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CD/SACD stereo-Besprechung

Edvard Grieg Lyric Pieces

Audite 92.555

1 CD/SACD stereo • 75min • 2007

19.02.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Sind die Lyrischen Stücke von Edvard Grieg Salonmusik? Jedenfalls stehen sie unter Verdacht. Spätestens seit der Aufnahme von Griegs norwegischem Landsmann Leif Ove Andsnes sollte das Klischee jedoch ausgeräumt oder zumindest relativiert sein. Da wurden aus Salonpiecen (meist) romantische Charakterstücke voll poetischen Zaubers – fern der sentimentalen Gestik, nah der „sprechenden“ Miniatur. Auch die japanische Pianistin Hideyo Harada lässt sich bei ihrem Querschnitt durch Griegs klavieristisches Oeuvre von keinem Vorurteil belasten. Bei ihrem „singenden“ Anschlag bleibt das Atmophärische tonangebend: die Lyrischen Stücke als wohlbedachte Abfolge von melodischen Stimmungsbildern.

Die Poesie überwiegt – und das nicht zuletzt wegen der Auswahl. Hideyo Harada spielt 22 Nummern, somit genau ein Drittel der kompletten Sammlung. Freilich nicht (wie Andsnes) in chronologischer Reihenfolge, sondern in freier Assoziation, sozusagen eine musikalische Hörfolge. Griegs frühe Beiträge des Opus 12 bleiben bis auf einziges Beispiel ausgespart; dieses, mit dem Untertitel „norwegisch“, gibt sich folkloristisch, schliesslich wird auf den Springtanz „Halling“ Bezug genommen. Dass die Pianistin, bei aller Vorliebe für das elegante Gleiten, den rhythmischen Drive durchaus auszukosten weiss, beweist der pikante Marsch der Trolle. Erstaunlicherweise bleibt Harada im Hit Nummer eins, der Hochzeit auf Troldhaugen, auffallend zurückhaltend.

Wie weit die Wahl des Flügels dabei eine Rolle spielte, muss offen bleiben. Andsnes spielte auf dem eigenen Instrument Griegs in dessen Heim Troldhaugen bei Bergen, argumentiert also „authentisch“. Der Ton des modernen Steinways von Hideyo Harada klingt heller, pointierter und gestattet letztlich wohl auch mehr Nuancen. Das weiss die Interpretin zu nutzen, wobei sie dennoch die Gelassenheit, die stilistische Souveränität von Andsnes nicht ganz erreicht. Mehr Märchenpoesie als Entrückung – damit finden wir uns wieder in der Nähe jener Hausmusik, die bei allen visionären Ausblicken in die Natur (An den Frühling) und gelegentlicher Tendenz zum grossen Gefühl (Erotik) eine gewisse Naivität nicht abzustreifen vermag. Und vielleicht auch nicht will.

Mario Gerteis † [19.02.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Edvard Grieg
1Melodie C-Dur op. 38 Nr. 3 00:02:02
2Vöglein d-Moll op. 43 Nr. 4 00:01:44
3Erotik F-Dur op. 43 Nr. 5 00:03:08
4Frühling Fis-Dur op. 43 Nr. 6 00:03:12
5Melodie a-Moll op. 47 Nr. 3 00:04:06
6Schmetterling A-Dur op. 43 Nr. 1 00:02:05
7Berceuse G-Dur op. 38 Nr. 1 00:02:59
8Bächlein h-Moll op. 62 Nr. 4 00:01:43
9Entschwundene Tage d-Moll op. 57 Nr. 1 00:06:57
10Albumblatt F-Dur op. 47 Nr. 2 00:03:35
11Valse-Impromptu e-Moll op. 47 Nr. 1 00:03:04
12Traumgesicht A-Dur op. 62 Nr. 5 (aus: Lyrische Stücke op. 62) 00:02:54
13Norwegian D-Dur op. 12 Nr. 6 00:01:00
14Homesickness e-Moll op. 57 Nr. 6 00:04:38
15Scherzo e-Moll op. 54 Nr. 5 00:03:15
16Zu deinen Füßen D-Dur op. 68 Nr. 3 00:03:06
17Hochzeitstag auf Troldhaugen D-Dur op. 65 Nr. 6 00:06:48
18Geheim G-Dur op. 57 Nr. 4 00:05:06
19Sylphe h-Moll op. 62 Nr. 1 00:01:43
20Abend in den Bergen e-Moll op. 68 Nr. 4 00:03:46
21Zug der Zwerge d-Moll op. 54 Nr. 3 00:03:09
22Notturno C-Dur op. 54 Nr. 4 00:04:45

Interpreten der Einspielung

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