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CD-Besprechung

J. Haydn

hänssler CLASSIC 1 CD 98.589

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 08.05.09

hänssler CLASSIC 98.589

1 CD • 56min • 2008

CD-Debüts – das liegt in der Natur der Sache – machen neugierig. Vor allem dann, wenn sich das eingespielte Repertoire einer erdrückenden Konkurrenz auf dem Tonträgermarkt stellen muss. Erst recht, wenn ein junges Ensemble seit einigen Jahren von Erfolg zu Erfolg eilt. Das 2003 gegründete österreichische Minetti Quartett sammelte bereits zahlreiche wichtige Preise, beim Internationalen Rimbotti-Wettbewerb in Florenz, dem Internationalen Haydn-Wettbewerb Wien, in Graz beim Internationalen Streichquartett-Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“, dem Internationalen Kammermusikwettbewerb Trapani, bei der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest und im Jahr seiner Gründung den „Großen Gradus-ad-Parnassum-Preis“. 2006 feierte das Ensemble sein Amerika-Debüt, absolvierte im vergangenen Jahr rund 40 Konzerte (auch in Japan und Argentinien) und gastiert in der laufenden Saison im Rahmen des „Rising Stars“-Zyklus in den renommiertesten europäischen Konzertsälen.

Pünktlich zum Haydn-Jahr liegen nun die Interpretationen der aus Haydns späterer Schaffenszeit stammenden Quartette G-Dur op. 64,4 / Hob. III:66, g-Moll op. 74,3 / Hob. III:74 „Reiterquartett“ und D-Dur op. 76,5 / Hob. III:79 auf CD vor. Um es gleich zu sagen: Die vom Alban Berg Quartett betreuten Maria Ehmer und Anna Knopp (Violine), Markus Huber (Viola) und Leonhard Roczek (Violoncello) brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Sie beweisen nicht nur untadeliges spieltechnisches Können und ein exzellentes kammermusikalisches Verständnis, sondern eine frühe künstlerische Reife – und eine Meisterschaft im tiefenscharfen Spiel, die man gerade im Quartettspiel von Studenten so nicht unbedingt erwartet. Ihr Haydn ist klar, transparent und erfreulich frisch, weder nur unbeschwert, noch von nur liebenswerter Natürlichkeit. Sie demonstrieren eine Musizierhaltung, in der Konzentration, Witz und ein sportiver Ansatz eine glückliche Verbindung eingehen. Mich beeindruckt vor allem die Art und Weise, wie sie die Kontraste und überraschenden Momente der Tonsprache Haydns auskosten – etwa im Kopfsatz des „Reiterquartetts“ –, ohne diese aber zu sehr zu strapazieren. Ich denke dabei auch an die Pause nach den Einleitungstakten eben dieses Satzes: Das Minetti Quartett nimmt sie länger als viele anderen Ensembles, nicht zu lang, sondern zum Zerreißen gespannt. Die Lust der Minettis am affektbetonenden Spiel teilt sich vielleicht am besten in den langsamen Sätzen der Quartette op. 74,3 und op. 76,5 mit, denen sie sehr innige Ausdrucksnuancen abgewinnen, ohne in Süßlichkeit abzugleiten. Mag die detaillierte rhetorische Durchformung einzelner Sätze hier und da noch ein wenig verbesserungswürdig sein, so überzeugt in besonderem Maße die emotionale Durchdringung der Quartette und die sprachnahe Phrasierung (sehr schön nachvollziehbar im robusten Trio des Menuetts aus op. 76,5), mit der das Ensemble – manchmal vor Energie fast berstend – seinen Spaß daran zum Ausdruck bringt, die hier eingespielte Musik zum Sprechen zu bringen.

Fazit: Mit dem Minetti Quartett wird man in Zukunft auf jeden Fall rechnen müssen. Ob die vier Studenten das Erbe des Alban Berg Quartetts antreten können, ist eine andere Frage. Gehen sie jedoch auch weiterhin mit dem gleichen Temperament und der gleichen Ernsthaftigkeit zur Sache, wie auf ihrer Debüt-CD, so könnten sie in der Streichquartett-Welt für weit mehr als nur für einen frischen Wind sorgen.

Christof Jetzschke [08.05.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Streichquartett G-Dur op. 64 Nr. 4 Hob. III:66 00:17:47
5 Streichquartett g-Moll op. 74 Nr. 3 Hob. III:74 (Reiterquartett) 00:20:48
9 Streichquartett D-Dur op. 76 Nr. 5 Hob. III:79 00:17:47

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Minetti Quartett Streichquartett
 
98.589;4010276022671

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