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CD-Besprechung

Johann Christoph Rothe: Passio Domini Jesu Christi Secundum Matthaeum

cpo 2 CD 777 554-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 04.04.10

cpo 777 554-2

2 CD • 1h 37min • 2009

Über das Leben von Johann Christoph Rothe ist nahezu nichts überliefert – es fehlt sogar an exakten Lebensdaten, da die 1792 verfasste Biographie Ernst Ludwig Gerbers, Hoforganist im thüringischen Fürstentum Sondershausen, mittlerweile sowohl hinsichtlich der Abstammung wie auch des Todesdatums von Johann Christoph Rothe in Zweifel gezogen worden ist. Nach Angaben Gerbers 1653 in Roßwein bei Meißen geboren, stand Rothe in der herzoglichen Hofkapelle in Coburg als Falsettist und Violinist in Diensten, um 1693 nach Sondershausen zu wechseln, wo er bis zu seinem Tod 1720 blieb (nach Zeugnis von Kirchenbüchern starb er allerdings schon 1700).

Eindeutig ist freilich, dass diese als Rothes einziges Werk überlieferte Matthäuspassion von 1697 heute die früheste überlieferte oratorische Passion aus Mitteldeutschland darstellt, wie sie zur Jugendzeit Johann Sebastian Bachs für Thüringen typisch war: Gesangssolisten, ein Chor und Instrumente tragen die Passion als Figuralmusik vor; sie ist auf der Basis eines Evangelienberichts mit frei gedichteten Textpassagen durchsetzt, die als Arien, Liedern und Chören das Geschehen kommentieren. Das außerordentlich gut dokumentierte Notenmaterial der Rothe-Passion zeigt übrigens, dass das Werk für ein halbes Jahrhundert in Sondershausen lebendig geblieben ist – ein Umstand, der Bachs Passionen nach dem Tod ihres Komponisten nicht vergönnt war. Die Dramatik seiner oratorischen Passion dürfte Rothe in Coburg studiert haben, wo in der für seinen dortigen Aufenthalt in Frage kommenden Zeit einige Opern am Hof des Herzogs aufgeführt worden sind.

Mit Johann Christoph Rothes Matthäuspassion ist sicherlich kein hervorstechendes Meisterwerk wiederentdeckt worden, dessen Schöpfer sich als Meisterkomponist mit Vorgängern wie Schütz oder Jüngeren wie Bach, Händel oder Telemann messen könnte. Wir haben es hier mit bemerkenswert guter und in ihrer innovativen Zielsetzung durchaus ambitionierter Gebrauchsmusik zu tun, die in einer Art klingenden Archäologie des Alltags uns Heutigen gewissermaßen das Musikleben an einer kleinen mitteldeutschen Residenz zur Zeit des Jahrhundertwechsels zum 18. Jahrhundert lebendig werden lässt.

Die vorliegende Einspielung nimmt das Werk ernst und liefert eine tadellose Aufführung: Der Evangelist Hans-Jörg Mammel führt als Erzähler vorzüglich durch das geistliche Drama, Wolf Matthias Friedrich singt einen würdevollen Christus – beide nehmen ihre Aufgabe ebenso ernst, als hätten sie ein Werk von Johann Sebastian Bach zu gestalten, und so halten es auch die übrigen Teilnehmer dieser Aufnahme unter ihren Leiter Bernhard Klapproth. Damit bereitet diese Doppel-CD stilsicheren Hörgenuss und überschreitet durchaus den Status einer im Rahmen einer Anthologie präsentierten „Fundsache“.

Detmar Huchting [04.04.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.Chr. Rothe Passio Domini Jesu Christi Secundum Matthaeum

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Hans-Jörg Mammel Tenor
Wolf Matthias Friedrich Bass - Baß
Gudrun Sidonie Otto Sopran
Margret Hunter Sopran
Manja Stephan Sopran
Beat Duddeck Altus
Mirko Ludwig Tenor
Carsten Krüger Bass - Baß
Cantus Thuringia Chor
Capella Thuringia Ensemble
Bernhard Klapprott Dirigent
 
777 554-2;0761203755424

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