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CD-Besprechung

A. Dvořák • J. Suk

OehmsClassics 1 CD OC 745

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 07.09.09

OehmsClassics OC 745

1 CD • 72min • 2007, 2008

Der wahre Gewinn dieser CD liegt in der Präsentation von Josef Suks Suite. Manchmal wünschte man den Produzenten mehr Mut zum Wagnis. Doch offenbar meint man, das Publikum mit Dvoráks populärer Neunter Sinfonie „ködern" zu müssen, damit es auch das weniger bekannte Werk eines Josef Suk zur Kenntnis nimmt.

Sicher passen beide Komponisten gut zusammen. Josef Suk (1874 - 1935), Geiger und Komponist, mit 17 Jahren einer der ersten Kompositionsschüler Antonín Dvoráks am Prager Konservatorium, später auch dessen Schwiegersohn, machte als Komponist mit einer Streicherserenade (op. 6) und einer Sinfonie in E-Dur (op. 14) auf sich aufmerksam. Seine frühen Werke stehen noch stark unter Dvoráks Einfluss – das gilt für die Harmonik, die Melodieentwicklung oder das Melos. Die Entwicklung eines spezifischen eigenen Stils kam erst mit zunehmendem Alter, vor allem aber nach einer doppelten traumatischen Erfahrung. Innerhalb eines Jahres (1904/1905) starben der Schwiegervater Dvorák und die geliebte Frau Otylka. Beispielhaft für Suks neuen Stil ist die fünfsätzige Sinfonie Asrael op. 27 – benannt nach dem Todesengel – , ein Requiem für Antonín Dvorák und seine Tochter Otylka Suk.

1897/98 komponierte Suk zum Märchenspiel Radúz a Mahulena des Dvorák-Freundes Julius Zeyer eine Bühnenmusik. Das Werk, das die Liebe zweier Königskinder zum Inhalt hat, die wegen ihrer verfeindeten Eltern zunächst nicht zueinander finden können, hatte auch symbolische Bedeutung. Suk identifizierte sich und Otylka mit den Hauptfiguren des Stücks. Die Familien Dvorák und Suk standen der Verbindung ihrer Kinder zunächst mindestens skeptisch gegenüber. Suk schrieb gleichsam im Liebesrausch. Nach der sehr erfolgreichen Uraufführung fasste er Teile der Schauspielmusik zu einer sinfonische Suite op. 16 zusammen, die er schlicht Pohádka (Märchen) nannte. Hier finden sich nicht nur in der Affinität zu Naturmärchen und Volksballaden mit ihren fantastischen, teils schaurigen Sujets, sondern auch im Tonfall Ähnlichkeiten zum kompositorischen Vorbild Dvorák.

Bertrand de Billy inszeniert das „Märchen" mit dem Wiener Radio-Symphonieorchester sehr subtil in Dramaturgie und Ton: vom zarten, innigen Beginn (mit Violinsolo), über den tänzerischen zweiten Satz in Polka-Manier mit seinem farbigen Bläsersatz und böhmischen Ton sowie den schwermütig-melancholischen Trauermarsch, der auch Mahlersche Dimensionen hat, bis zum aufrauschend-dramatischen wie lyrischen (wieder Geigensolo) erlösenden Finale, in dem der Fluch, der über den Liebenden liegt, aufgehoben wird.

Dvoráks Sinfonie Nr. 9 ist nicht minder gut geraten. Man hört das populäre Werk in einer von Klischees freien klassischen Interpretation: klar disponiert, dynamisch differenzierter Dynamik, kontrastreich, farbig, dazu mit Blick auf die Details und einer sorgfältigen Klangbalance. Und de Billy vermeidet platte Effekte und Überhitzung (Finale) oder Sentimentalität (Largo).

Das Klangbild ist uneinheitlich. Suks Tondichtung, im Großen Musikvereinssaal aufgenommen, klingt voll, transparent, farbig und direkt, Dvoráks Sinfonie (Aufnahmeort: Wiener Konzerthaus) dagegen deutlich weniger präsent und farbig.

Postkriptum: Die Aufnahmen haben nicht nur musikalisch-interpretatorisch Gewicht, sie sind auch ein klares Plädoyer für das Wiener RSO und dessen Erhalt. Man fragt sich nicht erst jetzt, wieso ein Orchester dieser Qualität und Bedeutung – dem die Auflösung droht – in Zukunft keine Existenzberechtigung mehr haben soll.

Dr. Helge Grünewald [07.09.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Suk Pohádka E-Dur op. 16 (Sinfonische Suite) 00:29:14
5 A. Dvořák Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 00:42:47

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Radiosinfonieorchester Wien Orchester
Bertrand de Billy Dirigent
 
OC 745;4260034867451

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