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CD-Besprechung

Ich will in Frieden fahren

Geistliche Musik für Countertenor & Gambenconsort

Ich will in Frieden fahren

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 06.04.09

Christophorus CHR 77305

1 CD • 64min • 2008

Die Musik dieser CD entstammt einer Zeit des Umbruchs – man könnte auch von der Zeit der Geburtswehen unserer modernen geistigen Welt sprechen: Der Glaube an die unverrückbare Wahrheit des katholischen Dogmas war nach der Reformation und mit dem Anbrechen der Herrschaft des Verstandes endgültig dahin, so sehr die katholische Kirche im Konzil von Trient mit inneren Reformen eine Antwort auf die Reformation zu finden gesucht hatte und sich mit der Verbrennung Giordano Brunos als Ketzer und der Verurteilung der Lehren Galileo Galileis gegen den aufkeimenden Rationalismus wehrte. Um unkritischere Seelen kämpfte der Katholizismus mit der Gegenreformation, während die Protestanten ihr Heil in einer orthodoxen Verhärtung der reformatorischen Lehren suchten. Schließlich ging in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch Deutschland der Sturm des Dreißigjährigen Krieges, in dem die religiösen Parteien mit äußerster Grausamkeit um Macht und Einfluss im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation stritten. Das Ende vom Lied war Tod und Verderben in Deutschland, wie sie seit dem großen Pestjahrhundert 300 Jahre zuvor nicht mehr geherrscht hatten, und die politische Marginalisierung Mitteleuropas in einem Reich, das – in seine Teilstaaten zersplittert – nur noch eine Trugbild seiner einstigen Größe war.

Von der unter italienischem Einfluss stehenden Musik der Habsburger in Österreich bis nach Sachsen und Thüringen, zwei Kernlandschaften der Reformation, und hinauf nach Skandinavien reicht das Programm, mit dem die Damen des Ensembles Les Escapades und der Kontratenor Franz Vizthum ein lebendiges Bild dieser Zeit entwerfen. So bilden Mariengesänge des Italieners Giovanni Legrenzi und von Kaiser Ferdinand III. sowie ein Lamento aus der Feder von J. S. Bachs Großonkel Heinrich Bach und ein Vater unser des Mecklenburgers Christian Geist, der in Stockholm und Kopenhagen wirkte, einen breiten Rahmen, in dem auch Instrumentalwerke des Katholiken Biber (Salzburger Hofkapellmeister) und der Protestanten David Funk und Clemens Thieme (ein Schüler von Heinrich Schütz) ihren Platz finden.

Mit angenehmem Timbre und makelloser Intonation erfreut Franz Vizthum, ein ehemaliger Regensburger Domspatz, Schüler von Kai Wessels und 1997 Träger des erster Preises des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“. Das Gambenensemble Les Escapades, um einige Gäste vermehrt, harmoniert bestens mit dem Gesangssolisten und weiß auch in den Instrumentalsätzen durch stilsicheres und liebevolles Musizieren zu erfreuen.

Detmar Huchting [06.04.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.A. Rigatti Ave Regina caelorum 00:04:11
2 H.I.F.  Biber Balletti lamentabili à 4 00:11:26
8 Ferdinand III. Jesu Corona Virginum (Hymnus) 00:04:00
9 G. Legrenzi Sonata sesta 00:04:42
12 H. Bach Ach, daß ich Wassers gnug hätte 00:06:20
13 D. Funck Stricturae Violae di Gambicae (Suite) 00:11:03
20 Chr. Geist Vater unser, der du bist im Himmel 00:06:04
21 J.R. Ahle Jesu dulcis memoria (Jubilus S. Bernardi) 00:05:42
22 C. Thieme Sonata à 5 Viole d-Moll 00:04:45
23 J.Ph. Krieger Ich will in Friede fahren c-Moll 00:05:06

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Franz Vitzthum Countertenor
Les Escapades Ensemble
 
CHR 77305;4010072773050

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