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CD-Besprechung

Prelude & Fugue Bernd Glemser plays Bach and Shostakovich

OehmsClassics OC 738

1 CD • 62min • 2008

30.11.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Setzte Olli Mustonen in seinen ungewohnt packenden und spannenden Bach- und Schostakowitsch-Lesarten vor zehn Jahren auf starke Kontraste zwischen Schärfe und Entrücktem, auch auf bisweilen Überspitztes, so hat Bernd Glemser in erster Linie Gemeinsamkeiten atmosphärischer Art zwischen den Präludien und Fugen Johann Sebastian Bachs und Dmitri Schostakowitschs im Blick. Groteskes und Sarkastisches aus Schostakowitschs 24 Präludien und Fugen op. 87 lässt Glemser außen vor, bis auf das Werkpaar Nr. 15, das Prelude und die so formalistische, herb-mechanische Fuge Des-Dur. Aus dem programmatischen Rahmen fällt auch die unbeschwert perlende Brillanz des Präludiums und der Fuge G-Dur BWV 860 (Wohltemperiertes Clavier I), womit Glemser seine Reise von der Bachschen Kontrapunktik zu der Polyphonie des 20. Jahrhunderts, die in der Person Schostakowitschs unüberhörbar die Nähe zu Bach sucht, beginnt. Doch zwischen diesen beiden Polen spannt Glemser einen grandiosen Stimmungsbogen, gipfelnd in der b-Moll-Fuge BWV 891 (Wohltemperiertes Clavier II), deren Themencharakteristik und von Glemser akribisch herausgemeißelte Stimmführungen unwillkürlich an Schostakowitsch denken lassen und somit Bachs Modernität vollkommen unverstellt dem Hörer nahe bringen.

Mag der Zugriff des vielfach ausgezeichneten Pianisten aufgrund seiner absoluten Kontrolle über jeden einzelnen Ton und seines nicht vorhandenen bzw. kaum wahrnehmbaren Einsatz des Pedals zunächst recht analytisch wirken, so verflüchtigt sich dieser Eindruck schon mit dem zweiten Werkpaar dieser Einspielung, Schostakowitschs Prelude und Fuge e-Moll op. 87,4: Dem Meditativen und grüblerischen Ernst begegnet Glemser mit feinsten klanglichen Schattierungen, selbst innerhalb des sakralen Tonfalls der hymnisch sich aufschwingenden Fuge. Bemerkenswert sind hier, wie auch in dem anschließenden Präludium und Fuge gis-Moll BWV 887 (Wohltemperiertes Clavier I), agogische Feinheiten und eine ausgefeilte Kantabilität seiner Linienführungen, die das lyrische Moment dieser Werke sowie die Gemeinsamkeiten in Sachen Atmosphäre, harmonischer Fortschreitungen und gewisser dissonanter Reibungen vortrefflich beleuchten. Zu dem markanten Erfassen des jeweiligen polyphonen Stimmgewebes gesellt sich eine große Aufmerksamkeit, die Farbigkeit der Tongebung betreffend und eine bewundernswerte Ruhe, mit der das Material geformt wird. Es ist diese Sparsamkeit im Einsatz der gestalterischen Mittel, mit der Bernd Glemser das Profil der einzelnen Werke zu schärfen versteht. Dazu höre man Schostakowitschs Prelude und Fuge As-Dur op. 87,17 sowie Bachs Präludium und Fuge es-Moll BWV 853 (Wohltemperiertes Clavier I). Gerade die Wiedergabe dieser beiden Werkpaare verdeutlichen auf nahezu ideale Weise Bernd Glemsers Kust, die Musik fast allein aus sich selbst heraus ihren ganzen Zauber entfalten zu lassen. Und das ist mir eine glatte 10 wert.

Christof Jetzschke [30.11.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Präludium und Fuge Nr. 15 G-Dur BWV 860 (aus: Das Wohltemperierte Klavier Buch I BWV 846-869) 00:03:46
Dimitri Schostakowitsch
3Präludium und Fuge e-Moll op. 87 Nr. 4 00:09:07
Johann Sebastian Bach
5Prelude and Fugue No. 18 minor BWV 887 00:10:02
Dimitri Schostakowitsch
7Präludium und Fuge As-Dur op. 87 Nr. 17 00:05:25
Johann Sebastian Bach
9Präludium und Fuge Nr. 13 Fis-Dur BWV 858 (aus: Das Wohltemperierte Klavier Buch I BWV 846-869) 00:03:37
11Präludium und Fuge Nr. 8 es-Moll BWV 853 (aus: Das Wohltemperierte Klavier Buch I BWV 846-869) 00:10:10
Dimitri Schostakowitsch
13Präludium und Fuge es-Moll op. 87 Nr. 14 00:07:21
15Präludium und Fuge Des-Dur op. 87 Nr. 15 00:04:28
Johann Sebastian Bach
17Prelude and Fugue No. 22 minor BWV 891 00:08:16

Interpreten der Einspielung

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