alten sechsten Sinfonie (die trotz ihres Beinamens weniger mit der „Sinfonia semplice“ des dänischen Kollegen Carl Nielsen als vielmehr mit dem beinahe-Altersgenossen Paul Hindemith verbindet) sowie auf der zwölf Jahre älteren Dritten, die sich „Die vier Lebensalter“ des Menschen auf die Fahnen geschrieben hat: Das Kind, das durch das Rauschen des Flusses in die Fantasiewelt der Musik eindringt; der Knabe, der an einem Sommerabend dem Vogelgesang und Grillenzirpen lauscht; der Jüngling im Bemühen um seine Ideale; und der Mann, der „sich in demütiger Anbetung und Dankbarkeit seiner Kunst widmet“ – das sind die Grundzüge des Programms. Faszinierend aber ist die Gestaltung: Im Erwachen der frühen musikalischen Empfindungen ein grüblerischer Zug, der, sei’s zufällig-unbewußt oder semantisch gezielt, zwischendurch das Lisztsche Faust-Motiv an die Oberfläche spült; bei der bezaubernden sommerlichen Idylle die dezente Berührung mit den geheimnisvollen Welten und Wesen von Jean Sibelius; im Ausbruch des jugendlichen Überschwangs ein beinahe russischer Impetus, der mich insbesondere an die noch nicht real existierenden „Scherzi“ aus Schostakowitschs achter und zehnter Sinfonie erinnert; und ein hymnischer Abgesang von ebenso überwältigender wie inniger Glut ...

In solchen Augenblicken schmilzt in mir jeder gedankenlos erzeugte Groll. Zwar kann ich noch immer nicht nachprüfen, ob (und warum) Hilding Rosenberg höheres Ansehen genoß als etwa Kurt Atterberg oder Hugo Alfvén – aber was wäre uns damit auch gewonnen? Musik wie diese braucht keine schrillen Werbetrommler. Schon gar nicht, wenn sie so engagiert und facettenreich über die Bühne geht wie mit Mario Venzago und den vorzüglichen Symphonikern aus Göteborg. Die Neugier ist geweckt. Hoffen wir, daß BIS weitere Taten wird folgen lassen.

Rasmus van Rijn [07.04.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Rosenberg Sinfonie Nr. 6 (Sinfonia semplice) 00:22:41
5 Sinfonie Nr. 3 00:32:28

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gothenburg Symphony Orchestra Orchester
Mario Venzago Dirigent
 
1383;7318590013830

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