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CD-Besprechung

Bartók New Series

Works for Piano Solo (6)

Hungaroton HCD 32529-30

2 CD • 2h 33min • 1997

02.04.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die ersten Tonfolgen sind in ihrer stoischen Langsamkeit eine Geduldsprobe, aber bald möchte man selbst in die Tasten greifen und das ausprobieren. Alles wächst. Melodien gewinnen an Selbstbewusstsein durch Verstärkung im Unisono, später durch Imitationen und Gegenbewegungen. Simple Punktierungen des Metrums lassen erste Anflüge von tänzerischer Anmut aufkommen – viel später lassen verquere Fünfer- und Siebener-Rhythmen oder gar Polymetren die Puppen tanzen! Béla Bartók komponierte zwischen 1926 und 1939 seinen Mikrokosmos und zeigte damit einen alternativen, aber zwingend logischen Weg auf, der über insgesamt 153 Stücke vom zarten Beginn zunehmend in große Musik führt. Und die ist Abenteuer von Anfang an, denn analog zum schrittweisen Ausbau der pianistischen Verfahren öffnet sich hier die Schatzkiste von Bartóks grenzüberschreitendem Forschergeist.

Das beflügelt den Lernenden am Klavier: Wo die enervierende Ödnis der ersten Anfänge – vor allem eine verstaubte Dur-Moll-Hegemonie – aufgebrochen ist, werden schon im Frühstadium lustvolle Erfahrungen möglich. Pentatonik, Kirchentonarten, Chromatik, schräge Rhythmen aus bulgarischer oder ungarischer Volksmusik oder der aufwühlende Gänsehaut-Effekt einer Tritonus-Harmonik – man kann in diesen Übungen ertasten, wie so etwas funktioniert und wirkt – vielleicht auch in der Improvisation etwas neues damit anstellen. Und damit sind wir bei der bemerkenswerten Leistung des ungarischen Pianisten Zoltán Kocsis, der auf seiner aktuellen Doppel-CD jeden konzentriert Hörenden auf diesen Erfahrungsweg mitnimmt. Mit pointierter Akribie und energetischer Leuchtkraft demonstriert Zoltán Kocsis, dass dieser Mikrokosmos auch „Evolution“ heißen könnte. In glasklarer Interpretation vermeidet es der Pianist, den Notenvorgaben zu viel subjektive „Deutung“, zu viel eigenes Ego aufzupfropfen. Was im Titel gefordert ist, bildet er analytisch ab – nicht ohne die Klangfarben mit sattem Pinselstrich aufzutragen. Die vom Hungaroton-Label realisierte mustergültige Aufnahmetechnik leistet ein Übriges, dass sich der Klang des Flügels mit resolutem Druck im Hörraum entfaltet. Rhythmische Probleme akzentuiert Kocsis durch Lautstärkewechsel, die das Funktionale unterstreichen. Aus der klassischen balinesischen Musik kommen Geflechte aus Pentatonik, gepaart mit hypnotischen Unisono-Passagen. Sie faszinierten Bartók und Kocsis greift in diesem Moment die ganze metallische Ekstatik eines Gamalan-Orchsters auf.

Jetzt muss man nur noch zuhören oder selber spielen – Komponist und Interpret geben einen aufregenden Leitfaden dazu.

Wie schon an anderer Stelle auch hier der Vermerk, dass es sich bei dieser Aufnahme um Philips-Aufnahmen handelt, die nun bei Hungaroton eine neue Bartok-Edition einleiten.

Stefan Pieper [02.04.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Béla Bartók
1Mikrokosmos Sz 107 BB 105 (153 Progressive Piano Pieces)

Interpreten der Einspielung

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