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CD-Besprechung

Gaetano Donizetti: Parisina (Melodramma in drei Akten)

Opera Rara 3 CD ORC40

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 01.12.09

Opera Rara ORC40

3 CD • 2h 42min • 2008

1833, ein Jahr nach L’elisir d’amore und im selben Jahr wie Lucrezia Borgia, erschien – nebst einigen weiteren Opern Donizettis – das dreiaktige melodramma Parisina. Bis ins späte 19. Jahrhundert war diese effektvolle Oper in Italien höchst lebendig, der ganze „Olymp“ der italienischen Gesangskunst wie Grisi Rubini, Tamburini usw. traten in den Hauptrollen auf. Warum die Wirkung schließlich erlosch, wird sich nicht leicht ergründen lassen. Am Werk selbst kann es wohl kaum liegen, denn Parisina zählt zu den reifsten, stärksten Schöpfungen Donizettis. Die Partitur ist – trotz der latenten Arbeitsüberlastung des Komponisten – mit großer Sorgfalt gearbeitet. Ein ernstes, großes Werk, sehr düster, sehr tragisch. Freilich schleicht sich auch immer wieder das typisch italienische Terzen-Geplänkel ein. Kennzeichnend dafür ist bereits die Ouvertüre, die im ersten Teil eine regelrechte Requiem-Stimmung entstehen läßt, an die sich – ganz unvermittelt – ein lustiges Allegro anschließt, sogar mit einem veritablen, freilich ziemlich banalen Rossini-Crescendo. Die Trivialitäten bleiben jedoch mehr am Rande, sind hauptsächlich auf die „krachenden“ Aktschlüsse I und II beschränkt. Je weiter man in der Handlung vordringt, desto tiefer, bewegender wird das Werk.

Diese Handlung (Libretto von Felice Romani nach einem Motiv von Byron) führt eine Ehetragödie der grausamsten Art vor. Azzo, der Herzog von Ferrara, bedroht seine Gattin Parisina mit Eifersucht. Ugo, Parisinas Jugendgefährte, wird aus diesem Grund vom Hof verbannt, sucht aber trotzdem die Nähe seiner Jugendliebe. Azzo erwischt die beiden und läßt sie verhaften. Ugo wird zum Tod verurteilt, Azzo geht in seiner Brutalität soweit, seiner Gattin den enthaupteten Leichnam zu präsentieren, worauf auch sie ihr Leben aushaucht. Erhöht wird die fatale Situation dadurch, dass Ugo in Wahrheit ein illegitimer Sohn Azzos ist. Angeblich eine wahre Begebenheit aus der finsteren Geschichte des Hauses Este.

In der Uraufführung (17. März 1833 in Florenz) sangen Karoline Unger, Gilbert Duprez und Domenico Cosselli die drei Hauptpartien. Die schmerzerfüllte Figur der Parisina war eine der bedeutendsten Kreationen der österreichischen Mezzosopranistin Unger (Ungher-Sabatier), mit der sie in Italiens Opernhäusern Furore machte. 1840 trat sie in dieser Rolle auch in Wien auf, wo ihre grandiose Karriere begonnen hatte. Daß es eine Mezzostimme war, die sich Donizetti für die Titelrolle wünschte, hätte bei der opera rara-Produktion bedacht werden müssen. So gut und vielversprechend die junge Carmen Giannattasio auch singt und klingt, so sehr sie sich um Wirkung bemüht – sie ist es nicht und kann es auch gar nicht sein. Viel zu heller Stimmtypus, zuwenig Mittellage, überhaupt keine Tiefe, im Ganzen zuwenig Fülle und Gestaltungskraft. Alles wie mit Kreide auf weißem Grund gezeichnet, sauber, manchmal sogar schön – aber eine blasse Schönheit, ohne Konturen, ohne Individualität. Vor Jahren war es Montserrat Caballé, die das richtige Gesangs-Melos für solche Partien besessen hat. José Bros als Liebhaber Ugo jagt sein Organ in die höchsten Höhen, das klingt manchmal ziemlich gequält, aber es gelingt ihm als erfahrenem, tüchtigem Sänger eine gute Tenorleistung. Mit großer Energie und dramatischem Akzent formt der Bariton Dario Solari die Gestalt des unsympathischen Herzogs Azzo. Es ist unverkennbar, dass diese drei Rollen – wie stets bei Donizetti – für die sublimsten Gesangskünstler der Epoche geschrieben wurden. Es war die Zeit der singenden „Paradiesvögel“, die mit ihren Stimmen wahre Märchen und Wunder bewirkten. Da es diese Spezies nicht mehr gibt, müssen gewisse Abstriche hingenommen, muß vieles als guter Wille anerkannt werden. In den kleineren Rollen lässt Nicola Ulivieri (Ernesto) eine klangvolle Baßstimme hören, hingegen bereitet das klirrende Organ von Ann Tyler (Imelda) manch herbe Pein. Das Londoner Philharmonische Orchester unter David Parry sowie der Geoffrey Mitchell Choir bieten bestes opera-rara-Niveau. Dasselbe gilt für das umfangreiche, mustergültige, gehaltvolle, reich illustrierte Begleitbuch. Bei diesem Label gilt stets das Wort: bestens bedient.

Clemens Höslinger [01.12.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Donizetti Parisina (Melodramma in drei Akten)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Dario Solari Azzo, Herzog von Ferrara - Bariton
Carmen Giannattasio Parisina, Azzos Gemahlin - Sopran
José Bros Ugo, als Azzos Sohn erkannt - Tenor
Nicola Ulivieri Ernesto, Azzos Minister - Baß
Ann Taylor Imelda, Parisinas Zofe - Mezzosopran
Geoffrey Mitchell Choir Chor
London Philharmonic Orchestra Orchester
David Parry Dirigent
 
ORC40;0792938004020

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