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CD-Besprechung

Testament SBT4 1455

4 CD • 4h 04min • 1959

09.03.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Rudolf Kempe, einer der herausragenden Wagner-Dirigenten seiner Zeit, hat im Studio nur Lohengrin und Die Meistersinger von Nürnberg (je zweimal) eingespielt. Die beiden EMI-Produktionen gehören bis heute zu den Referenzaufnahmen dieser Werke. Es ist also sehr zu begrüßen, wenn Kempes Interpretationen der anderen Wagner-Opern in Live-Mitschnitten zugänglich gemacht werden. Vor zwei Jahren brachte Testament seinen Londoner Ring von 1957 heraus, der den hohen Erwartungen an einen schlanken und zugleich dramatisch durchpulsten Wagner-Klang gerecht werden konnte.

Demgegenüber ist der jetzt erstmals veröffentlichte Parsifal, der zwei Jahre später an der Covent Garden Opera herauskam, eine sanfte Enttäuschung. Das mag zum Teil an dem etwas mulmigen Klangbild liegen, das Kempes clarté, seine orchestrale Feinarbeit nicht adäquat einfängt. Doch auch wenn man dies in Rechnung stellt, lässt sich nicht erkennen, dass dem Dirigenten hier ein großer Gegenentwurf zu der damals maßstabsetzenden Interpretation Hans Knappertsbuschs gelungen wäre. Auch Kempe wählt sehr breite Tempi und entgeht dabei der Gefahr weihevollen Waberns nicht immer.

In vokaler Hinsicht ist dieser Parsifal sehr lyrisch geraten, durchaus nicht zu seinem Schaden. Jon Vickers, der die Titelpartie übernehmen sollte (die später zu seinen Glanzpartien zählte), war zur Premiere mit dem Studium noch nicht fertig, so dass Karl Liebl (1915-2007) für ihn übernehmen musste, der auf deutschen Bühnen in der Ära von Wolfgang Windgassen und Hans Hopf nicht viel zu bestellen hatte, aber an der Metropolitan Opera und an anderen großen Bühnen des Auslands sehr geschätzt war. Das lässt sich hier nachvollziehen. Sein Gesang ist unangestrengt, geschmeidig, dem Legato verpflichtet.

Gerda Lammers (1915-1993) war ein noch merkwürdigerer Fall. Lange Zeit als Konzertsängerin erfolgreich, betrat sie erst mit 40 Jahren die Opernbühne, blieb dann bis zu ihrem Abschied 14 Jahre später Ensemblemitglied des Staatstheaters in Kassel, hatte aber gleichzeitig eine internationale Karriere in einigen hochdramatischen Partien. In London machte sie als Einspringerin für Christl Goltz als Elektra Furore. Das war wohl der Grund, sie hier für Kundry zu verpflichten, eine Rolle, der sie an charakteristischen Farben einiges schuldig bleiben musste, da ihr besonders die Verführerin im 2. Akt nicht lag. Gesanglich ist sie grundsolide.

Gottlob Frick war einer der großen Gurnemanz-Darsteller der jüngeren Geschichte und er bestätigt hier diesen Rang durch warmen, balsamischen Bassgesang und unaufgesetzt würdevolle Gestaltung. Der junge Eberhard Wächter, zu dieser Zeit stimmlich in seiner Bestform, verbindet als Amfortas Expressivität mit nobler Kantilene. Klingsor und Titurel sind mit den Londoner Ensemblemitgliedern Otakar Kraus und Forbes Robinson angemessen besetzt.

Ekkehard Pluta [09.03.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Wagner
1Parsifal

Interpreten der Einspielung

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