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CD-Besprechung

Polish Piano Trios

Polish Piano Trios

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.01.09

Challenge Classics CC72310

1 CD • 60min • 2005

Dem Wiener Altenberg Trio – in verschiedener Besetzung – ist seit seinem „offiziellen“ Debüt 1994 im Rahmen der Salzburger Mozartwoche vor allem eines zuzugestehen: Es hat sich mit geradezu friedlichem Fanatismus um die Erweiterung des Repertoires gekümmert. Rund 200 Klaviertrios sind studiert und aufgeführt worden, gar nicht groß zu reden von Werken sozusagen angrenzender Besetzungen in Form von Klavierquartetten, Duos, Tripelkonzerten und Kammermusik mit vokaler Anreicherung. Die Interessen der Wiener Musiker richteten sich dabei nicht nur auf die Vergangenheit. Impulse gab das Trio für lebende Autoren, deren Arbeiten nicht nur einstudiert wirkten, sondern als echte Beiträge für das Über- und Weiterleben gegenwärtiger Musik gelten dürfen.

Unter solchen Vorzeichen mutigen Engagements ist auch diese Einspielung mit zwei wertvollen, in jeder Beziehung hörenswerten Klaviertrios zu bewerten und einem größeren Musikfreundekreis zu empfehlen. Das cis-Moll-Trio des bei uns so gut wie unbekannten polnischen Komponisten Artur Malawski (1904–1957) ist die späte, ja die letzte kammermusikalische Aussage eines äußerst selbstkritischen, seine schöpferische Arbeit reflektierenden Komponisten, dessen „Auftrag“ in Nachbarschaft zur Ästhetik Szymanowskis zu sehen ist. Dennoch: es ist eine eigene Note, eine eigene Färbung des Gewünschten und des handwerklich Gekonnten, die vom ersten Takt an gefangen nimmt und im Verlauf von vier „klassisch“ angeordneten Sätzen kaum je an Intensität und Überzeugungskraft einbüßt.

Unter dem erfreulichen Eindruck dieses Werkes darf es nicht unerwähnt bleiben, dass zu Malawskis Schülern Krzysztof Penderecki und die nach Österreich ausgewanderten Komponisten Roman Haubenstock-Ramati und Boguslaw Schaeffer gehörten!

Über den 1943 in Krakau geborenen Krzysztof Meyer wäre eine Menge (also mehr als an dieser Stelle möglich!) zu berichten, ist er doch als Komponist, als Musikologe, als Schriftsteller und als ästhetisch-moralische Autorität zu den führenden Persönlichkeiten des polnischen Musiklebens zu zählen (und über alle Grenzen hinweg auch zu den bestimmenden Persönlichkeiten der internationalen Musikszene). Meyers künstlerischer Lebensweg wurde zunächst von Penderecki, später von Nadia Boulanger und Witold Lutoslawski geprägt, über dessen Werk und Wirken er zusammen mit seiner Frau, der Musikwissenschaftlerin Danuta Gwizdalanka, eine zweibändige Monographie veröffentlicht hat. Standard und in Musikerkreisen höchst geschätzt ist auch Meyers Schostakowitsch-Biographie, die 1995 erschienen und auch in deutscher Übersetzung greifbar ist.

Meyers Klaviertrio op. 50 aus dem Jahr 1980 ist eine gelungene Synthese aus formaler, struktureller Bedachtheit und gleichsam das schöpferische Gerippe überwölbenden Emotion. Im Begleitheft, mit ausführlichen Bemerkungen des Trio-Pianisten Claus-Christian Schuster, werden Aussagen Krzystof Meyers zitiert, die dem Hörer Aufschluss geben, wollte er sich im Vorfeld des Hörens mit dem Stück vertraut machen. Meyer: „Die fünf Sätze sind im Gestus kontrastierend angelegt. Die Harmonik ist zwar nicht tonal, doch mit wechselnden Bezugspunkten, häufig springenden oder parallel laufenden mehreren Zentraltönen. Der erste Satz verknappt das klassische Vorbild des sonatenartigen Kopfsatzes zu einer gedrängten Exposition mit durchführungsartigen Passagen; ein Signal aus vier Akkorden, eine vorwärts stürmende Triolenbewegung, ein hier unisono angestimmtes Motiv aus aufsteigender Quart, kleiner Sekunde und Quinte – das sind die charakteristischen Merkmale. Ein langsamer Satz schließt sich an; das Cello intoniert eine Variante des zuletzt erwähnten Motivs, durch sul ponticello-Spiel klanglich zugespitzt.“ Meyers Selbstanalyse ist damit längst nicht beendet, er folgt seinem kompositorischen Plan im Beiheft bis zum „kantablen Niedersinken“ des „Con moto“-Finales, das mit mehr als 13 Minuten Spieldauer am ausschweifendsten von Meyers gescheiter, aber niemals trockener Klaviertrio-Alchemie berichtet.

Vergleichsaufnahme: Meyer: Arcadia Trio (Bella Musica BM 31.2415).

Peter Cossé [19.01.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Malawski Klaviertrio cis-Moll (1953) 00:25:59
5 K. Meyer Klaviertrio op. 50 (1980) 00:23:36

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Altenberg Trio Wien Klaviertrio
 
CC72310;0608917231021

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